London

Kommentar: Das Charisma des Kardinals

Kardinal Newman ließ sich niemals vor einen Karren spannen, sondern folgte seinen persönlichen Überzeugungen..

Heiligsprechung von Kardinal Newman
Schon früh faszinierte John Henry Newman die Gläubigen und solche, die ein geistiges Leben suchten. Am Sonntag wird er heiliggesprochen. Foto: Claudio Onorati (epa ansa)

Am Sonntag wird Kardinal John Henry Newman (1801-1890) in Rom heiliggesprochen. Viele Gläubige aus der ganzen Welt schauen mit Spannung auf dieses Ereignis. Aus England reist eine Delegation an, die von keinem geringeren als Prinz Charles angeführt wird.

„Apostel für die Zweifler“ nannte man ihn

Schon früh faszinierte der in London geborene Newman die Gläubigen und solche, die ein geistiges Leben suchen. „Apostel für die Zweifler“ hat man ihn genannt, nicht nur, weil er ohne Ansehen von Herkunft und Status mit den Menschen seiner Zeit verkehrte, sondern auch, weil er seine eigenen Standpunkte kritisch hinterfragte. Ohne dabei das Evangelium und die göttliche Person Christi zur Disposition zu stellen.

Newmans berühmtes Diktum, dass er zuerst einen Toast auf das Gewissen und dann erst auf den Stellvertreter Christi aussprechen würde, ließe sich angesichts seines standfesten Weges problemlos erweitern: … und niemals auf ein bestimmtes Lager! Trotzdem hat es immer wieder Versuche gegeben, den Briten für die eigene Sache einzuspannen: als Gewährsmann einer anti-liberalen Tradition, als Fürsprecher einer kirchlichen Modernisierung. Und was es sonst noch alles geben mag.

Der Wahrheit zum Glanz verhelfen

Dem eigentlichen Charisma Newmans wird man damit nicht gerecht. Denn: egal, ob als Chefredakteur, was er nur kurzzeitig war, oder als Universitätsgründer – Kardinal Newman ließ sich niemals vor einen Karren spannen. Er folgte seinen persönlichen Überzeugungen. Er wollte nicht glänzen, wie so mancher halbseidene Kirchen-Karrierist, sondern der Wahrheit zum Glanz verhelfen. Der Preis, den Newman dafür zahlte, waren Verleumdungen und Intrigen, die zwischen Birmingham und Rom, Oxford und Dublin gegen ihn grassierten. Ausgelöst von opportunistischen Clowns, an denen es in der Kirche nie mangelt. Newman trug diese Formen des Mobbings mit Gelassenheit, Charakter und Stärke. Er ließ sich nicht verwirren auf seinem Weg, Seinem Weg. Vielleicht sind es genau diese Eigenschaften, die ihn zu einem idealen Patron für die Katholiken von heute machen.