Heidelberg

Klaus Berger für Lebenswerk ausgezeichnet

Gelehrter Dialog statt Beliebigkeit: Der Theologe Klaus Berger erhält den Augustin-Bea-Preis.

Klaus Berger ausgezeichnet
Nicht nur ein trockener Wissenschaftler, sondern ein Theologe, der über das spricht, was ihn innerlich bewegt: Klaus Berger. Foto: KNA

Die Internationale Stiftung Humanum mit Sitz in Lugano hat dem Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger den renommierten Augustin-Bea-Preis verliehen. Die Auszeichnung, die Bergers Lebenswerk würdigt, ist mit einem Preisgeld in Höhe von 30.000 Schweizer Franken verbunden. Bei dem Festakt am vergangenen Wochenende in Heidelberg begründete der Präsident der Stiftung, der Dominikaner Wolfgang H. Spindler, die Auszeichnung mit dem Hinweis auf Bergers geistig, geistliche und ethisch-lebenspraktische Weite. Diese Weite nannte er eine Katholizität im überkonfessionellen Sinne.

Unabhängig vom wechselnden Zeitgeist

Spindler hob Bergers Unabhängigkeit von Ideologien sowie vom wechselnden Zeitgeist hervor: „Wir ehren das Werk eines großen und geradlinigen Gelehrten.“ Prof. Berger widerstehe den Tendenzen einer sich selbst säkularisiserenden und billige Gnade offerierenden Kirche. Die widersprüchlichen Zeichen der Zeit verwechsle Berger nicht mit dem Dogma des Glaubens und der Erkenntnis der Vernunft: „Den gebotenen Dialog in der Kirche und Gesellschaft vertauscht er nicht mit einem Diskurs der Beliebigkeit.“ Er trage bei, das christliche Menschen-, Geschichts- und Gesellschaftsbild der Pastoralkonstitution „Gaudium es Spes“ des Zweiten Vatikanischen Konzils zu bewahren.

Der Preis wird seit 1969 in unregelmäßigen Abständen verliehen. Kardinal Bea (1881-1968) hatte das Protektorat über die Stiftung übernommen. Preisträger sind bisher unter anderen Kardinal Joachim Meisner (2016), der damalige Kardinal Joseph Ratzinger (1989), Hans Urs von Balthasar, Kardinal Joseph Frings, Paul Kirchhof, Sr. Karoline Mayer und Erzbischof Johannes Dyba. Die Stiftung Humanum wurde 1966 von christlichen Sozialwissenschaftlern und Unternehmern gegründet. Dazu zählten der Münsteraner Sozialethiker Wilhelm Weber sowie der Bonner Prälat Wilhelm Wissing. Präsident Wolfgang H. Spindler wirkt in München sowie als Professor für Politische Philosophie in St. Pölten in Niederösterreich.

Zentrales Anliegen: ein kirchlich-liturgisch verorteter Glaube

50 Jahre nach der Einrichtung des Preises erhielt nun Klaus Berger am Tag des heiligen Nikolaus den Preis. Berger wurde 1940 in Hildesheim geboren. Ab 1977 wirkte er als Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Zu seinen hervorragenden Werken gehören die „Theologiegeschichte des Urchristentums“ (1994), zuletzt der zweibändige Kommentar zur „Apokalypse des Johannes“ (2017) und das Begleitbuch „Leih mir deine Flügel, Engel. Die Apokalypse im Leben der Kirche“ (2018). Sein zentrales Anliegen ist die Überwindung der Einseitigkeiten der historisch-kritischen Exegese zugunsten eines kirchlich-liturgisch verorteten Glaubens.

Der Kunsthistoriker Josef Nolte sagte in seiner Festansprache, Klaus Berger habe sich beim Vollzug seiner Aufgabe durch keine Konfession einschränken lassen. Eine einzige Konfession könne ihn kaum ausfüllen. Die daraus erwachsende Katholizität sei wenigen aufgegangen. „Klaus Bergers Kompass ist das Neue Testament.“ Stets hätten ihn die Gegensätze stark interessiert. Es gehe ihm darum, die jeweilige Gegenposition zu erkennen. Er habe sein Fach zu einem öffentlichen Fach werden lassen. Nolte kritisierte, dass Bergers immenses Werk katholischerseits so gut wie nicht rezipiert worden sei. Das sei zwar verstörend, aber nicht neu. Prof. Nolte erinnerte an den Sämann, der im Gleichnis bei der Erfüllung der hohen Aufgabe hauptsächlich scheitert. Nolte weiter: „Nur der Gescheiterte ist preiswürdig.“

Mehr als 60 Schüler zur Promotion und Habilitation geführt

Maximilian Heim, Abt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz im Wienerwald, sprach die Laudatio. Berger ist seit 1994 Familiare des Zisterzienserstifts. Der Abt erinnerte daran, wie Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Heiligenkreuz 2007 die Diplomatie durchbrochen habe, um auf Klaus Berger zuzugehen. Er würdigte die Dissertation Bergers, in der er hervorgearbeitet habe, dass Jesus Christus das mosaische Gesetz nicht abschaffen, sondern erfüllen wollte. Der Abt nannte es „wirklich außerordentlich“, dass Berger mehr als 60 Schüler zur Promotion und Habilitation geführt hat. Er sei nicht nur ein trockener Wissenschaftler, sondern ein Theologe, der über das spricht, was ihn innerlich bewegt. Bei Berger heiße übersetzen Fremdheit verstehen, ohne sie zu verdrängen.

Berger antwortete mit Ausführungen zur Frage, was ihm besonderes lieb sei. Darunter nannte er seine Heimatstadt Goslar, Glockeninschriften, von denen er 5.000 gesammelt hat, gregorianische und lateinische Liturgien inklusive mozarabischer, die 1000-jährige Marienkapelle im Clusfelsen vor Goslar, Theater mit Handpuppen, die Prostratio zu Anfang der Karfreitagsliturgie, apokryphe Apokalypsen in welcher Sprache auch immer, Wilhelm von St. Thierry und Nicolaus Cusanus.

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