Fulda

Marx: „Kein Stoppschild“ für „Synodalen Weg“

Ab Montag beraten die deutschen Bischöfe in Fulda bei ihrer Vollversamlung weiter über den „Synodalen Weg“. Trotz der Kontroversen der zurückliegenden Tage zeigte DBK-Vorsitzender Kardinal Reinhard Marx zu Beginn der Tagung zuversichtlich.

Marx will am Synodalen Weg festhalten
Unverständnis zeigte DBK-Vorsitzender Marx für kritische Einwände, die Kirche in Deutschland würden mit Debatten über lehramtliche Fragen eigene Wege gehen. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Die Deutschen Bischöfe halten weiter an ihrem Plan für den „Synodalen Weg“ fest. „Es gibt kein Stoppschild“, sagte Kardinal Reinhard Marx mit Blick auf die kürzlich bekannt gewordenen Einwände aus dem Vatikan. Er habe über die „Missverständnisse“ gute Gespräche in Rom geführt und fühle sich bestätigt. Über die Inhalte der Gespräche wollte Marx zunächst keine Angaben machen. Der Vorsitzende äußerte sich am Montagnachmittag zum Auftakt der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda.

Marx: Kritik beruht auf Missverständnissen

In der vorvergangenen Woche war ein Schreiben des Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Marc Ouellet, bekannt geworden, in dem Bedenken vatikanischer Behörden am Plan für den „Synodalen Weg“ angemeldet wurden. Moniert wurden insbesondere die Zusammensetzung des Prozesses, der den Bischöfen eine zu geringe Entscheidungsfreiheit einräume, sowie die beabsichtigten Diskussionsthemen. Marx betonte seit Bekanntwerden des Schreibens, dass die Kritik auf Missverständnissen beruhe.

In Fulda räumte der Kardinal ein, dass es zwar „bis in die letzten Tage hinein“ strittig gewesen sei, was unter dem Titel des „Synodalen Weges“ konkret zu verstehen sei. Zugleich erinnerte der DBK-Vorsitzende daran, dass der grundsätzliche Entschluss zu dem auf mehrere Jahre angelegten Prozess von den Bischöfen einstimmig gefasst worden sei. In den bisherigen Verhandlungen hätten die Bischöfe lang und intensiv diskutiert, und auch für den weiteren Weg erwarte Marx eine „heftige Diskussion“. Zugleich zeigte sich der Kardinal zuversichtlich, dass auch kritische Position im Prozess ausreichend berücksichtigt werden.

Auch über Alternativentwurf intensiv beraten

So hätten die deutschen Diözesanbischöfe bei ihrem Treffen in Würzburg im August lange und kontrovers über die Statuten des „Synodalen Wegs“ beraten. Dabei sei auch der am vergangenen Wochenende öffentlich gewordene Alternativentwurf von Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln und Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg intensiv beraten worden. Marx deutete vor den Journalisten in Fulda an, dass Elemente aus dem Gegenvorschlag in den nun vorliegenden Satzungsentwurf übernommen wurden. Genauere Angaben machte der Kardinal nicht. Im Verlaufe der Herbst-Vollversammlung, die bis Donnerstag in Fulda stattfindet, würden die Bischöfe „einige Fragen der Satzung“ erneut vertiefen.

Ebenfalls soll der Brief von Papst Franziskus an die deutschen Katholiken vom 29. Juni in der Vollversammlung zur Sprache kommen. Marx kündigte an, dass Kardinal Woelki und Münsters Bischof Felix Genn dazu ihre Gedanken vortragen werden. Er selbst habe das Schreiben als Ermutigung empfunden, den eingeschlagenen Kurs weiter zu verfolgen. „Der Papst hat gesagt: ‚Geht weiter‘“, so Marx.

"Es war [...] von Beginn an völlig klar,
dass wir uns nicht von der Weltkirche trennen"
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Unverständnis zeigte Marx für kritische Einwände, die Kirche in Deutschland würden mit Debatten über lehramtliche Fragen eigene Wege gehen. „Es war doch von Beginn an völlig klar, dass wir uns nicht von der Weltkirche trennen“, sagte er. Es sei ihm „völlig unerfindlich“, woher dieser Vorwurf rühre. Zudem hätten die deutschen Bischöfe sich bewusst gegen die kanonische Form eines Partikularkonzils entschieden und den „Synodalen Weg“ bewusst als eigene Form eines Gesprächsprozesses angelegt, so Marx. Auch sei klar, dass auf diesem Weg über weltkirchlich zu regelnde Fragen allenfalls „Voten“ beschlossen werden könnten. „Dann geht der ‚Synodale Weg‘ weiter nach Rom.“

Für Neuevangelisierung neue Glaubwürdigkeit erarbeiten

Zugleich verteidigte Marx die von DBK und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gefasste Themensetzung gegen Kritik, das Thema Neuevangelisierung finde darin zu wenig Berücksichtigung. Für diese müsse sich die Kirche neue Glaubwürdigkeit erarbeiten, was wiederum auf den für den „Synodalen Weg“ geplanten Strukturdebatten basiere. Zudem werde das Thema Neuevangelisierung etwa in der Präambel für den Prozess deutlich als Kernthema genannt werden, so der Kardinal. Auch für die zentrale Diskussionsfelder – Frauen in der Kirche, Sexualmoral, Priesterliche Lebensform und Macht in der Kirche – gelte zudem, dass die Debatten offen geführt werden müssten. Zur Forderung, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen, erklärte er etwa: „Wenn man mit dieser Erwartung in den Prozess gehen würde, kann man jetzt schon sagen, dass man von einem negativen Ergebnis ausgehen darf.“

Der „Synodale Weg“ war von den deutschen Bischöfen im Frühjahr 2019 beschlossen worden. Er soll Teil der Aufarbeitung der Missbrauchskrise sein, die im zurückliegenden Herbst mit der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie vertieft wurde. Nach dem Willen der Bischöfe und Laienvertreter soll der „Synodale Weg“ zum Ersten Advent 2019 beginnen und zwei Jahre dauern.

DT/kma

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