Rom

Papst dankt für Kreativität der Priester

Italien in Zeiten der Corona-Epidemie: Karwoche und Osterfeier mit dem Papst ohne Präsenz der Gläubigen. Ein Ende des Ausnahmezustands ist nicht in Sicht.

Der Papst auf der Via del Corso
Der Papst auf der Via del Corso, unterwegs zum Pestkreut in der Kirche San Marcello al Corso. Foto: VaticanMedia

Auch wenn Italien wohl zum ersten Mal in seiner christlichen Zeit einen Sonntag ohne öffentliche Gottesdienste erlebt hat, wurden in dem Land Messen gefeiert. Der Papst selber sprach davon, als er von der Bibliothek des Apostolischen Palasts den vom Fernsehen übertragenen Angelus betete: „In diesem Augenblick“, so Franziskus zu Beginn seiner Ansprache, „endet in Mailand die Messe, die der Erzbischof im Poliklinikum für die Kranken, die Ärzte, die Pfleger und die freiwilligen Helfer feiert.“

Aber wie es ist, in Zeiten der Corona-Epidemie: Auch dieser Gottesdienst fand ohne Gläubige statt, zu verfolgen allenfalls über Video-Stream im Internet. Dennoch lobte Franziskus diese Initiative – und die vieler anderer Priester. „Mir kommt das Foto von vergangener Woche in den Sinn: Er“, gemeint ist Mailands Erzbischof Mario Delpini, „alleine auf dem Dach des Doms, um zur Madonna zu beten. Ich möchte auch für die Priester danken, für die Kreativität der Priester. Viele Nachrichten erreichen mich aus der Lombardei über diese Kreativität. Es ist wahr, die Lombardei ist sehr betroffen. Priester denken sich tausend Sachen aus, um dem Volk nahe zu sein, damit das Volk sich nicht verlassen fühlt. Priester mit apostolischem Eifer, die verstanden haben, das man in Zeiten der Pandemie nicht den ,Don Abbondio’ machen darf. Euch Priestern vielen Dank.“ Don Abbondio ist der Priester in den „Verlobten“ von Alessando Manzoni, der seine Kirche alleine lässt, in der Hoffnung, dass das Volk sich um sie kümmert.

Der Papst allein auf den Straßen Roms

Am Sonntagnachmittag gab der Papst dann selber ein Beispiel für die von ihm genannte „Kreativität“. Er pilgerte durch die leergefegten Straßen Roms. Um 16 Uhr fuhr er zur Marienbasilika Santa Maria Maggiore, um vor dem Gnadenbild der „Salus Populi Romani“ für das Ende der Corona-Epidemie zu beten. Über die Via del Corso ging er dann zu Fuß zu der Kirche San Marcello al Corso, wo sich das wundertätige Kreuz befindet, das 1522 während der „Großen Pest“ in Rom durch die Viertel der Stadt getragen wurde, damit die Seuche ende.

Karwoche und Ostern ohne Präsenz der Gläubigen

Die Kirche in Italien, allen voran der Papst, sucht nach Wegen, die Menschen zu begleiten, auch wenn die Regierung die Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt und alle öffentlichen Versammlungen untersagt hat. Dass sich das Land auf längere Zeiträume einrichtet, zeigt die Ankündigung der Präfektur des Päpstlichen Hauses vom Samstag, dass die Liturgien in der Karwoche und die Ostermesse mit dem Papst ohne Gläubige stattfinden und nur über die elektronischen Medien übertragen werden. Vatikansprecher Matteo Bruni relativierte diese Ankündigung am Sonntag: Man studiere noch die Art und Weise des Ablaufs und der Teilnahme an den Osterfeierlichkeiten, mit Blick auf die weitere Entwicklung der Epidemie würden die genaueren Modalitäten mitgeteilt, sobald sie festgelegt seien.

Da wiederholt sich das, was man schon mit der Schließung aller Kirchen in Rom erlebt hatte: Zunächst hatte sie Kardinalvikar Angelo De Donatis per Dekret vom vergangenen Donnerstag schließen lassen – nach Absprache mit dem Papst, wie er in einem Schreiben vom Freitag erklärte –, dann wurden alle Kirchen von Pfarreien und Missionszentren einen Tag später wieder aufgemacht, nochmals nach Rücksprache mit Franziskus, wie De Donatis in demselben Schreiben bestätigte.

Eine virtuelle Seelsorge

Kirche und Vatikan suchen nach Wegen, um mit der völlig neuen Situation umzugehen. In einem zu Friedenszeiten nie bekannten Ausmaß ist das öffentliche Leben in Italien lahmgelegt. Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss dafür in einem selbst ausgestellten Passagierschein, dessen Vordruck man sich von der Homepage des Innenministeriums herunterladen kann, triftige Gründe angeben, ansonsten wird er zurückgeschickt oder bei falschen Angaben sogar mit einer Strafe belegt.

In Norditalien, vor allem in der Lombardei, wächst die Angst, dass das Gesundheitssystem, insbesondere die Intensivmedizin, unter der Belastung durch die Corona-Erkrankten zusammenbricht. Aber auch in Mittel- und Süditalien gibt es keine Anzeichen, dass sich die Epidemie abschwächt. Die Zahlen steigen. Die der schwer Erkrankten und die der Toten und Geheilten. Ein Abflachen der nach oben steigenden Kurven ist nicht zu erkennen.

Die Kirche ist in diesem Ausnahmezustand genauso betroffen wie Gastronomie, Tourismusbranche oder Einzelhandel. Die päpstlichen Frühmessen in Santa Marta finden jetzt täglich – auch am Sonntag – statt und werden per Internet und Fernsehen übertragen. Wie die von Erzbischof Delpini im zentralen Krankenhaus von Mailand. Dass aber eine rein virtuelle Pastoral nur eine Notlösung für befristete Zeit sein kann, wissen auch die kirchlichen Verantwortlichen. Nur ist ein Ende der Epedemie noch nicht in Sicht.

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