Würzburg

Kommentar: Keine Oberbischöfe mehr

Die Ankündigung von Kardinal Marx, für eine zweite Amtszeit als DBK-Vorsitzender nicht zur Verfügung zu stehen, bietet Gelegenheit, über Veränderungen nachzudenken. Bischofskonferenzen müssen den Bischöfen dienen, nicht umgekehrt.

Nach Marx-Rücktritt: Reform der DBK nötig
Die Zeit der ekklesiologisch nicht vorgesehenen Oberbischöfe muss vorbei sein. Im Bild: Bischöfe bei der Herbstvollversammlung in Fulda. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Die Deutsche Bischofskonferenz braucht an ihrer Spitze dringend eine Reform. Die Zeit der ekklesiologisch nicht vorgesehenen Oberbischöfe muss vorbei sein. Die Ankündigung von Kardinal Marx, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen, bietet Gelegenheit, über Veränderungen nachzudenken. Dazu bedarf es struktureller Korrekturen, vor allem aber entsprechender Einsicht beim nächsten DBK-Chef. Der Vorsitzende ist Moderator einer Konferenz. Soweit die Theorie. Ihm stehen aber durch den gut geölten Bonner Apparat sachliche und personelle Ressourcen zur Verfügung wie keinem anderen Bischof.

Enormes mediales Gewicht

Herr des Verfahrens zu sein und Herrschaftswissen zu haben, gibt ihm eine Macht an die Hand, die zu eigenen Agenden verführen kann. Hinzu kommt, dass er medial ein Gewicht erhält, das ihm eigentlich qua Kirchenverfassung nicht zusteht. Er wird in den Augen der Öffentlichkeit zwangsläufig zum Oberbischof. Wer den entsprechenden Ehrgeiz mitbringt, kann diese Tendenz noch verstärken. Er kann die Kirche in Deutschland dann für die breite Öffentlichkeit positionieren, ohne dass er seine Mitbrüder nach Mandat oder Mehrheiten fragen müsste. Mehr mediale Selbstbescheidung bei kontroversen Fragen   Stichwort Abendland   wäre angesagt.

Nur noch einmalige Amtszeiten zulassen

Erste strukturelle Schritte wären, nur noch einmalige Amtszeiten zuzulassen. Jahrzehntelange Amtszeiten wie unter Kardinal Lehmann schaffen Nationalpäpste und sklerotische Strukturen im Mittelbau des DBK-Apparats. Zudem sollte der Umfang einer Wahlperiode reduziert werden. Sechs Jahre sind zuviel. Entscheidend jedenfalls ist: Bischofskonferenzen müssen den Bischöfen dienen, nicht umgekehrt. Im Mittelpunkt muss immer der einzelne Bischof stehen, der Nachfolger der Apostel ist und seinem Weiheversprechen folgend handelt, sei es gelegen, sei es ungelegen. Sich hinter anonymen Mehrheiten zu verstecken oder Angst vor Gruppendynamik zu haben widerspricht diesem Auftrag. Die Bescheidung an der Spitze der DBK muss mit mehr Mut zur Verantwortung seitens der Diözesanbischöfe Hand in Hand gehen.

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