Würzburg

Papst Franziskus in Afrika: Auf Friedensmission

Am Mittwoch ist Papst Franziskus aufgebrochen nach Afrika. Drei Länder stehen auf dem Programm seiner Pastoralreise. Die Menschen dort erwarten sich klare Ansagen.

Papstreise nach Afrika
Papst Franziskus winkt vor seinem Abflug in Richtung Mosambik. Foto: Andrew Medichini (AP)

Der Papst reist als pastoraler Inselhopper. Madagaskar und Mauritius sind die letzten Stationen des Ostafrikabesuchs, der Franziskus zunächst nach Mosambik führt. Dort hatten am 1. August Staatspräsident Filipe Nyusi und der Renamo-Vorsitzende Ossufo Momade einen neuen Friedensvertrag unterschrieben. Doch Teile der früheren Widerstandsbewegung Renamo wollen die Waffen nicht niederlegen. Droht jetzt wieder Krieg? Gerade das Motto der Papstreise „Hoffnung, Frieden und Versöhnung“ hatte den Menschen in Mosambik Zuversicht gegeben.

Große Erwartungen in den Besuch des Heiligen Vaters setzen auch die Menschen auf Madagaskar. Der Papst komme als „Sämann des Friedens und der Hoffnung“. So fasst die Bischofskonferenz von Madagaskar den Besuch von Papst Franziskus zusammen, der ihr Land am 7. und 8. September besuchen wird. Madagaskar sei ein Land mit großem Potenzial, dessen Bevölkerung größtenteils aus jungen Menschen bestehe. Darauf weist im Gespräch mit „Vatican News“ der Vatikanvertreter in dem Land, Erzbischof Paolo Gualtieri, hin. Am Samstagabend wird der Papst mit jungen Menschen eine Vigil feiern.

Vor Papstreise nach Afrika
In der Kathedrale Unserer Lieben Frau von der Unbefleckten Empfängnis in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, begegnet der ... Foto: dpa

Schulen und Kliniken: Ohne Kirche nicht denkbar

Die katholische Kirche des Landes genieße auch von Seiten der Nichtkatholiken großen Respekt, Achtung und moralische Autorität, erläutert der Nuntius. Der Grund dafür sei auch, dass sich die Kirche in Madagaskar sehr sozial engagiere, vor allem im Bildungsbereich. Die meisten Schulen des Landes würden von Ordensgemeinschaften geleitet. Auch im Gesundheitssektor sei die Kirche tätig mit Kliniken, Krankenhäusern, Apotheken, Behindertenzentren, Leprazentren, die über ganz Madagaskar verstreut seien und sogar in Gebieten, die aufgrund fehlender Straßen sehr schwer erreichbar seien.

Madagaskar, das ist doch dieses Naturparadies? Richtig. Aufgrund ihrer isolierten Lage im Indischen Ozean konnte sich auf der Insel eine besonders vielfältige Pflanzen- und Tierwelt entwickeln. Doch war die Insel ursprünglich fast komplett bewaldet, ist inzwischen nur noch ein Bruchteil des Regenwalds erhalten. Verschärft wird die Lage durch die Auswirkungen des Klimawandels. Immer wieder ziehen zerstörerische Zyklone über das Land. Regelmäßig kommt es zu Ernteausfällen.

Tim Rohde, einer der Sprecher von Unicef Deutschland, weist gegenüber dieser Zeitung auf die Folgen hin: „Verschärft wird die Situation durch steigende Nahrungsmittelpreise, die viele Familien dazu zwingt, nur noch eine Mahlzeit am Tag zu essen oder ihr Vieh zu verkaufen.“ Jedes zweite Kind ist unterernährt. Wenn in einem Land eine Hungersnot herrscht, gibt es Fotos von ausgemergelten Menschen und apathischen Kindern mit Hungerbäuchen. Mangelernährung hingegen ist ein weitgehend unsichtbarer Feind. Kinder bekommen oft genügend Kalorien zu essen, aber die Nahrung ist vielfach qualitativ schlecht, es fehlt an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Für Madagaskar ist die chronische Mangelernährung eine nationale Krise.

