Paris

Köstliche Katechesen

So wird der Glaube zum geistlichen Genuss: Wenn Ordensleute kochen, bekommt nicht nur der Magen etwas. Der Sender KTO stillt mit einer Serie aus französischen Klosterküchen auch den geistlichen Hunger und zeigt der Wegwerfgesellschaft Alternativen.

Küchenkatechese
Es muss nicht immer Fastfood sein: Wer aus regionalen Produkten lecker kochen und dabei etwas über den Glauben erfahren will, liegt mit der Youtubeserie „La cuisine des monasteres“ des französischen Senders KTO richtig. Foto: KNA

Das Geheimnis französischer Kochkunst beginnt mit einem kurzen Gebet: Ehe sich Schwester Bertille in der Klosterküche der Benediktinerinnen vom gekreuzigten Jesus in Brou-sur-Chantereine bei Paris Kartoffeln schält, bekreuzigt sie sich. Heute gibt es einen Topinambur-Auflauf mit Nusskruste. Die junge Ordensfrau legt Wert auf gutes Essen – und das nicht aus Genusssucht, sondern aus Dankbarkeit für Gottes Gaben. Dass Jesus Mensch geworden ist und gespeist hat verpflichtet – die Inkarnation hat durchaus auch genüssliche Konsequenzen. Mit Sicherheit habe Jesus als wahrer Mensch auch gutes Essen geschätzt, zeigt sich die Ordensfrau überzeugt.

Dass sie im gut zehnminütigen Videoclip des französischen Senders KTO einen Topinamburauflauf zubereitet ist kein Zufall. Während sie mit geschickten Fingern die kleingeschnittene Knolle unter Kartoffelscheiben in eine Gratinform schichtet, rehabilitiert sie ein von ihren Landsleuten oft verkanntes Geschenk des Schöpfers. Vor allem ältere Franzosen verschmähen die vitamin- und ballaststoffreiche Knolle, die in den kargen Kriegs- und Nachkriegsjahren in manchen Familien täglich auf den Tisch kam. Schwester Bertille bricht eine Lanze für die „Jerusalem-Artischocke“, die auch als „Diabetikerkartoffel“ bekannt ist und sich mit ihrem nussigen Geschmack hervorragend als Beilage zu Fleisch und Fisch eignet. Fettarm und ohne großen Aufwand zubereitet ist sie eine Alternative zu Fastfood und Fertiggerichten.

Kochen ist ein Akt der Nächstenliebe

Wer unaufdringliche und bodenständige Katechesen schätzt, liegt mit den Videos aus französischen Klosterküchen richtig. In zehn bis fünfzehn Minuten erfährt der Zuschauer das Wichtigste über die jeweilige Ordensniederlassung. Während in der Küche Köstlichkeiten brutzeln und schmoren, teilen erfahrene Köchinnen und Köche ihre geistlichen Reichtümer und Berufungsgeschichten. Bruder Hervé-Marie etwa erging es zu Beginn seines Klosterlebens in der Benediktinerabtei Fontgombault ähnlich wie manchem frischgebackenen Ehemann: Der gelernte Optiker konnte nicht kochen. „Genau dich brauchen wir“, habe ihm der Küchenchef damals schmunzelnd gesagt. Inzwischen bereitet er souverän Mahlzeiten für den hundert Mönche zählenden Konvent und zeigt den Zuschauern sein handgeschriebenes Kochbuch mit den gesammelten Familienrezepten des Konvents. Die benediktinische Maxime „Beten und Arbeiten“ lässt sich in der Routine der Küchenarbeit jeden Tag in die Tat umsetzen.

