Chur

Porträt der Woche: Dompropst Christoph Casetti

Als Vorbild im Dienst an Christus bleibt er denen, die ihn gekannt haben, in Erinnerung: der Churer Domprobst Christoph Casetti.

Christoph Casetti
In den typischen Reformstreitereien und kirchlichen Machtkämpfen hat Domprobst Casetti ein geistliches Ringen gesehen, das zum Dienst gehört. Foto: Bistum Chur

Liebenswürdig, glaubenstreu, kompetent – Charakterbeschreibungen, die perfekt zu Christoph Casetti passen. Viele in und außerhalb des Bistums Chur haben ihn als sanft und freundlich auftretenden, klar zur Lehre der Kirche stehenden Priester erlebt. Einer, der die Menschen offensichtlich gern hatte im Bewusstsein, dass wir alle auch zum Bösen neigen. Er kannte die Dunkelheiten des Menschen, gerade auch als erfahrener Exorzist.

In jeder Epoche unter einem besonderen, politisch-gesellschaftlichen Anpassungsdruck, schwebt die Kirche stets in der Gefahr, sich von Jesus zu entfernen. Das war Christoph Casetti sehr bewusst. Als treuer Sohn der Kirche hat er sich diesem Druck sein Leben lang gestellt und ist standhaft geblieben: sei es als Seelsorger, Bischofsvikar, Domprobst oder im Befreiungsdienst.

An Reformstreitereien nicht zerbrechen

In den typischen Reformstreitereien und kirchlichen Machtkämpfen hat er ebenfalls ein geistliches Ringen gesehen, das zum Dienst gehört und das uns nie dazu bringen darf, aufzugeben, zu zerbrechen oder untreu zu werden. Wer den Menschen wirklich liebt und ihm helfen will im Konsum- und Optimierungskult der Postmoderne, der muss den Glauben der Kirche hochhalten und nicht niedermachen, davon war Casetti überzeugt. Und dabei leistete er Pionierarbeit in der Seelsorge an Geschiedenen, die ihrem Eheversprechen treu bleiben wollten. Damit der Mensch wieder erkennen kann, dass es nicht seine Bestimmung ist, aufzugehen im technisch-wirtschaftlichen Verwertungsapparat der Gegenwart, irgendwo zwischen „Halbgott und Ameise“, wie Romano Guardini einmal gesagt hat. Sondern dass der Mensch, als Gottes Ebenbild, für Höheres bestimmt ist, und dass die Kirche die beste „Bergführerin“ ist auf dem Weg zu diesem Höheren. Zu seinem 70. Geburtstag kamen mehr als hundert Menschen, denen er als Seelsorger im Laufe der Jahre geholfen hatte. Welche Frucht aus dem priesterlichen Dienst, den er seit dem Empfang der Priesterweihe 1974 ausübte!

Eine persönliche Anekdote an den Menschen Casetti

Eine persönliche Anekdote an den Menschen Christoph Casetti: Als er bei meinem Geburtstagsfest meine Kinder und deren kleine Freunde gesehen hatte, ging er schnell nach Hause, um seinen Hund zu holen. Damit bereitete er den Kindern eine große Freude. Christoph brachte die Kinder zum Lachen und als er am Abend mit seinem Hund wieder nach Hause ging waren die Kinder traurig, weil die Zeit so schnell vergangen war. Als Vorbild im Dienst an Christus bleibt er denen, die ihn gekannt haben, in Erinnerung. Am Sonntag ist Dompropst Casetti nach kurzer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben.

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