Würzburg

Ostafrika-Reise: Franziskus als Pilger des Friedens

Wiederversöhnung und Dialog waren die Themen des Besuchs von Papst Franziskus in Mosambik sowie auf Madagaskar und Mauritius.

Papst besucht Afrika
Rund eine Million Menschen kamen zur Papstmesse in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo zusammen. Foto: dpa

Man stelle sich vor: In Deutschland teilt der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche dem katholischen Nuntius mit, Papst Franziskus sei nicht nur Papst der Katholiken, sondern auch Papst der Protestanten. Eine Spinnerei, in Madagaskar aber Realität. „Die Leiter des Ökumenischen Rates der christlichen Kirchen kamen zur Nuntiatur, um ihren Wunsch zum Ausdruck zu bringen, den Heiligen Vater zu begrüßen, denn sie sagten mir, dass Papst Franziskus auch ihr Papst sei“, berichtete der Vatikanvertreter in Madagaskar, Erzbischof Paolo Gualtieri, im Vorfeld des Papstbesuchs am vergangenen Wochenende.

Tatsächlich ist von der päpstlichen Visite am Samstag und Sonntag ein kräftiger Impuls zur Stärkung der Einheit im Vielvölkerstaat Madagaskar ausgegangen – bei der Vigilfeier mit Jugendlichen oder der großen Messe mit rund einer Million Gläubigen am Sonntag. Angehörige verschiedener Konfessionen waren beteiligt. Zuvor hatten die Muslime des Landes ihre Freude über den Besuch zum Ausdruck gebracht. Insofern ist die Saat aufgegangen für Franziskus, der als „Sämann des Friedens und der Hoffnung“ nach Madagaskar gekommen war.

Jetzt gilt es, die jungen Triebe zu pflegen. Keine leichte Aufgabe, denn Armut und Umweltzerstörung wirken wie Gift. Hinzu kommen religiös motivierte Spaltpilze. So warnte Désiré Kardinal Tsarahazana, Erzbischof von Toamasina, im vergangenen Jahr vor einer „zunehmenden Islamisierung“, die „spürbar und sichtbar“ sei. „Es ist eine Invasion“, sagte Kardinal Tsarahazana dem katholischen Hilfswerk Kirche in Not. Es gebe Pläne zur Errichtung von 2 600 Moscheen, Frauen bekämen Geld, um auf der Straße die Burka zu tragen. Die Menschen würden mit Geld aus den Golfstaaten und Pakistan gekauft. „In meiner Diözese werden überall Moscheen gebaut, auch wenn es gar nicht so viele Muslime gibt.“ Zudem würde die Einwanderung von Muslimen aus der Türkei vorangetrieben.

Kooperieren, aber sich nicht vereinnahmen lassen

Es wird sich zeigen, ob Konsequenzen gezogen werden, das traditionell gute Verhältnis der Religionen auf Madagaskar zu bewahren. Klar ist, dass die Kirche dabei nicht ohne Unterstützung des Staates auskäme. Der junge Staatspräsident Andry Rajoelina, Jahrgang 1974, nutzte den Papstbesuch jedenfalls schon mal zur Selbstdarstellung. Rajoelina steht in der Kritik, weil er gegen die frühere Regierung geputscht hatte. Mehr als 140 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Für die Kirche des Landes ist es ein Spagat – wie in vielen anderen Ländern Afrikas: Sich einerseits nicht vereinnahmen zu lassen, andererseits sinnvolle Kooperationsangebote anzunehmen.

Nach dem Aufenthalt in Madagaskar war der Papst am Montag nach Mauritius gereist. Seine Visite stellte Franziskus unter das Thema „Pelerin de paix, Pilger des Friedens“. In dem Inselstaat im Indischen Ozean bilden Hindus mit rund 48 Prozent die größte Glaubensgemeinschaft. Katholiken zählen rund 26 Prozent, gefolgt von Muslimen mit 17 Prozent. Der Bischof der Hauptstadt Port Louis, Kardinal Maurice Piat, hatte zuvor erklärt, dass der Papst ein Botschafter des Friedens sei und sein Besuch nicht nur von den Christen der Insel sehnsüchtig erwartet werde, sondern von allen Mauritianern. Neben tausenden Bewohnern der Hauptinsel trafen auch Menschen von den Nebeninseln Agalega, Chagos und Rodrigues sowie Einwohner des französischen Überseedepartments der Seychellen in der Hauptstadt der Tropeninsel ein. Auch viele Pilger aus dem südlichen Afrika reisten in den vergangenen Tagen per Flugzeug an.

