Vatikanstadt

Missbrauch: „Task force“ nimmt Arbeit auf

Der Vatikan stellt eine Experten-Gruppe als weltweit tätige Koordinationsstelle für den Kinderschutz vor.

Blick auf den Petersdom
Die "Task force“ des Vatikans, die die Bischofskonferenzen der Welt beim Kampf gegen und bei der Aufarbeitung von Misbrauchsverbrechen unterstützen soll, ist nun aktiv. Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild)

Die beim Missbrauchs-Gipfel im Februar vergangenen Jahres im Vatikan angekündigte „Task force“, die die Bischofskonferenzen der Welt beim Kampf gegen und bei der Aufarbeitung von Misbrauchsverbrechen unterstützen soll, ist nun aktiv. Koordinator der aus etwa zehn Experten bestehenden Gruppe wird der aus Malta stammende Laie Andrew Azzopardi sein, der sich in London auf Kinderschutzfragen spezialisiert hat. Er arbeitete bei der „National Society for the Prevention of Cruelty to Children“ in England sowie bei dem dortigen Fußballverband und der Caritas Internationalis. Zuletzt leitete er fünf Jahre lang die Kinderschutzkommission, die Erzbischof Charles Scucluna für die Kirche auf Malta errichtet hatte. Die Mitglieder der Expertengruppe sind meist Kanonisten. Die „Task force“ des Vatikans wird eine subsidiäre Einrichtung des Vatikans sein, die vom Substituten im Staatsekretariat, Erzbischof Edgar Pena Parra, abhängt und diesem alle drei Monate einen Bericht vorlegen wird. 

Denen helfen, die zurückhängen

Bei der Vorstellung der Gruppe am vergangenen Wochenende im Vatikan sagte der ehemalige Vatikansprecher Federico Lombardi SJ, der die Arbeit des Kinderschutz-Gipfels vor einem Jahr koordinerte hatte, es sei deren Aufgabe, „Kompetenzen und Ressourcen“, die den Bischofskonferenzen zur Verfügung stehen, die beim Kampf gegen den Missbrauch von Schutzbefohlenen schon weiter seien, mit den Episkopaten zu teilen, die dabei noch zurückhängen würden. Lombardi verwies auf die Länder, die unter Kriegszuständen litten oder in extremer Armut lebten. Bischofskonferenzen und religiösen Orden solle geholfen werden, Leitlinien zum Schutz von Minderjährigen zu entwickeln oder auf den neuesten Stand zu bringen, um die der Vatikan die Bischofskonferenzen schon 2011 gebeten hatte. Wie Lombardi mitteilte, fehlen bislang noch von etwa zehn nationalen Episkopaten solche Leitlinien.

Wohltäter und Spender als Finanzgeber

Seine Aufgabe als Koordinator der „Task force“ beschrieb Azzopardi so: „Wenn es eine Anfrage nach Unterstützung gibt, koordiniere ich die von uns geleistete Hilfe. Es hängt jeweils von der Art der Anfrage, von den lokalen Gegebenheiten und von der jeweiligen Sprache ab, wer dann die geeigneten Personen sein werden, um den örtlichen Bischofskonferenzen zu helfen.“ Man werde dabei auch mit den vatikanischen Einrichtungen wie der Kinderschutz-Kommission zusammenabeiten, meinte Azzopardi weiter und zeigte sich überzeugt, dass alle Beteiligten sich als disponibel erweisen würden, weil es sich „um eine Frage mit Priorität“ handele.

Nach dem Missbrauchsgipfel im Vatikan vor einen Jahr hatte sich eine Gruppe gebildet, die die Ergebnisse des Treffens umsetzen soll. Neben dem Substituten Pena Parra gehört ihr das Präsidium des Gipfels an: die Kardinäle Oswald Gracias aus Bombay und Blase Joseph Cupich aus Chicago sowie Erzbischof Charles Scicluna aus Malta, der zu gleich beigeordneter Sekretär der Glaubenskongregation ist, und Pater Hans Zollner SJ, Leiter des Instituts für Psychologie an der Gregoriana-Universität und Mitglied der Päpstliche Kinderschutz-Kommision. Sie alle bilden ein Art Aufsichtsrat für die seit dem 20. Februar tätige „Task force“. Deren Arbeit soll von Wohltätern und Spendern finanziert werden, der autonome Haushalt der Gruppe ist aber noch nicht bekannt. 

Bald erscheint ein Missbrauch-Vademecum der Glaubenskongregation

Was die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen betrifft, sagte Pater Lombardi SJ, dass man den Gesetzen des jeweiligen Landes folgen werde. Zugleich kündigte der Pater an, dass eine weitere von dem Missbrauchs-Gipfel beschlossene Maßnahme ein Vademecum der Glaubenskongregation sei, dessen Veröffentlichung unmittelbar bevorstehe. Dieses werde allen Bischöfen in der Welt helfen, klar ihr Pflichten und Aufgaben in Sachen Missbrauchsbekämpfung zu verstehen. Schon das Motu proprio „Vos estis lux mundi“ von Papst Franziskus vom Mai 2019 hatte geregelt, wie genau bei Verdachtsfällen vorzugehen und wer wann wofür zuständig ist.

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