Vatikanstadt

Kommentar um "5 vor 12": Weltkirchliche Horizonterweiterung

Ehe die Absolventen der Päpstlichen Diplomatenakademie ihren Dienst in den Nuntiaturen antreten, sollen sie ein Jahr in die Mission gehen. Das ist eine gute Entscheidung

Papst Franziskus bei Neujahrsansprache vor dem Diplomatischen Corps
Es wäre eine Verzeichnung zu meinen, der Dienst der Diplomaten des Papstes bestünde nur darin, korrekt Messer und Gabel halten zu können und unter Stuckdecken und Kristalllüstern Konversation zu machen. Denn sie tun Dienst in oft entlegenen Ländern der Welt. Foto: Ettore Ferrari (ANSA/AP)

Der Papst schickt seine Diplomaten an die Ränder: Das hat der Heilige Vater jetzt verfügt. Ehe die Absolventen der Päpstlichen Diplomatenakademie ihren Dienst in den Nuntiaturen antreten, sollen sie ein Jahr in die Mission gehen. Das ist eine gute Entscheidung.

Den päpstlichen Diplomaten nicht Unrecht tun

Man darf den Diplomaten des Papstes aber nicht Unrecht tun. Es wäre eine Verzeichnung zu meinen, ihr Dienst bestünde nur darin, korrekt Messer und Gabel halten zu können und unter Stuckdecken und Kristalllüstern Konversation zu machen. Die Diplomaten des Papstes tun Dienst in oft entlegenen Ländern der Welt, nicht selten unter großen persönlichen Opfern und Gefahren. Sie vertreten den Heiligen Stuhl bei der Ortskirche und den Staaten. Das ist ein wichtiger und segensreicher Dienst. Dafür sollte ihnen der Dank der Kirche gelten.  

Es ist aber richtig, Karrieredenken verträgt sich weder mit dem Dienst des Priesters noch dem des päpstlichen Diplomaten. Die Prioritäten müssen klar sein. Und diese Priorität besteht für den Dorfkaplan wie den jungen Nuntiarrat im Aufbau des Reiches Gottes, das in der Kirche und ihren Sakramenten schon begonnen hat. Das hat der Papst deutlich gemacht.

"Klerikalen Karrierismus und seelenloses
Bürokratiedenken gibt es nicht nur an der Römischen Kurie"

Wer angesichts der Entscheidung des Papstes jetzt in deutschen Kirchenamtsstuben zufrieden nickt und meint, endlich weist der Papst die Schnösel in den gut geschnittenen Soutanen in die Schranken, der sollte bedenken: Klerikalen Karrierismus und seelenloses Bürokratiedenken gibt es nicht nur an der Römischen Kurie. Sie sind in deutschen Ordinariaten genauso zuhause. Wer also den Splitter im Auge der römischen Brüder entdeckt, der möge den Balken im eigenen Auge nicht übersehen. Warum sollte das Beispiel des Papstes also nicht Schule machen? Warum sollten deutsche Jungpriester nicht eine weltkirchliche Erfahrung machen? Warum sollten geistliche Ordinariatsmitarbeiter nicht mit gutem Beispiel vorangehen? Weltkirchliche Horizonterweiterung im Zeichen der Mission schadet niemandem.

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