Würzburg

Leitartikel: Intransparent und unversöhnt

Die Vorbereitung auf den "Synodalen Weg" zeigt eine wachsende Konfrontation. Das liegt nicht nur an den Themen, sondern auch am Vorgehen der Entscheider.

Vor dem Synodalen Weg
Schon Monate vor dem offiziellen Startpunkt des „Synodalen Wegs“ scheinen die Fronten heillos verhärtet. Foto: Arne Dedert (dpa)

Schon Monate vor dem offiziellen Startpunkt des „Synodalen Wegs“ scheinen die Fronten heillos verhärtet. Wie der eigentlich als Dialog gedachte Prozess zu versöhnten Ergebnissen führen soll, ist derzeit nicht ersichtlich. Während die Vordenker des Wegs ihren Plan weiter vorantreiben, wachsen auf der Seite der Kritiker Unmut und Widerstandsgeist. Wenn Vertreter von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken Ende dieser Woche das weitere Vorgehen für den „Synodalen Weg“ beschließen, zementieren sie damit zwangsläufig auch diesen Geburtsfehler.

Unmut auf der konservativen Seite

Offen ausgebrochen war der Konflikt dem Vernehmen nach bereits bei der jüngsten Sitzung der Diözesanbischöfe Ende August. Der Versuch von Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki und Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer, auf dem „Synodalen Weg“ den Vorgaben des Papstes zu folgen (siehe DT vom 4. Juli), scheiterte deutlich an einer reformorientierten Mehrheit. Dass es im anstehenden Prozess ein Primat der Neuevangelisierung nicht geben wird, ist dabei mehr als eine vertane Chance. In den aktuellen Vorbereitungen offenbart sich auch eine klare Haltung, welche Reformen die Kirche in Deutschland scheinbar nötig zu haben scheint und welche nicht. Alle Debatten, was auf dem „Synodalen Weg“ zu erörtern wäre, erübrigen sich damit.

Das sorgt längst nicht mehr nur auf der so bezeichneten konservativen Seite für Unmut. Die jüngste Kritik von Caritas-Präsident Peter Neher sollte in diesem Sinn ein wichtiger Mahnruf sein. Sein Wunsch nach mehr Transparenz auf dem „Synodalen Weg“ ist unbedingt zu unterstützen. Nehers Kritik, dass man nichts über die Auswahl der Teilnehmer für die vorbereiteten Arbeitsgruppen erfahren habe, wird dabei noch überboten von der Tatsache, dass diese teilweise selbst nicht wussten, wie sie dazu kamen. Da man nicht von Willkür ausgehen kann, müssen dahinter Überlegungen stehen, die der katholischen Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten sind.

Ein gemeinsames Vorgehen braucht grundsätzlich Öffentlichkeit

Dass nun am Freitag und Samstag die Gemeinsame Konferenz von ZdK und Bischofskonferenz den Fahrplan für den „Synodalen Weg“ beschließen will, ohne zu den Beratungen auch nur die Presseöffentlichkeit einzuladen, ist schlicht unverständlich. Ein gemeinsames Vorgehen, wie es das Wort „synodal“ suggeriert, das bestenfalls auch zu gemeinschaftlich getragenen Ergebnissen führen soll, braucht grundsätzlich Öffentlichkeit. Das Beharren auf Gremien und Räten werden auch viele Katholiken im Jahr 2019 nicht mehr nachvollziehen können. Zumal dies oft vor allem dazu dient, bestimmte Abstimmungsverhältnisse zu bewahren und den Ausgang eines Prozesses in gewünschten Grenzen zu halten.

Dass außerhalb der Entscheidungsgremien umso schärfer gestritten wird, nimmt nicht Wunder. Es gibt keinen Zweifel mehr daran, dass viele im „Synodalen Weg“ vorrangig eine Möglichkeit sehen, Maximalforderungen zur Änderung von Lehre und Sitte zu formulieren. Folgerichtig ist, dass solche Vorstöße, die mit dem „Synodalen Weg“ eine wirkmächtige Plattform erhalten, auch immer Widerspruch hervorrufen.

Spaltung der Kirche wird immer tiefer

So wird die Spaltung der Kirche mit jedem Schritt hin zum „Synodalen Weg“ tiefer. Vom ursprünglichen Plan, den Missbrauchsskandal durch einen offenen Dialog aufzuarbeiten, ist ohnehin nicht mehr viel erkennbar. Längst ist er der offenen Konfrontation widerstreitender Interessen gewichen. Damit könnte der „Synodale Weg“ der katholischen Kirche in Deutschland mehr schaden als nutzen. Denn selbst wenn viele Katholiken mit den Ergebnissen zufrieden sind und sich in ihrer Haltung bestärkt fühlen, werden einige damit erst recht unversöhnt sein.