Dass Kochen ein Akt der Nächstenliebe ist, gerät heute allerdings in Vergessenheit: In Singlehaushalten und vielen Familien wird der Mittags- oder Abendtisch durch Kantine und Schnellmahlzeiten unterwegs abgelöst. Doch selbst zu kochen ist nicht nur gesünder als Fastfood, sondern auch ein Dienst an der Gemeinschaft. Mahlzeiten appetitlich anzurichten ist daher für Bruder Hervé-Marie Ehrensache. Nicht von ungefähr greift die Regel des heiligen Benedikt das Psalmwort auf: „Wo ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“. Der Ordensvater legt den gesunden Mönchen fleischloses Essen nahe. Bruder Hervé-Marie verpflegt den Konvent vorzugsweise aus dem klostereigenen Obst- und Gemüsegarten. Dank eines eigenen Hühnerstalls und einer Backstube ist die Abtei Fontgombault weitgehend autark. Dass leckeres Essen auch ohne großen Aufwand zubereitet werden kann, zeigt der heitere Mönch mit seiner Charlotte Martin: Apfelspalten werden im Ofen mit einer Eiermilch geschmort. Dass in der Klosterküche kein Essen weggeworfen wird, ist Ehrensache. In der Charlotte Martin wird altbackenes Brot, in kleine Würfel geschnitten, zu einer knusprigen Kruste. Mit Zimt und Zucker bestreut ist dieses Gericht kalt und warm ein Genuss und wird im Kloster auch zum Frühstück gereicht – als Grundlage für einen körperlich anstrengenden Arbeitstag in der Landwirtschaft und in den Handwerksbetrieben.

Alternativen zum verschwenderischen Lebensstil der Überflussgesellschaft lernt der Zuschauer auch bei den Benediktinerinnen vom heiligsten Sakrament in Bayeux kennen. Schwester Marie-France kocht aus wenigen Zutaten sämige Kartoffeln auf bretonische Art und erinnert an die benediktinische Bedeutung der Gastfreundschaft. Gemeinsame Mahlzeiten schweißen zusammen, vor allem, wenn die Teilnehmer auch gemeinsam beten. In einem Kloster habe man einander nicht ausgesucht, unterstreicht sie. Christus und das Gebet hielten die Klostergemeinschaft zusammen. Dass bei Tisch Familienrezepte der Nonnen aus verschiedenen Gegenden Frankreichs zu Ehren kommen, verbindet ebenfalls.

Von Biersauce und Berufungsgeschichten

Berufungsgeschichten lassen sich beim Kochen anschaulich erzählen. In der Klosterküche der Prämonstratenser in St. Martin im normannischen Mondaye zieht Bruder Laurent alle Register seiner Kunst. Der gelernte Koch bereitet Kaninchen in Biersauce für seine dreißig Mitbrüder zu – in üppigen Portionen und mit sichtlicher Freude. Die Königsdisziplin jedes Kochs – die Sauce – bekommt bei ihm ihren Pfiff durch feingeriebenes Gewürzbrot. Da die meisten Mitglieder des Konvents Priester sind und außerhalb des Klosters in der Pfarrseelsorge arbeiten, sind die Mahlzeiten neben dem Stundengebet ein wichtiger Punkt des Gemeinschaftslebens.

Bruder Laurents Biografie ähnelt der vieler junger Menschen. Nach Taufe und Erstkommunion trat eine lange geistliche Dürre ein. Die Arbeit in einer Hotelküche forderte von dem stämmigen Mann auch am Wochenende vollen Arbeitseinsatz. Sonntagsmesse? Gestrichen. Das Blatt wendete sich beim Lesen: In einer Zeitschrift erfuhr der junge Hotelkoch, wie Prämonstratenserinnen heute leben und war sofort fasziniert. Die Suche nach dem männlichen Ordenszweig führte ihn nach Mondaye. Von da an ließ der Ruf Gottes Bruder Laurent nicht mehr los. Nach der Firmung trat er in das Kloster ein. Am Herd steht er dort nur noch dann und wann. Doch viel mehr zählt, dass die Eucharistiefeier nun täglicher Bestandteil seines Lebens geworden ist.

Die anregende Kombination aus Katechese, Französischunterricht und Kochkurs findet man bei Youtube unter den Suchbegriffen „KTO – La cuisine des monasteres“.

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