Salamanca

Lebendige Hauskirchen

Jeder Getaufte hat eine Mission: Das Bistum Salamanca in westlichen Spanien ruft die Aktion „Familien beten gemeinsam“ ins Leben.

Familie mit Opferlichtern
Der Glaube an die Macht des Gebets kann die Welt verändern. Und in der Familie fängt das Gebetstraining im Idealfall an. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Eine Familie, die zusammen betet, bleibt zusammen“. Das einprägsame Wort der 2016 heiliggesprochenen Mutter Teresa von Kalkutta (1910–1997) drückte die aus Albanien stammende Ordensfrau auch ausführlicher aus: „Für Kinder und in Familien ist Beten dringend nötig. Liebe beginnt zuhause und daher ist es wichtig, dass man zusammen betet. Wenn ihr zusammen betet, werdet ihr zusammenbleiben und euch so lieben, wie Gott jeden von euch liebt.“
Papst Franziskus spricht ebenfalls immer wieder von der Bedeutung der Familie für die Weitergabe des Glaubens, so etwa in seinem Monatsanliegen für August 2019: „Geben wir in den Familien dem persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet gebührenden Raum. Lasst uns beten, dass der Familienalltag durch Gebet und liebevollen Umgang immer mehr eine ,Schule der menschlichen Reife‘ wird.“

"Es ist in den Familien, wo Kinder durch gemeinsames Beten,
Erzählen und Vorlesen an die Geschichten unseres Glaubens
aus der Bibel und einer reichhaltigen
Auslegungs- und Erzähltradition herangeführt werden“
Heiner Koch, Erzbischof von Berlin

Aus Anlass des letzten Familiensonntags am 29. Dezember schrieb der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, der Berliner Erzbischof Heiner Koch: „Es ist in den Familien, wo Kinder durch gemeinsames Beten, Erzählen und Vorlesen an die Geschichten unseres Glaubens aus der Bibel und einer reichhaltigen Auslegungs- und Erzähltradition herangeführt werden.“ Das Bistum Salamanca in Spanien hat nun die Aktion „Familien beten zusammen“ ins Leben gerufen, um das gemeinsame Gebet in der Familie zu fördern. Die Kommission „Familie und Leben“ des Bistums lädt Familien dazu ein, wahre „Gebetszentren“ zu werden. Dazu sollen sich die daran teilnehmenden Familien verpflichten, im Jahr 2020 regelmäßig – täglich, wöchentlich oder monatlich – für eine Einzelperson, etwa einen Priester, einen Ordenschristen oder einen Laien, beziehungsweise für eine bestimmte Gruppe (eine Pfarrei, eine Ordensgemeinschaft, eine Laiengruppe) oder auch in einem bestimmten Anliegen zu beten.

„Wir glauben an die Macht des Gebets“, so Florentino Gutiérrez, Vorsitzender der Bistumskommission, bei der Vorstellung der Aktion. Es soll eine „Gebetskette“ geschaffen werden, in der jede Familie für eine bestimmte Einzelperson oder Gruppe beziehungsweise in einer bestimmten Meinung Fürbitte einlege. Um die Bedeutung des fürbittenden Gebets zu unterstreichen, beruft sich das Bistum auf das Apostolische Schreiben „Gaudete et exsultate“ (19. März 2018) von Papst Franziskus: „Die Fürbitte hat einen besonderen Wert, weil sie ein Akt des Gottvertrauens und zugleich ein Ausdruck der Nächstenliebe ist. Manche glauben aufgrund von spiritualistischen Vorurteilen, dass das Gebet eine reine Kontemplation Gottes sein müsse, ohne Ablenkungen, so als ob die Namen und Gesichter der Brüder und Schwestern eine zu vermeidende Störung waren. Die Realität ist dagegen, dass das Gebet Gott gefälliger und heiligmachender wird, wenn wir darin durch die Fürbitte versuchen, das uns von Jesus hinterlasse Doppelgebot zu leben.

Drei Ziele charakterisieren die Hauskirche

Die Fürbitte druckt das brüderliche Engagement für andere aus, wenn wir in ihr fähig sind, das Leben anderer aufzunehmen, mit ihren verstörenden Seelennöten und besten Träumen. Wer sich großmütig der Fürbitte widmet, von dem kann man mit den Worten der Heiligen Schrift sagen: ,Dieser ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk betet‘ (2 Makkabäer 15, 14).“ Deshalb erklärt Gutiérrez: Die Fürbitte „kann viel Gutes tun. Wir müssen damit beginnen, zu beten und unsere Mission in Gottes Hände zu legen.“

Darüber hinaus nimmt „Familien beten zusammen“ Bezug auf die Botschaft der spanischen Bischöfe zum Familiensonntag 2019: „Die Mission der Familie ist eine Mission der Heiligkeit und ein Aufruf, uns selbst in der Radikalität und Ganzheit der Liebe Christi zu seiner Kirche zu lieben. Heute betrachten wir das Licht und die Wärme, die aus dem Haus von Nazareth, Jesus, Maria und Josef kommt. In ihnen betrachten wir den Glanz der wahren Liebe, an sie wenden wir uns vertrauensvoll. Heilige Familie von Nazareth, macht auch unsere Familien zu einem Ort der Gemeinschaft und zu einem wahren Gebetsraum, zu authentischen Schulen des Evangeliums und zu kleinen Hauskirchen.“

Die Aktion „Familien beten zusammen“ verfolgt eine dreifache Zielsetzung: Einerseits soll wie erwähnt in der Familie gemeinsam gebetet werden. Ein zweites Ziel der Aktion besteht darin, für die Familien zu beten, „weil wir als Kirche dieses Bedürfnis spüren, weil die Familie die ,Hauskirche‘ ist, weil die Familie der Ursprung des Lebens und der wahren Evangelisierung ist“, so der Vorsitzende der Bistumskommission bei der Vorstellung des Gebetsprojekts. An dritter Stelle sollen sich die teilnehmenden Familien jeden letzten Samstag im Monat im „Haus der Kirche“ treffen, um „einander zu begegnen, uns auszutauschen und uns der Welt als eine Kirche, eine aus Familien bestehende Großfamilie zu präsentieren.“

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