Köln

Kommentar um "5 vor 12": Woelki legt den Finger in die Wunde

Die Petitions-Kritik am Kölner Erzbischof ist entlarvend. Der Kardinal hat die Zeichen der Zeit sehr wohl verstanden. Genau das ist das Problem. Ein Gastbeitrag.

Kardinal Rainer Maria Woelki steht wegen seiner klaren Worte zum Synodalen Weg in der Kritik.
Der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, steht wegen seiner klaren Worte zum Synodalen Weg in der Kritik. Ein Kölner Katholik hat eine Petition initiiert, die sich gegen Woelki richtet. ,. Ein Kölner Katholik hat eine Petition initiiert, die sich gegen Woelki richte... Foto: Oliver Berg (dpa)

Mein Wille – Gottes Wille? Was zählt für Christen wirklich? Der Kölner Katholik Kurt Gerhard setzt auf seinen Willen und hat eine Petition gegen Kardinal Rainer Woelki gestartet. Er missbilligt, dass dieser die Synodalversammlung ein „protestantische Kirchenparlament“ nannte und sagte, dass sie „eigentlich nichts mit dem zu tun gehabt habe, was katholische Kirche ist und meint“.

Wer hat Recht? Laut Gerhard treibe man Menschen mit solchen Aussagen aus der Kirche und habe die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Doch Woelki hat die Zeichen der Zeit verstanden. Er versteht, was Gottes Wille ist, dass Gott Worte ewigen Lebens hat und wir zu ihm gehen müssen. Er versteht es, echter Hirte zu sein. Zudem sind die vermeintlichen Zeichen der Zeit verkappte Zeichen des Zeitgeistes.

Christen kennen ihren Christus nicht mehr

Das Zeichen der Zeit ist dieses: Christen kennen ihren Christus nicht mehr. Woelki legt nur den Finger in die Wunde, und das tut weh. Zuzugeben, Gott zu vertrauen und seinem Willen zu folgen statt dem eigenen,  ist nicht immer einfach. Aber wie heißt es bei Sirach: „Wer hat auf den Herrn vertraut und ist dabei zuschanden geworden?“

Wir brauchen gute Hirten, die uns gemäß dem Auftrag der Kirche helfen, unser „Ja“ zu Gott immer wieder zu erneuern und uns an Gottes Wort zu halten. Die Bischöfe sollen uns in Treue zum Herrn den richtigen Weg weisen! Nichts anderes tut Woelki. Er will auch Reformen, nur setzt er an bei der Beziehung zum Herrn. Er will Menschen zu Christus führen, nicht in Ämter. Denn man treibt Menschen in Wahrheit aus der Kirche, wenn sie Jesus nicht mehr kennen.

Gott im Mittelpunkt oder ein menschengemachtes Kirchenparlament?

Jesus war ein wahrer Publikumsmagnet. Und er wäre es auch heute, würden wir uns ihm nicht verschließen. Wenn wir ihn hinter eigenen Wünschen nach Ämtern und Strukturen verbergen, bringen wir uns um einen gewaltigen himmlischen Schatz! Wer auf Woelkis Aussagen hin die Kirche verlässt, was oder wen sucht er dann zuerst? Es geht nur eines: eine Kirche mit Gott im Mittelpunkt oder ein wie auch immer geartetes, menschengemachtes Kirchenparlament. Mein Wille – oder Gottes Wille?

Die Autorin engagiert sich für die Initiative "Maria 1.0" und ist Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Weges. 

 

 

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