Warschau

Primas des Milleniums

Kardinal Stefan Wyszyñskis Seligsprechung steht bevor.

Kardinal Stefan Wyszynski
Eine Delegation der Konferenz des polnischen Episkopates unter der Leitung des Primas, Kardinal Stefan Wyszynski (links), besuchte vom 20.- 25. September 1978 die deutsche Bischofskonferenz. Foto: KNA

Die letzten Hürden des Seligsprechungsprozesses für Kardinal Stefan Wyszyñskis (1901–1981), des früheren Primas von Polen, sind genommen. Am 3. Oktober genehmigte Papst Franziskus das Dekret zur Seligsprechung. Mit diesem Akt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren erkennt die Kirche ein Wunder auf die Fürsprache des verstorbenen Kardinals an. Eine 19-jährige Frau aus Stettin, die an einem unheilbaren Schilddrüsenkrebs erkrankt war, wurde auf unerklärliche Weise gesund. Die Ärzte hatten ihr keine Überlebenschance gegeben. Doch zu dieser Zeit beteten viele Ordensschwestern um die Fürsprache Kardinal Wyszyñskis für die Heilung der Frau. Nach intensiven Gebeten fand am 14. März 1989 ein medizinisch nicht erklärbare Heilung statt. Weitere Untersuchungen am Institut für Onkologie in Gleiwitz bestätigten in den folgenden Jahren ihre gute gesundheitliche Verfassung. In den seit der Erkrankung verstrichenen dreißig Jahren traten keine Tumore mehr auf.

Datum und Ort der Seligsprechung bald bekannt

In Kürze wird die Mitteilung des Heiligen Stuhls erwartet, an welchem Datum und Ort die Seligsprechung stattfinden wird. „Es ist kein Geheimnis, dass ich um Warschau und den Pi³sudski-Platz gebeten habe. Das Datum der Seligsprechung im Spätfrühling wäre in pastoraler Hinsicht optimal, nämlich der Jahrestag des Todes oder der Beerdigung des Primas Wyszyñski“, sagte Kardinal Kazimierz Nycz, Metropolit von Warschau.

Am 18. Mai 2020 wird Polen auch den 100. Geburtstag des heiligen Johannes Paul II. feiern. Die Seligsprechung des Primas würde nach den Vorstellungen der polnischen Würdenträger gut dazu passen: Denn „ohne Kardinal Wyszyñski wäre kein Pole Papst geworden“ – wie es Johannes Paul II. einmal gesagt haben soll.

"Wo immer er den Sinn für Gespräche
und Dialog für das Wohl der Kirche
in Polen [...] sah, entschied er
sich für den Weg des Dialogs"
Kardinal Kazimierz Nycz

Kardinal Wyszyñski war in der schwierigsten Zeit der kommunistischen Herrschaft langjähriger Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz und Primas von Polen (1948–1981). „Wir sehen ihn auch als Staatsmann, der in einer äußerst schwierigen Zeit die Kirche in Polen führen musste. Er tat es mutig, auch wenn die Konsequenz seiner Entscheidung Haftstrafe bedeutete. Aber er tat es auf umsichtige Weise: Wo immer er den Sinn für Gespräche und Dialog für das Wohl der Kirche in Polen und für das Wohl der Polen sah, entschied er sich für den Weg des Dialogs“, unterstrich Kardinal Nycz.

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanis³aw G¹decki, schrieb in einem Brief an Papst Franziskus, dass die Seligsprechung des Primas ein äußerst wichtiges Ereignis für die Kirche in Polen werde: „Wir brauchen heute das Beispiel und die Fürsprache mutiger und standhafter Glaubenszeugen, die keine Mühe gescheut haben, das Evangelium von Christus zu verkünden und Hüter der Wahrheit zu sein, selbst um den Preis der Freiheit oder des Lebens.“