Würzburg

"Kein Anlass zur Schadenfreude: Niemand ist vor Zerwürfnissen gefeit"

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Erzpriester Miron, zieht eine Bilanz der Synodalversammlung und sieht alle christlichen Konfessionen in der Krise.

Beobachter der Synodalversammlung
Beobachter aus anderen Konfessionen vor den Teilnehmern der Synodalversammlung in Frankfurt am Main. Ganz rechts im Bild: Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron. Foto: Synodaler Weg/Malzkorn
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron, sieht alle christlichen Konfessionen in der Krise. In der derzeitigen kirchlichen Großwetterlage sei keine Kirche vor innerem Druck und Zerwürfnis gefeit. Diesen Eindruck habe er als Beobachter der Synodalversammlung in der Frankfurt am Main gewonnen, sagte Miron am Mittwoch. Gegenüber der Tagespost zog der orthodoxe Erzpriester eine Bilanz der Synodalversammlung.
 
Zu seiner Überraschung habe er viele Gemeinsamkeiten der Kirchen feststellen können, gerade auch was den heutigen Gesamtzustand betreffe, resümierte Miron und fuhr fort: „Erstaunlicherweise ist es nicht nur eine Kirche, die derzeit eine Krise durchmacht, sondern wir alle sind betroffen. Da gibt es gar keine konfessionellen Unterschiede.“
 

In dieser Großwetterlage stehen alle Kirchen unter Druck

Der Erzpriester erinnerte an den Sommer 2016, als das Moskauer Patriarchat seine Teilnahme am Großen Konzil der Orthodoxen Kirche in Kreta in letzter Minute absagt hatte. Damals habe es Stimmen im römisch-katholischen Blätterwald gegeben, „die orakelten, diese Krise sei ein orthodoxes Spezifikum, das eigentlich nur dem durch das Fehlen einer päpstlichen Universaljurisdiktion entstandene Machtvakuum geschuldet sei“, so Miro. 
 
Heute würden ihm die Notwendigkeit des Synodalen Wegs und seine ersten Schritte eindrücklich klar machen, dass in der derzeitigen kirchlichen Großwetterlage keine Kirche vor innerem Druck und Zerwürfnis gefeit sei. Besonders deutlich habe ihm dies ein Statement von Sr. Philippa Rath OSB gemacht, die am ersten Abend im St. Bartholomäus-Dom in Frankfurt dazu aufgerufen habe, keine Gruppe in der Kirche möge der anderen die Rechtgläubigkeit absprechen. 
 

Beliebtes Muster: Den anderen die Rechtgläubigkeit absprechen

„Ich erkannte“, so Miron weiter, „ganz offensichtlich ist dies ein beliebtes Strickmuster in allen unseren Kirchen und Konfessionsfamilien: Die Rechtgläubigkeit erscheint für die übrigen Glaubensgeschwister der gleichen Konfession dann in Gefahr, wenn etwa ein Methodist für die Ordination von homosexuellen Bischöfen plädiert, wenn ein evangelischer Ratsvorsitzender Flüchtlingsrettung betreibt oder wenn ein Orthodoxer die Autokephalie der Kirche in der Ukraine anerkennt. Und jetzt erleben wir eine entsprechende Krise in der römisch-katholischen Kirche Deutschlands und darüber hinaus, die ähnliche Stimmen auf den Plan ruft.“
 
In den Tagen in Frankfurt sei deshalb in ihm ein Gefühl der ökumenischen Zusammengehörigkeit entstanden, das ihn in seiner Heftigkeit überrascht habe. „Nicht Häme, nicht Schadenfreude, nicht Triumphalismus sind angesagt, sondern die Erkenntnis, dass wir als Kirchen zusammengehören: auch – und vielleicht ganz besonders - wenn unser (Synodaler) Weg schwer zu meistern ist“, betonte der orthodoxe Erzpriester.
 
 
 Miron nahm - wie auch Vertreter anderer Konfessionen - auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) als Beobachter an der Synodalversammlung in Frankfurt am Main teil.  Miron war für die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) zugegen. Zur OBKD gehören alle in Deutschland vertretenen orthodoxen Diözesen, die nach eigenen Angaben 2 Millionen orthodoxe Christen betreuen. 
 
DT

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