Würzburg

Sarah: "Das Zeitalter der Kirche dauert lange"

Das kirchliche Lehramt ist Garant für die Einheit des Glaubens, meint der afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah. Einigen Bischöfen wirft er vor, die göttliche Wahrheit mit gängigen Meinungen und Ideologien zu vermischen.

Kurienkardinal Robert Sarah
Heute herrsche "ein regelrechter Missklang in den Lehren der Hirten, der Bischöfe wie der Priester. Sie widersprechen sich offenkundig", schreibt Kurienkardinal Robert Sarah. Foto: IN

Der afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah hat die Bedeutung des Lehramts für den Glauben der Kirche unterstrichen. Zwar könne das wahre Lehramt, im Sinne seiner übernatürlichen Funktion als mystischer Leib Christi, der auf unsichtbare Weise vom Heiligen Geist bewahrt und geführt wird, nicht in eine Krise geraten, schreibt der Präfekt der römischen Gottesdienstkongregation in seinem aktuellen Buch "Bleibe bei uns Herr" (erschienen im fe-Verlag), dass ab 6. September im Handel erhältlich ist. Doch herrsche heute "ein regelrechter Missklang in den Lehren der Hirten, der Bischöfe wie der Priester. Sie widersprechen sich offenkundig."  Daraus ergebe sich Verwirrung, Mehrdeutigkeit und Glaubensabfall.

"Leider vermischen einige Hirten die
göttliche Wahrheit [...] bedenkenlos
mit gängigen Meinungen, mit
gerade vorherrschenden Ideologien"
Kurienkardinal Robert Sarah

Das Lehramt sie jedoch der der Garant für die Einheit des Glaubens. Die Fähigkeit der Gläubigen, die Lehre der Kirche mit Gehorsam und Demut in einem Geist der Jüngerschaft aufzunehmen, sei der wahre Ausdruck unserer Kindschaft zur Kirche. Kritisch merkt Kardinal Sarah an: "Leider vermischen einige Hirten die göttliche Wahrheit, die sie eigentlich mit höchster Vorsicht weitergeben sollten, bedenkenlos mit gängigen Meinungen, mit gerade vorherrschenden Ideologien. Wie sollen wir da unterscheiden? Wie einen sicheren Weg durch diese Wirrungen finden?"

Verweis auf den heiligen Vinzenz von Lérins

Kardinal Sarah verweist auf den heiligen Vinzenz von Lérins. Der Kirchenvater werfe in seinem Werk Commonitorium ein klares Licht auf die Frage nach Fortschritt oder Veränderung im Glauben: "Unsere Vorfahren haben vor Zeiten auf dem Saatfelde der Kirche die Samen des Glaubensweizens ausgestreut. Es wäre nun sehr unrecht und unpassend, wenn wir, ihre Nachkommen, statt der echten Wahrheit des Getreides den untergeschobenen Irrtum des Unkrautes einsammelten. Im Gegenteil, es wäre das Richtige und Entsprechende, dass wir, da Anfang und Ende sich nicht widersprechen dürfen, von dem Wachstum der Weizenunterweisung auch die Frucht des Weizendogmas einernten, so dass, wenn sich etwas von jenem uranfänglichen Samen im Laufe der Zeit entwickelt, dasselbe jetzt grünt und zur Reife gelangt, an der Eigentümlichkeit des Keimes sich aber nichts ändert."

Nachdrückliche Bitte an Geistliche, den Glauben zu hüten

Mit Nachdruck bittet Kardinal Sarah die Bischöfe und Priester, den Glauben der Gläubigen zu hüten. Das Lehramt aufzunehmen und es gemäß der Hermeneutik der Kontinuität zu deuten, erfordere Zeit. Das bedeute auch, sich nicht den Rhythmus der Medien aufzwingen zu lassen, die so schnell über Veränderung, Umschwung oder Revolution berichteten. Das Zeitalter der Kirche dauere lange. Es sei ein Zeitalter, in dessen Verlauf um die Wahrheit gerungen worden sei.

Wörtlich erklärt Kardinal Sarah: "Ich möchte die Christen ermutigen: Lasst Euch nicht verwirren! Ihr haltet in Euren Händen den Schatz des katholischen Glaubens. Er wurde Euch vermacht durch viele Jahrhunderte der geistigen Durchdringung, in der ununterbrochenen Lehre der Päpste. Dieser überlieferte Glaube ist die beste Grundlage für Euer Glaubensleben."

DT/reg