Am Rollfeld des Flughafens von Port Louis empfing Ministerpräsident Pravind Kumar Jugnauth den Gast aus Rom. Anschließend fuhr Franziskus zum Monument der Friedenskönigin Maria über dem Hafen der Hauptstadt Port Louis, wo er gemeinsam mit etwa hunderttausend Menschen die heilige Messe feierte. In seiner Predigt erinnerte er an das missionarische Wirken des Inselseligen Pere Laval und rief dazu auf, jungen Menschen Möglichkeiten zu eröffnen, ihre Zukunft selbst zu gestalten. „Durch seinen missionarischen Elan und seine Liebe hat Pere Laval der ganzen mauritischen Kirche zu einer neuen Jugendlichkeit verholfen, zu einem neuen Atem. Wir sind heute eingeladen, dies unter den gegenwärtigen Umständen fortzusetzen“, forderte der Papst die Mitfeiernden auf. Es sei jedoch hart festzustellen, dass trotz des wirtschaftlichen Wachstums die jungen Menschen am meisten unter der Arbeitslosigkeit leiden würden. So seien sie verwundbar und fast ohne Halt angesichts der neuen Formen der Sklaverei dieses 21. Jahrhunderts. „Sie, unsere jungen Menschen, sind unsere erste Mission!“, betonte der Papst.

Nach einem anschließenden Mittagessen mit den Bischöfen der Bischofskonferenz des Indischen Ozeans im Bischofshaus folgte ein Privatbesuch in der Gedenkstätte des französischen Ordensgeistlichen Jacques Désiré Laval (1803–1864), der in der Bevölkerung als „Pere Laval“ verehrt wird. Pere Laval gilt als „Apostel der Schwarzen“, der sich für Arme und Sklaven eingesetzt hat. Der Priester wurde im Jahr 1979 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Nicht nur Katholiken, sondern auch Gläubige aller anderen Konfessionen beten am Grab des Nationalheiligen.

Botschafter für Versöhnung und Brüderlichkeit

An das private Gebet des Papstes in der Gedenkstätte folgten ein Höflichkeitsbesuch bei Staatspräsident Barlen Vyapoory im Präsidentenpalast, eine Begegnung mit Ministerpräsident Pravind Jugnauth sowie mit Politikern, Vertretern der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischen Korps, ehe der Heilige Vater am Abend mit Zwischenstopp in Madagaskar die Heimreise nach Rom antrat.

Begonnen hatte die für Franziskus relativ lange Auslandsreise nach Ostafrika am Mittwochabend vergangener Woche in Mosambik. Das Thema Frieden und Wiederversöhnung war dort ganz zentral. Vor Vertretern der Regierung, des öffentlichen Lebens und Diplomaten im Präsidentenpalast von Maputo würdigte er das jüngst erzielte Abkommen mit den Rebellen. Begonnen hatte der Friedensprozess mit dem Allgemeinen Abkommen von 1992 in Rom. „Wie viele Dinge“, sagte der Papst, „sind seit der Unterzeichnung jenes historischen Abkommens geschehen, das den Frieden besiegelt und seine ersten Früchte gezeigt hat! Diese Früchte stärken die Hoffnung und geben Zuversicht, dass man nicht zulasse, Geschichte in der Weise eines Bruderkriegs zu schreiben, sondern in der Fähigkeit, sich als Brüder zu begreifen, als Kinder der gleichen Erde und als Verwalter eines gemeinsamen Erbes.“

Bei einem Gottesdienst, den der Papst am Freitagvormittag bei regnerischem Wetter vor etwa sechzigtausend Teilnehmern im Stadion von Maputo feierte, ging er wie am Vortag auf den Weg des Friedens und der Wiederversöhnung ein, der vor dem ostafrikanischen Land liege. In seiner Predigt erinnerte er an das Jesus-Wort „Liebt eure Feinde“ und meinte weiter, es sei schwierig, von Versöhnung zu reden, „wenn die Wunden aus langen Jahren der Zwietracht noch offen sind“, erinnerte Franziskus an jahrzehntelange Gewalt in Mosambik. Christen aber müssten „die früher wie heute gängige Gewohnheit“ abschaffen, „nach dem Vergeltungsprinzip zu leben“. Man könne keine Nation mit Zukunft bauen, die auf dem vermeintlichen Gleichgewicht der Gewalt beruhe, sagte Franziskus. Dies ende stets in einer endlosen Gewaltspirale. Die Völker und ihre Menschen hätten „ein Recht auf Frieden“.

Um ihn zu erreichen, könne man mit der Goldenen Regel beginnen: „Wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen.“ Die „Barmherzigkeit und Güte“, die dies erfordere, seien dem Papst zufolge „kein schwaches, sondern ein starkes Verhalten“.