Frankfurt/Main

„Maria 1.0“ spricht von Manipulation bei Synodalversammlung

Es dränge sich regelrecht der Eindruck auf, dass die ganze Veranstaltung manipuliert und alles, was dem Willen der Veranstalter entgegenstand, grundsätzlich eliminiert werden sollte, beklagt die Initiative „Maria 1.0“ gegenüber der „Tagespost“.

Nach der ersten Synodalversammlung
Auch den von Kardinal Woelki erhobenen Vorwurf einer Protestantisierung der katholischen Kirche teilt „Maria 1.0“: Einheit, Wahrheit, Geschwisterlichkeit, Freude seien bei der Synodalversammlung auf der Strecke geblieben. Foto: Nadine Malzkorn

Die Initiative „Maria 1.0“ äußert massive Kritik an der gestern beendeten ersten Synodalversammlung in Frankfurt und spricht sogar von Manipulation. Es dränge sich regelrecht der Eindruck auf, „dass die ganze Veranstaltung manipuliert, alles vorab eingefädelt war und es alles, was dem Willen der Veranstalter entgegenstand, grundsätzlich zu eliminieren galt“. Anstatt eine plurale Kirche abzubilden habe sich der Auftakt des innerkirchlichen Reformprozesses als eine politische Veranstaltung erwiesen, „in der Meinungen auseinanderdriften und die Gräben zwischen Bewahrern und Reformern noch offensichtlicher geworden sind“, erklärt Dorothea Schmidt von Maria 1.0 gegenüber der „Tagespost“.

Kritische Beiträge "rabiat und scharf abgewimmelt"

Lobend äußert sich Schmidt dagegen zu den Worten von Kardinal Rainer Maria Woelki: Der Kölner Erzbischof habe ihr und anderen „aus dem Herzen gesprochen“ als er bemängelte, dass nicht alle Rederecht erhalten hätten, die sich gemeldet hatten.

Darüber hinaus kritisiert „Maria 1.0“ das Diskursklima mit deutlichen Worten. Wörtlich schreibt Schmidt: „Beiträge, die kritisch oder gemäß der Botschaft Jesu gewesen seien, habe man scheinbar grundsätzlich umgehen wollen, wurden rabiat und scharf abgewimmelt, während man die anderen, die Reformer, doch hat reden lassen - Redezeit hin oder her. Ist das die Offenheit und Toleranz, mit der wir miteinander reden sollen, wie zu Beginn der Versammlung ausdrücklich gefordert wurde? Reine Maske!“

Auch den von Kardinal Woelki erhobenen Vorwurf einer Protestantisierung der katholischen Kirche  teilt „Maria 1.0“: Einheit, Wahrheit, Geschwisterlichkeit, Freude seien bei der Synodalversammlung auf der Strecke geblieben. „Und so fließt die Amtskirche den anglikanischen, protestantischen oder sonstigen Bach hinunter.“

"Wir sind Kirche" kritisiert Woelki

 

Kritik an den Äußerungen des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki übt indes die Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Ohne den Kölner Erzbischof namentlich zu nennen, erklärt das Netzwerk in einer Stellungnahme: „wenn am Ende ein Erzbischof den vagen Vorwurf erhob, nicht jede Meinung habe Gehör gefunden, so sollte er entweder dies konkret benennen oder aber seinen Vorwurf zurückziehen.“ Seine Aussage, die hierarchische Ordnung der Kirche würde infrage gestellt, "verfängt nicht angesichts des Statuts des Synodalen Weges, das nach intensivem Austausch mit Rom von der Bischofskonferenz verabschiedet wurde“.

Darüber hinaus beurteilt „Wir sind Kirche“ die erste Vollversammlung des Synodalen Weges als „hoffnungsvollen Beginn, der zugleich aber auch die Klippen dieses Reformkurses neuen Typs ahnen ließ“. Die Debatte habe in bemerkenswerter Breite die sehr unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen, aber auch kontroverse Kirchenbilder aufgezeigt. Nun komme es darauf an, auf dieser Grundlage eine theologische Auseinandersetzung „auf der Höhe der Zeit“ zu führen. Die Reformbewegung wörtlich: „Wir müssen zu tragfähigen Lösungsvorschlägen kommen, die, wenn sie theologisch fundiert sind, auch vom Vatikan nicht mehr ignoriert werden können.“

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .