Vatikanstadt

Kardinal Müller: Es kann nur einen Papst geben

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist nicht der Gegenspieler von Papst Franziskus, stellt Kardinal Gerhard Müller klar. Das mediale Verwirrspiel um die vermeintliche Co-Autorenschaft Benedikts am Zölibats-Buch von Kardinal Sarah indiziere nur die grassierende öffentliche Paranoia.

Kardinal Müller: Benedikt nicht Gegenspieler von Franziskus
Benedikts Beitrag im Buch von Kardinal Sarah könne nur von denen als Gegenposition zu Papst Franziskus diskreditiert werden, die die Kirche Gottes mit einer ideologisch-politischen Organisation verwechselten, meint Kardinal Müller. Foto: dpa

Nach den intensiven Diskussionen um das Zölibats-Buch von Kardinal Robert Sarah, in dem auch ein Beitrag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zu finden ist, stellt Kurienkardinal Gerhard Müller klar, dass Benedikts Wortmeldung nicht als Opposition zum amtierenden Papst Franziskus zu verstehen sei. „Die Behauptung, Benedikt sei der heimliche Gegenspieler des amtierenden Papstes und sein Plädoyer für das sakramentale Priestertum und den Zölibat komme aus einer Obstruktionspolitik gegen das erwartete postsynodale Amazonas-Schreiben, kann nur im Mistbeet theologischer Ignoranz gedeihen“, schreibt Müller in einer ausführlichen Stellungnahme zum Verhältnis von Papst Franziskus und seinem Vorgänger, die der Tagespost vorliegt. Niemand widerlege diese „fixe Idee“ so glänzend wie Papst Franziskus selbst.

Auf dem Mistbeet theologischer Ignoranz

Benedikts Beitrag im Buch von Kardinal Sarah könne nur von denen als Gegenposition zu Papst Franziskus diskreditiert werden, die die Kirche Gottes mit einer ideologisch-politischen Organisation verwechselten. „Sie wollen nicht begreifen, dass die Geheimnisse des Glaubens nur mit dem ,Geist Gottes' und nicht mit dem ,Geist der Welt' zu  fassen sind.“

Das mediale Verwirrspiel um die Co-Autorenschaft Benedikts XVI. an Sarahs Buch „Des profondeurs de nos coeurs“ („Aus den Tiefen unserer Herzen“), das vergangenen Mittwoch zunächst auf Französisch erschienen war, indiziere nur „die grassierende Paranoia in der Öffentlichkeit seit der vermeintlichen Koexistenz von zwei Päpsten“, schreibt Kardinal Müller weiter. In der katholischen Kirche könne es aber nur einen Papst geben.

Opfer ideologischer Projektion

In dem Beitrag Benedikts über das katholische Priestertum habe die „schwere Wahrnehmungsstörung von zwei konträren Einheitsprinzipien“ wieder einmal ihre Bestätigung und Nahrung gefunden. Offen zutage liege dagegen, dass Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI. nicht die Urheber dieser „krankhaften Polarisierung“ seien, „sondern die Opfer einer ideologischen Projektion“.

Diese gefährde die Einheit der Kirche ebenso wie sie auch den Primat der römischen Kirche untergrabe, meint der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation. Alle diese Vorgänge zeigten nur, dass das mentale Trauma, das der Amtsverzicht Papst Benedikts Anfang 2013 ausgelöst habe, noch nicht ausgeheilt sei.

Die Diskussionen um Sarahs Buch hatten vergangene Woche begonnen, nachdem die französische Tageszeitung „Le Figaro“ vorab Auszüge veröffentlicht hatte. Zunächst war auch der emeritierte Papst Benedikt, der einen ausführlichen Text mit dem Titel „Das katholische Priestertum“ zum dem Buch beisteuerte, als Co-Autor genannt. Das Eintreten von Benedikt XVI. für die Beibehaltung des priesterlichen Zölibats war jedoch als Affront gegen den jetzigen Amtsinhaber Papst Franziskus gedeutet worden.

DT/mlu

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