Regensburg

Porträt der Woche: Josef Kreiml

Der in München habilitierte Dogmatiker Josef Kreiml ist vom Regensburger Bischof Voderholzer zum Domkapitular ernannt worden. Und mit der Begleitung des "Synodalen Wegs" betraut.

Der Dogmatiker Josef Kreiml
Mit Josef Kreiml kommt ein hochgebildeter, theologisch und priesterlich absolut verlässlicher und menschlich loyaler Mitstreiter in den Regensburger Weinberg des Herrn. Foto: privat

Als sich der frisch erwählte Papst Benedikt XVI. auf der Mittelloggia der Petersbasilika in seiner ersten Ansprache als „einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“ vorstellte, entbehrte das nicht einer feinen Ironie. Als Theologe wie als Präfekt der Glaubenskongregation hatte sich Joseph Ratzinger längst kraftvoll in die Kirchengeschichte eingeschrieben. Einer, der sich als einfacher und unermüdlicher Arbeiter im Weinberg des Herrn versteht und gibt, ist Josef Kreiml, der über die Theologie Benedikts XVI. zwei lesenswerte Bände herausgegeben hat. Seit 16 Jahren lehrt der in München habilitierte Dogmatiker an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten, die er seit 2005 als Rektor leitet. Nun hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer den heimatverbundenen Oberpfälzer zum Domkapitular ernannt und mit der Begleitung des „Synodalen Wegs“ betraut. Ein geschickter Schachzug und echter Glücksgriff.

Loyaler Mitarbeiter im Weinberg des Herrn

Im Juni hatte St. Pöltens Bischof Alois Schwarz beschlossen, die 228 Jahre alte Hochschule, die für ihre unbeirrbare Katholizität bekannt ist, stillzulegen. Ein Affront nicht nur für den Theologen Kreiml. Der enthielt sich – vornehm und loyal, wie es seinem Wesen entspricht – jeder Kritik. „Manchen waren wir sicher zu konservativ“, meinte er diplomatisch zu dieser Zeitung. Konservativ im besten Sinn des Wortes ist Josef Kreiml: als Theologe ein treuer Diener der geoffenbarten Wahrheit, als Priester ein unermüdlicher Diener des Gottesvolkes und seiner Hirten. Neben seiner regen Lehr- und Publikationstätigkeit wirkt er in Niederösterreich als Pfarrer und Richter am Diözesangericht. Nun kehrt er ohne lautes Türenschlagen in seine Heimatdiözese Regensburg zurück, lässt aber die St. Pöltener Studenten im letzten Lebensjahr der Hochschule nicht im Stich.

Hochgebildet, theologisch und priesterlich absolut verlässlich

 

Bischof Rudolf Voderholzer, selbst ein Theologe von Format, gewinnt mit Kreiml einen hochgebildeten, theologisch und priesterlich absolut verlässlichen, menschlich loyalen Mitstreiter im Regensburger Weinberg des Herrn. Und natürlich auch im deutschen Weinberg, dem mit dem „Synodalen Weg“ derzeit neuerliche Verwüstung droht. Mit der Benennung von Josef Kreiml als Regensburgs Ansprechpartner für den „Synodalen Weg“ hat Bischof Voderholzer die theologische Latte hoch gehängt. Die verbindliche, zuhörende, stets ruhige Art des Oberpfälzers, dem alles aggressive Poltern wesensfremd ist, sollte nicht als übergroßes Harmoniebedürfnis fehlgedeutet werden. Auch wenn Josef Kreiml in erster Linie Seelsorger ist und bleibt, erkennt und benennt der klarsichtige Theologe jede Irrlehre, wenn sie ihm begegnet.

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