Rom

Legionäre Christi: Eine Änderung der Mentalität

In Rom tagt das Generalkapitel der Legionäre Christi unter dem Schatten der Missbrauchsfälle der Vergangenheit.

Legionäre Christi
Plenarsitzung des Generalkapitels der Legionäre Christi in Rom. Foto: LC

Die Legion Christi steht unter Beobachtung. In Rom tagt noch bis Ende Februar das Generalkapitel des Priesterordens – zusammen mit der Generalversammlung der Gottgeweihten Männer und der Gottgeweihten Frauen des Regnum Christi.

Aber in Lateinamerika, und dort vor allem in Mexiko, konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Frage, ob die Gemeinschaft nach dem Tod ihres von der Kirche verurteilten Gründers Marcial Maciel im Jahr 2008 und einer durch den Vatikan begleiteten „Neugründung“ der Legionäre Christi entschlossen gegen sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen vorgeht, Fälle der Vergangenheit restlos aufklärt und mit einer neuen Führungsriege aus dem Generalkapitel hervorgeht, die weder durch die Vertuschung begangener Missbrauchsverbrechen belastet ist, noch zögert, bei Vergehen an Schutzbefohlenen für Transparenz zu sorgen.

Missbrauchsopfer, die zu Tätern wurden

Im Dezember vergangenen Jahres hatten die Legionäre Christi den Bericht einer internen Kommission veröffentlicht, dem zufolge in den Jahren 1941 bis 2019 mindestens 33 Priester des Ordens Minderjährige missbraucht haben. Von mindestens 175 Schutzbefohlenen ist die Rede, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Gründer Maciel war der Haupttäter, er übte gegenüber mindesten sechzig Minderjährigen und mehreren jungen Männern sexuelle Gewalt aus. Darüber hinaus sollen aber 74 Seminaristen der Legionäre Christi Sexualverbrechen an Minderjährigen begangen haben. 14 von ihnen wurden später zu Priestern geweiht. Von den 33 Priestern, die zu Missbrauchstätern geworden waren, seien sechs verstorben, acht hätten das Priestertum aufgegeben und einer sei aus dem Orden ausgetreten, heißt es in dem Bericht. Die übrigen 18 seien aber weiterhin Mitglieder der Legionäre Christi, 14 von ihnen dürften das Priestertum nicht mehr ausüben und vier gingen einer eingeschränkten Tätigkeit ohne Kontakt zu Minderjährigen nach. Zudem seien 14 Priester, die Missbrauchsverbrechen an Minderjährigen begangen haben, selber Opfer des sexuellen Missbrauchs gewesen.

Laut einer Mitteilung des Generalkapitels in Rom solle dieser Bericht vertieft werden, vor allem mit Blick auf die Leiden und Erfahrungen der Opfer. Am 28. Januar legten die Kapitelväter einen Studientag über Missbrauch und Prävention ein. Sie hörten die Berichte zweier Opfer und einer Expertin für Kinderpsychologie. Der Studientag, so heißt es in der Mitteilung weiter, habe geholfen, „den Kapitelvätern die Tiefe der Wunden und Schäden bewusst zu machen, die einer Person zugefügt werden, die Opfer des sexuellen Missbrauchs wird.

Die Kapitelväter sprachen anschließend darüber, welche möglichen persönlichen und institutionellen Maßnahmen ergriffen werden könnten, die zur Heilung beitragen können.“

Zudem hielt Pater Hans Zollner SJ, Sekretär der Päpstlichen Kommission für den Jugendschutz und Präsident des Zentrums für Kinderschutz der Päpstlichen Universität Gregoriana, eine Videokonferenz über die pastorale Dringlichkeit, die Opfer zu erreichen, als einen wesentlichen Teil des Dienstes der Legionäre Christi in der Kirche heute. Der Studientag habe deutlich gemacht, so in der Mitteilung des Generalkapitels, dass es neben der Auseinandersetzung mit vergangenen Fällen und der Verantwortung gegenüber den Opfern auch darum gehen müsse, „eine Mentalität, die Vorgehensweisen und die institutionelle Kultur zu verändern, die in der Vergangenheit so viel Schmerz ermöglicht haben“.

Schwere Anschuldigungen aus den Reihen des Regnum

Was die Mentalität der Legionäre betrifft, so hatte kurz vor Beginn des Generalkapitels der Fall des heute 79 Jahre alten Priesters Fernando Martínez Suárez für Aufsehen gesorgt, der zwischen 1991 und 1993 als Leiter des Cumbres-Instituts der Legionäre Christi in Mexiko mindestens sechs Mädchen im Alter zwischen sechs und elf Jahren vergewaltigt haben soll. Nach einem Verfahren der Glaubenskongregation wurde er jetzt aus dem Klerikerstand entlassen, obwohl die Legionäre Christi spätestens seit dem Jahr 2014 über die Vorwürfe gegen den Priester informiert waren. Der Priester war als Fünfzehnjähriger selber von Marcial Maciel missbraucht worden.

Schwere Anklagen erhob in diesem Fall die zum Regnum Christi gehörende gottgeweihte Frau Adriana Lozano gegenüber der Nachrichtenagentur „ACI Prensa“. Ihre Anzeigen seien von der Ordensleitung unterdrückt worden. „Sie ignorierten meine Meldungen meistens oder sagten mir ,Danke, wir werden in der Sache tätig werden?“, erklärte die Frau und kritisierte hart Vertreter des Ordens, die heute noch Führungspositionen innehaben. Der Fall des aus dem Klerikerstand entlassenen Legionärs hatte in Mexiko auch deswegen für Wirbel gesorgt, weil die bekannte Fernsehmoderatorin Ana Lucía Salazar öffentlich gemacht hatte, dass sie als achtjähriges Mädchen von Martínez Suárez missbraucht worden war.

An dem Generalkapitel in Rom nehmen 66 Priester der Legionäre Christi teil, 18 aufgrund ihrer Leitungsämter und 48 als gewählte Teilnehmer. Von den Gewählten kommen drei aus der Ordensprovinz Mittel- und Westeuropa: die Patres Georg Rota, George Elsbett und Paul Habsburg sowie als Territorialdirektor Pater Valentin Gögele.

Die Generalversammlung der Frauen umfasst 47, die der Männer 24 Teilnehmer. Das letzte Generalkapitel fand 2014 statt. Amtierender Generaldirektor der Legionäre Christi ist Pater Eduardo Robles Gil.

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