Wien/Vatikanstadt

Schönborn: „Pachamama“-Raub „skandalös und empörend“

„Wer 'pro life' ist, sollte in dieser Statue ein deutliches Zeichen für das Leben sehen", äußert sich der Vorsitzende der österreichischen Bischöfe, Kardinal Christoph Schönborn, zu den umstrittenen "Pachamama"-Figuren.

Umstrittene indigene Holzfigur
Eine "Pachamama"-Figur in der Kirche Santa Maria in Traspontina in Rom. Auch wenn man sich von den hölzernen Darstellungen nackter schwangerer Frauen provoziert fühle, sei dies noch lange keine Rechtfertigung, sie in den Tiber zu stoßen, meinte Schönborn. Foto: Paul Haring (KNA)

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat den Diebstahl der umstrittenen "Pachamama"-Figuren als „skandalös und empörend“ bezeichnet. Wie die österreichische katholische Nachrichtenagentur „kathpress“ berichtet, erklärte Schönborn: „Wer 'pro life' ist, sollte in dieser Statue ein deutliches Zeichen für das Leben sehen.“

Schönborn: Ausdruck für die Heiligkeit des Lebens

Er selbst sei während der Beratungen in der Synodenaula unmittelbar gegenüber einer indigenen Statue gesessen, die eine schwangere Frau zeigt, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz weiter. Für ihn sei die Statue Ausdruck für die Sensibilität der Indigenen und für die Heiligkeit des Lebens, für die sich die katholische Kirche dezidiert einsetze. Auch wenn man sich von den hölzernen Darstellungen nackter schwangerer Frauen provoziert fühle, sei dies noch lange keine Rechtfertigung, sie in den Tiber zu stoßen.

Indes bekannte sich der österreichische Lebensrechts-Aktivist Alexander Tschugguel in einem fünfminütigen Video im Netz dazu, die "Pachamama"-Figuren aus der römischen Kirche Maria in Traspontina entwendet und in den Tiber gestoßen zu haben. Er begründete sein Vorgehen damit, dass die Aufstellung der Figuren gegen das erste Gebt verstoßen habe. Die Figuren waren bereits äußerst umstritten, bevor sie aufgestellt worden waren.

"In allen Religionen gibt es Elemente,
die gereinigt, aufgenommen
und christianisiert werden können"
Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien

Im Blick auf die Frage, wie die Kirche mit nichtchristlichen Kulturen und religiösen Ausdrucksformen umgehen solle, verwies Erzbischof Schönborn auf den kürzlich heiliggesprochenen Kardinal John Henry Newman und dessen theologische Studien. Darin heißt es, dass die katholische Kirche in anderen Religionen immer Anknüpfungspunkte für die Verkündigung des Evangeliums gefunden habe. „In allen Religionen gibt es Elemente, die gereinigt, aufgenommen und christianisiert werden können“, so Schönborn.

Anders als der Wiener Kardinal hatte der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, Pater Karl Wallner, die „Pachamama“-Darstellungen nicht verteidigt. Im Gespräch mit der „Tagespost“ erklärte er: „Götzenstatuen, Figuren, die ein archaisches und abergläubisches religiöses Bild darstellen, sind nicht Sache von uns Christen.“ Die Aufgabe der Inkulturation sei es, herauszufinden, was in den noch nicht christlichen Kulturen wirklich wahr und heilig sei, „aber auch auszusondern, was nicht mit den grundlegenden Prinzipien des Glaubens in Einklang ist“, so Wallner.

DT/mlu/KAP