Wien

Missionare sind wirksam durch zölibatäres Leben

Der Mutter-Teresa-Begleiter Leo Maasburg sieht Amazonas-Synode als „versäumte Gelegenheit“. Die umstrittenen „Pachamama“-Darstellungen bezeichnet er als „Holzfiguren mit unklarer Identität“.

Mission darf andere Kultur nicht verletzen
"Die erste Pflicht bei der Inkulturation ist, dass der Missionar die Kultur kennenlernt, in die er eintritt, ohne sie zu kränken oder zu verletzen", erklärt Leo Maasburg. Im Bild: Teilnehmer der Amazonas-Synode sitzen bei einer Messe, die vom Papst zelebriert wird, im Petersdom. Foto: Angelo Carconi (ANSA)

Anlässlich der Kontroverse um die „Pachamama“ hat Leo Maasburg, der langjährige geistliche Begleiter von Mutter Teresa, im Gespräch mit der „Tagespost“ daran erinnert, dass die Kirche zwar annehme, was in allen Kulturen wahr, gut und schön ist, andererseits die Kulturen aber auch reinigen müsse. In der Antike seien heidnische Tempel „nie eins zu eins übernommen, sondern immer auch transformiert worden“. Solche Transformation sei ein langer Prozess, der Opfer und Gebet erfordere.

Wörtlich sagte Maasburg, der zwölf Jahre Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich (Missio) war, im „Tagespost“-Interview: „Die erste Pflicht bei der Inkulturation ist, dass der Missionar die Kultur kennenlernt, in die er eintritt, ohne sie zu kränken oder zu verletzen.“ Dann brauche es viel Taktgefühl, um eine Kultur überzuleiten und zu transformieren.

Mit missionarischer Aktivität wenig zu tun

Die „Pachamama“ bezeichnete Maasburg als „Holzfiguren mit unklarer Identität“. Diese in Rom am Rande der Synode in eine Kirche zu bringen sei „unprofessionell und hat mit missionarischer Aktivität wenig zu tun“. Insgesamt ortet der auf allen Kontinenten erfahrene österreichische Priester bei der Amazonas-Synode einen „Mangel an Professionalität in der Vorbereitung, Durchführung und Ausdeutung – eine versäumte Gelegenheit“.

Leo Maasburg
Leo Maasburg, langjähriger geistliche Begleiter von Mutter Teresa. Foto: Missio

Eine Aufweichung des Zölibats ist nach Ansicht von Leo Maasburg für die Mission kontraproduktiv: „Das zölibatäre Leben ist das jetzt schon vollkommen Gott gegebene Leben.“ Eine Aufgabe des Zölibats würde „den Verkündigungscharakter des Missionars eher verbergen“. Die Missionare seien vielmehr oft dadurch wirksam gewesen, dass sie zölibatär lebten. „Sie sind schon ohne Worte ein Zeichen.“ Die Kirche sei immer missionarisch, betont Maasburg gegenüber der „Tagespost“. Er fordert zugleich „wieder mehr Missionare in das Amazonas-Gebiet zu entsenden“.

Kirche muss immer zuerst Reich Gottes suchen

Die Abwanderung vieler Katholiken in Lateinamerika zu den Pfingstkirchen deutet Maasburg so: „Bringen wir vielleicht etwas anderes als das, was die Menschen anzieht, nämlich Christus selbst?“ Die Kirche müsse immer zuerst das Reich Gottes suchen, denn „die Hoffnung, die sich auf Christus bezieht, wird nicht enttäuscht“. Er glaube nicht, „dass die jetzt angedachten Maßnahmen – viri probati und eigener Ritus – geeignete Formen sind, um die Mission wirklich zu fördern“.

DT/sba