Vatikanstadt

Pelagianismus à la Amazonien

Das panamazonische Netzwerk REPAM soll eine feste Struktur werden, die die Rechte der Indios stärkt und stützt. Evangelisierung klang unter Benedikt XVI. noch ganz anders.

Amazonas-Synode und REPAM
Eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich bestehe darin zu glauben, „dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei“, so Papst Franziskus. Foto: Andrew Medichini (AP)

Der jüngste Vorschlag der Amazonas-Synode lautet, dringend einen dauerhaften und repräsentativen Rat von Bischöfen zu gründen, der die Synodalität im Amazonasbecken fördert und darüber wacht, dass die Kirche dieser Region ein amazonisches Gesicht erhält, und die Rechte der indigenen Völker schützt. Dieses Organ koordinieren soll das panamazonische Netzwerk REPAM, das bereits eine Achse war für den vorsynodalen Prozess und jenes „Instrumentum laboris“ miterarbeitet hat, das mit seiner „Theologie der Indigenen“ ein neues ideologisches Paradigma geschaffen hat, das nicht auf Jesus Christus und der Offenbarung gründet, sondern auf dem alten Wissen der Indios um ein Leben im Einklang mit der Natur und sich selbst.

REPAM ist genau so eine Struktur, vor der Franziskus warnte

In seinem Brief an das Gottesvolk in Deutschland hatte Papst Franziskus geschrieben, sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht habe, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, und lediglich auf die eigenen Kräfte, die eigenen Methoden und die eigene Intelligenz vertraute, habe man am Ende die Übel, die man überwinden wollte, noch vermehrt. Eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich bestehe darin zu glauben, „dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei“. Das klagte Franziskus als „eine Art neuen Pelagianismus“ an, der dazu führe, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat.

Die befreiungstheologisch orientierte REPAM ist aber genauso eine Struktur, vor der Franziskus in seinem Brief an die Kirche in Deutschland gewarnt hat. Wie anders klang es noch vor zwölf Jahren, als Benedikt XVI. in Aparecida die fünfte Generalkonferenz der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen eröffnet hat und als Grundpfeiler der Evangelisierung der lateinamerikanischen Völker vier Punkte nannte: Zum einen die „Liebe zum leidenden Christus, dem Gott des Mitleids, der Vergebung und der Versöhnung; dem Gott, der uns so geliebt hat, dass er sich für uns ausgeliefert hat“.

Allein die Wahrheit eint

Sodann die „Liebe zu dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn, dem Gott, der Fleisch geworden, gestorben und auferstanden ist, um Brot des Lebens zu sein“, wie auch die „Liebe zu dem Gott, der den Armen und Leidenden nahe ist“. Und schließlich die „tiefe Verehrung der allerseligsten Jungfrau von Guadalupe, der Aparecida, der Jungfrau mit verschiedenen nationalen und lokalen Titeln. Als die Jungfrau von Guadalupe dem heiligen Juan Diego, einem Indio, erschien, sprach sie zu ihm die bedeutsamen Worte: ,Bin ich nicht hier, um deine Mutter zu sein? Stehst du nicht unter meinem Schirm und Schutz? Bin ich nicht die Quelle deiner Freude? Bist du nicht in meinen Mantel gehüllt, in meinen Armen geborgen?’“

Letzten Endes, so der deutsche Papst, „eint allein die Wahrheit, und der Beweis für sie ist die Liebe“. Aus diesem Grund sei Christus, der „die Liebe bis zur Vollendung“ sei, weder irgendeiner Kultur noch irgendeinem Menschen fremd. Und so warnte Benedikt XVI. vor der „Utopie, den präkolumbischen Religionen durch die Trennung von Christus und von der Gesamtkirche wieder Leben zu geben“. Das wäre kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. „Sie wäre in Wirklichkeit eine Rückentwicklung zu einer in der Vergangenheit verankerten geschichtlichen Periode.“

In zwölf Jahren hat sich die Tonalität völlig geändert

Zwölf Jahre haben gereicht, um aus diesen Worten ein „Zurück zum Indio“ zu machen, der im Einklang mit sich und der Natur lebt, egal, ob er getauft ist oder ungetauft. Die Teilnehmer der Amazonas-Synode sprechen viel von Menschenrechten und einer ganzheitlichen Ökologie. In zwölf Jahren hat sich die Tonalität völlig geändert. Ob „Theologie der Befreiung“, „teologia india“ oder „Theologie des Volkes“ – der Koordinator für diese Denkschulen war und ist das REPAM. Und das soll jetzt institutionell verfestigt werden.