Rom

Salvini offen für Gespräche mit der Kirche

Kardinal Camillo Ruini fordert zum Dialog mit dem Lega-Chef auf, der allerdings „noch etwas reifen“ müsse.

Matteo Salvini sucht Kontakt zur Kirche
Matteo Salvini während einer Großkundgebung. Der Chef der rechten Lega und ehemaliger Innenminister von Italien will nun vertrauliche Kontakte zu Kirchenkreisen aufnehmen. Foto: Vincenzo Livieri (LaPresse via ZUMA Press)

Lega-Chef Matteo Salvini sucht jetzt das Gespräch mit der Kirche. Nach einem Interview des langjährigen Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, in dem dieser die Kirche seines Landes zum Dialog mit dem Rechts-Populisten aufgerufen hatte, will nun Salvini umgekehrt vertrauliche Kontakte zu Kirchenkreisen aufnehmen. Das was Ruini über ihn im Interview gesagt habe, habe ihn „betroffen gemacht und bewegt“, sagte er am Dienstag der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Ruini teilt nicht das "rein negative" Bild Salvinis

Der heute 88 Jahre alte Kardinal, der auch von 1991 bis 2007 Kardinalvikar von Johannes Paul II. für die Diözese Rom war, hatte in dem Zeitungsgespräch am vergangenen Sonntag erklärt, er selbst teile nicht das „rein negative Bild Salvinis, das in einigen Bereichen gezeichnet wird“. Nach seiner Einschätzung habe der Lega-Chef „beachtliche Perspektiven“, müsse aber noch etwas reifen. „Ein Dialog mit ihm scheint mir aber Pflicht, auch wenn ich ihn persönlich nicht kenne“, meinte der Kardinal. Mit Blick auf Salvinis restriktive Migrationspolitik sagte Ruini: „Für Salvini gilt wie für jeden von uns das Evangelium der Nächstenliebe, ohne dabei die Probleme,die mit Migration einhergehen, zu unterschätzen.“ 

„Ich mache jetzt einige Termine“ 

Daraufhin erklärte jetzt Salvini gegenüber derselben Zeitung, Ruini stehe „für einen bedeutsamen Teil der Kirche. Ich suche den Dialog mit der Italienischen Bischofskonferenz, mit den Bischöfen und mit der katholischen Welt.“ Die Worte Kardinal Ruinis seien „eine außergewöhnliche Öffnung“. Zu der Bemerkung Ruinis, er, Salvini, müsse noch etwas reifen, meinte der Politiker, dass niemand „damit aufhört, zu lernen“. In jedem Fall wolle er den Kardinal privat begegnen. „Ich will mit ihm und mit vielen Katholiken reden, die Interesse an meiner Politik haben. In den kommenden Tagen werde ich einige Termine machen.“

Ein Bischof hat Bedenken

Salvini wird von italienischen Kirchenkreisen immer wieder vorgeworfen, er instrumentalisiere den katholischen Glauben für seine politischen Ziele, wenn er bei Wahlkampfauftritten oder öffentlichen Auftritten mit dem Rosenkranz und der Bibel hantiere. Auch war die rigide Einwanderungspolitik der geschlossenen Häfen, die Salvini als Innenminister betrieben hatte, vielen Kirchenvertretern ein Dorn im Auge und stand oft in krassem Gegensatz zu den Appellen von Papst Franziskus. Der Bischof von Mazara del Vallo, Domenico Mogavero, hatte nach dem Ruini-Interview erklärt, es sei nicht einfach, „mit Salvini zu reden“. Er wolle den Politiker sehr gerne treffen, dieser lasse aber wenig Raum für ein Gespräch.

Er glaube nicht, dass Salvini offen für eine wirkliche Auseinandersetzung sei. Für den Politiker sei man „entweder für oder gegen ihn“. Und es reiche nicht, den Rosenkranz oder Kreuze zu schwingen, um sich als katholisch zu definieren, sagte Mogavero weiter. Das sei eine politische, am Tisch entworfene Strategie. Das tue Salvini, um, wie der Bischof meinte, „seine Ideologie voranzubringen, die nicht in im Einklang steht mit dem Evangelium, das von Aufnahme und offenen Häfen spricht“.

DT/gho