"Die Eliten treffen keine
positiven Entscheidungen für das Land
und das Volk nimmt die herrschenden Umstände
als naturgegeben hin."
Kardinal Désiré Tsarahazana über die Lage in Madagaskar

Die viertgrößte Insel der Welt ist neben Tropenhölzern reich an Bodenschätzen: Chrom, Glimmer, Graphit, Edelmetalle und Edelsteine. Das Volk aber profitiert nicht von diesem Reichtum. Der Erzbischof der Stadt Toamasina (auf Französisch Tamatave), Kardinal Désiré Tsarahazana, meint dazu: „Es ist nicht leicht zu sagen, warum Madagaskar, ein Land, das so reich an natürlichen Ressourcen ist, so arm bleibt. Ich denke, das Problem liegt im fehlenden politischen Willen der Machthabenden, wirklich etwas zu verändern. Es gibt eine weitverbreitete Mentalität des ,Laisser-faire‘, auch des ,Jeder für sich‘. Die Eliten treffen keine positiven Entscheidungen für das Land und das Volk nimmt die herrschenden Umstände als naturgegeben hin.“

Pilgermesse zu Füßen der Friedenskönigin

Die letzte Etappe der Ostafrika-Reise, Mauritius, steht unter dem Motto „Pelerin de paix“, Pilger des Friedens. Das Monument der Friedenskönigin Maria, auf einer Anhöhe der Hauptstadt Port Louis gelegen, ist schon seit Wochen kein friedvoller Ort mehr. Mit den herumschwirrenden Handwerkern, den Baggern und Planierraupen hat sich die Open-Air-Kirche in eine geschäftige Baustelle verwandelt. Ihre Spitze bildet, unverändert, die drei Meter hohe Muttergottes-Statue, deren Blick über Hochhäuser und heillos verstopfte Straßen hinweg zum Indischen Ozean geht.

Schon einmal, vor genau 30 Jahren, hatte „Marie Reine de la Paix“ hohen Besuch aus Rom – damals feierte Papst Johannes Paul II. zu ihren Füßen eine Messe. Ein Gottesdienst mit geschätzten hunderttausend Menschen wird auch diesmal einer der Höhepunkte sein, wenn Papst Franziskus am 9. September der Insel einen Besuch abstattet. Als Logo wurde eine stilisierte Friedenstaube mit einem Ölzweig im Schnabel, unterlegt mit den rot-blauen Landesfarben der Insel-Republik, gewählt.

Mauritius zählt zu den wirtschaftlich stärksten und fortschrittlichsten Ländern Afrikas. An sonnenhungrige Touristen verkauft es sich mit Höchstpreisen als tropisches Paradies. „Die Kluft zwischen den Ärmsten und Reichsten vergrößert sich mit rasanter Geschwindigkeit!“, sagt Joceline Minerve. Die Katholikin gehört der Gemeinde von Grand Baie im Norden an, insgesamt teilt sich die Diözese Port Louis unter Kardinal Maurice Piat in sieben pastorale Regionen auf. Seit Anfang August stimmen sich landesweit die einzelnen Gemeinden geistig auf den Besuch des Pontifex ein. Für den großen Tag wurde eigens für das Papamobil ein asphaltierter Weg hinauf zum Monument der Friedenskönigin Maria geschaffen.

Botschaft der Freiheit und Gleichheit

Nicht nur Christen aus Mauritius und von den Inseln Rodrigues, Reunion und den Seychellen werden zu dem Massen-Event erwartet, sondern auch Gläubige anderer Konfessionen. Das religionsübergreifende Feiern hat auf der Insel Tradition, insbesondere am 9. September. Es ist der Gedenktag des seligen Pere Laval, „Apostel von Mauritius“. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Franzose knapp 70.000 Menschen bekehrt. Alljährlich pilgern Tausende während der Festwoche Anfang September zu seinem Grab in St. Croix.

Bereits Mitte August wurden die ersten geprägten Medaillen gesegnet, die auf der einen Seite das Bildnis der Papstes und auf der anderen Seite das von Pater Laval zeigen. Die Symbolik der Münze, die den Papst mit dem Insel-Heiligen vereint, ist für die Mauritianer von großer Bedeutung. Die Haltung von Pere Laval, der einst die aus der Sklaverei entlassenen Schwarzen wie seinesgleichen behandelte und allein die Liebe zu Gott lehrte, überzeugt die Menschen aller Klassen und Religionen noch heute. Eine solche Botschaft wünschen sie sich auch im Jahr 2019 für ihr Land, das mehr und mehr in den Materialismus abgleitet.