Amberg

Mariahilfberg in Amberg: Heiliger Ort in luftiger Höhe

Geistliches Zentrum in der Oberpfalz: Auf dem Mariahilfberg in Amberg ist die Volksfrömmigkeit lebendig.

Mariahilfberg in Amberg
Bis heute erfüllt die Amberger Bevölkerung auf dem Mariahilfberg das Pestgelübde aus dem siebzehnten Jahrhundert. Foto: IN

In beider Augen ist das Leid schon sichtbar. Der Sohn scheint sich an der Schulter der Mutter bergen zu wollen. Die Mutter hält den Sohn liebevoll. Ihr Blick ist getrübt. Maria scheint zu wissen, was der Sohn an ihrer Brust wird erdulden müssen. Schon ahnt sie das Kreuz und den Tod. Das Gnadenbild auf dem Mariahilfberg in Amberg in der Oberpfalz zeigt Jesus und Maria in einer bewegenden Darstellung. Es ist eine Kopie des Mariahilfbildes von Lucas Cranach dem Älteren, das sich früher in Passau, heute im Innsbrucker Dom befindet.

Der Mariahilfberg in Amberg und seine Geschichte

1634 wütete mitten im Dreißigjährigen Krieg die Pest in Amberg, so schlimm wie noch nie zuvor, die Krankheit forderte sehr viele Tote. Die Einwohner der Stadt hofften auf ein rasches Ende der Epidemie. Der Leiter des Jesuitengymnasiums, Pater Caspar Hell, gab den Rat, eine Kapelle für die Muttergottes zu errichten. Vielleicht würde dieses Versprechen die Wogen der Pest glätten. Der Jesuitenpater selbst stiftete das spätere Gnadenbild. Dieses Bildnis wurde in der Kapelle aufgestellt. Wenige Monate später habe die Pest dann nachgelassen. Auch das dürfte die Beliebtheit des Wallfahrtsortes begründet haben.

Von Anfang an betreuten Franziskaner den Mariahilfberg. Seit 2007 konnte die deutsche Provinz die Niederlassung nicht mehr stemmen. Der damalige Bischof von Regensburg, Gerhard Kardinal Müller, wollte jedoch die alte franziskanische Tradition erhalten und konnte Brüder aus der Krakauer Franziskanerprovinz dafür begeistern, die Wallfahrtsseelsorge zu übernehmen.

Warum kommen so viele Menschen auf den Mariahilfberg?

Sie kümmern sich heute zu dritt um die Kirche. Pater Seraphin Broniowksi ist als Guardian der Obere des Klosters. Er glaubt, dass viele Menschen schon wegen der Landschaft auf den Berg kommen. Der weite Blick über Amberg und die Umgebung ist wenigstens ebenso schön wie der von Bäumen umgebene Berg selbst. „Viele Leute kommen wegen dieser weltlichen Seite“, so Pater Seraphin.

Dazu kommt die hohe kunsthistorische Bedeutung der Kirche: Die einstige Kapelle brannte ab, das Bild blieb verschont. Man reparierte den Dachstuhl, doch schon wenig später war die Wallfahrt so groß geworden, dass die kleine Kapelle einer größeren Kirche weichen musste. An der Wende zwischen dem 17. und dem 18. Jahrhundert sorgte Wolfgang Dietzenhofer für die Pläne der Kirche, Giovanni Battista Carlone besorgte den Stuck, die Fresken schließlich stammen von Cosmas Damian Asam. Diese Fresken zeigen die Geschichte des Wallfahrtsortes.

Veranstaltungen auf dem Berg

Der Zyklus lässt nochmals das Jahr der großen Pest Revue kapitulieren. Es folgen Darstellungen, wie das Gnadenbild auf den Berg gelangte, vor dem Kirchenbrand bewahrt wurde und schließlich die neu errichtete Kirche geweiht wurde. Bis heute erfüllen die Amberger Bürger ihre Pestgelübde, wenn alle Pfarreien gemeinsam am ersten Sonntag im Mai in einer Sternwallfahrt auf den Berg ziehen. Zweimal täglich feiern die Franziskaner Messe, am Sonntag sogar dreimal. Dazu kommen Anbetungsstunden und Andachten. Eigentlich ist die Kirche immer gut gefüllt.

„Viele kommen auch mit ihrem neuen Auto, um es von uns segnen zu lassen“, sagt Pater Seraphin. Erst seit wenigen Jahren bieten die Patres auch einen Motorradgottesdienst zu Beginn der Saison an: Dann ist der Parkplatz voll, überfüllt mit den Zweirädern und ihren Fahrern. „Die Fahrer kommen aus den ganzen Umgebung. Nach der Messe weihen wir die Motorräder.“ Auch die Beichtzeiten in Amberg werden gerne angenommen. „Für ein Gespräch ist immer Zeit“, betont der Franziskaner.

Fußwallfahrer kommen aus dem ganzen Bistum Regensburg, das die Oberpfalz sowie Teile von Oberfranken und Niederbayern umfasst. In Amberg steht der Berg stellvertretend für viele heilige Berge im Bistum Regensburg.

Die Verbindung von geistlichem Leben und weltlichem Fest

Für Pater Seraphin macht gerade eine besondere Verbindung das Flair auf dem Mariahilfberg aus: Die Verbindung von geistlichem Leben und weltlichem Fest. Die Menschen kommen, um zu beten. Die Gottesdienste müssen teilweise im Freien stattfinden, um die Menge der Wallfahrer überhaupt fassen zu können.

Gleichzeitig freuen sie sich auch auf den weltlichen Teil, auf das Bierzelt und die Bratwürste, für die das Bergfest berühmt ist und die wie automatisch mit der Wallfahrt verbunden werden. Der Mariahilfberg prägt entscheidend die Amberger Identität. Dekan Markus Brunner, Pfarrer von St. Georg, kommt selbst gebürtig aus Amberg. „Der Mariahilfberg ist ein Magnet. Die Menschen finden hier eine geistliche Heimat.“

Wenn Amberger wegfahren und wiederkommen, orientieren sie sich am Berg. Wer ihn sieht, weiß: „Jetzt bin ich gleich daheim“, sagt Brunner. Von der Stadt zieht sich ein Kreuzweg den Berg hoch. Er endet in einer Kapelle mit heiligem Grab. Gebet, Erholung und Gemütlichkeit gehen hier eine Synthese ein, findet Pater Seraphin: „Wir haben hier eine Zone des Gebets und eine Zone der Recreation.“