Eichstätt

Jugend – gerufen zur Nachfolge

Eine Tagung an der Katholischen Universität Eichstätt befasst sich Ende Oktober mit der Frage, wie Jugendliche ihre persönliche Berufung finden können.

Jugend und Evangelisierung
Während viele Jugendliche nicht erkennen, wie der Glaube ihr Leben bereichern kann, gibt es neue Formen in der Jugendpastoral, die zum Teil eine größere Zahl von kirchlich gebundenen, aber auch kirchenferneren Jugendlichen anziehen. Foto: Armin Weigel (dpa)

Die Bindung der Jugendlichen an die katholische Kirche hat in den letzten Jahrzehnten in Deutschland immer mehr nachgelassen. Das Glaubenswissen junger Leute ist erschreckend zurückgegangen und das Bild, das viele Jugendliche von der Kirche haben, ist eher negativ. Am Gemeindeleben nehmen nur relativ wenige Jugendliche Anteil, in den Gottesdiensten sieht man noch weniger. Ganz offenbar erkennen viele Jugendliche nicht, wie der Glaube ihr Leben bereichern kann und wie er ihnen hilft, ihren persönlichen Ort in der Welt zu erkennen. Auf der anderen Seite gibt es viele geistliche Gemeinschaften, die Jugendliche ansprechen. Es gibt neue Formen in der Jugendpastoral, die zum Teil eine größere Zahl von kirchlich gebundenen, aber auch kirchenferneren Jugendlichen anziehen.

Wie Jugendliche ihre Berufung finden

Im vergangenen Jahr hat sich eine eigene Bischofssynode in Rom mit der Situation von Jugendlichen weltweit befasst und dabei auch Anregungen für die Jugendpastoral gegeben. Papst Franziskus hat die Ergebnisse der Synode in einem eigenen Apostolischen Schreiben aufgegriffen und weitergeführt. In diesem päpstlichen Schreiben „Christus vivit“ hebt Papst Franziskus die Bedeutung der Berufung durch Christus in der Jugendseelsorge hervor: „Jede Pastoral ist Berufungspastoral, jede Ausbildung gilt der Berufung und jede Spiritualität hat mit Berufung zu tun“ (Christus vivit, Nr. 254).

Eine Ende Oktober 2019 an der Katholischen Universität in Eichstätt stattfindende Tagung will diese Anregungen aufgreifen. Unter dem Titel „Jugend – gerufen zur Nachfolge“ geht es vor allem um die Frage, wie Jugendliche ihre Berufung finden. Dabei wird Berufung im weiteren Sinne verstanden, also nicht eingegrenzt auf die Berufung zum Priesteramt oder zum Leben in einer geistlichen Gemeinschaft. Seine Berufung als Christ kann man ja auch leben in Ehe und Familie, im Beruf, in Kirche und Welt. Auch Papst Franziskus versteht Berufung in diesem weiteren Sinn (Christus vivit, Nr. 248-277).

Christozentrik der Jugendpastoral im Sinne von "Christus vivit"

Am Anfang der Tagung steht eine theologische Fundierung. Pater Johannes Paul Chavanne OCist, Heiligenkreuz, wird die Christozentrik der Jugendpastoral im Sinne des päpstlichen Schreibens „Christus vivit“ nachzeichnen. In mehreren Vorträgen und Lektüre-Einheiten wird über Berufung und Nachfolge in der Bibel (im Alten und im Neuen Testament) und in der frühen Kirche reflektiert. Dabei wird auch das Verhältnis von Freiheit und Bindung in einem bewusst aus dem christlichen Glauben heraus gestalteten Leben erörtert. Auf diesem theologisch-philosophisch orientierten Teil aufbauend wird dann die konkrete Jugendpastoral in den Blick genommen. In mehreren Vorträgen und Workshops werden konkrete Projekte der Jugendarbeit vorgestellt wie die Jüngerschaftsschule der HOME Mission Base Salzburg und das Orientierungsjahr YOU in Eichstätt.

Letzteres bietet katholischen Jugendlichen nach dem Schulabschluss die Möglichkeit, für ein knappes Jahr in einer kleinen Gemeinschaft zu leben, den Glauben und das Gebetsleben zu vertiefen und sich in Praktika über die eigene Berufsentscheidung und über die eigene Berufung als Christ klar zu werden. Feierliche Gottesdienste, festlich gestaltete Abendgebete und ein Pontifikalamt mit dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB sorgen für eine geistliche Einbettung der Gespräche und der theologischen Reflexionen. Ein Theologengespräch und eine zusammenführende Abschlussdiskussion runden die Studientagung ab.

Die zentralen Fragen eines christlichen Lebens beantworten

Im Dialog mit Theologen, mit in der Jugendpastoral Tätigen, mit Vertretern geistlicher Gemeinschaften und Kongregationen und nicht zuletzt mit Jugendlichen soll also darüber nachgedacht werden, welche Möglichkeiten es heute für Jugendliche in unserem Land gibt, das eigene Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten und die zentralen Fragen eines christlichen Lebens zu beantworten: Wie finde ich zu meiner Berufung? Wie kann ein geistliches Leben aussehen, das von Glauben und Gebet geprägt ist und das hilft, meinen besonderen Auftrag zu erkennen? Welcher Begleitung bedarf es, um jungen Menschen bei der Suche nach ihrer Berufung zu helfen?

Die Einladung zur Tagung ergeht an all jene, die in der Jugendpastoral aktiv sind und vor allem an alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Anregungen für ihren Glauben und für die Erkenntnis ihrer Berufung in Kirche und Welt suchen. Nicht zuletzt richtet sich die Tagung an alle, denen die Zukunft der Kirche am Herzen liegt. Denn es gilt das Wort von Papst Johannes Paul II: „Ihr Jugendlichen seid die Hoffnung der Kirche“ (Apostolisches Schreiben „Dilecti amici“, 1985).

Mitwirkung unterschiedlicher geistlicher Gemeinschaften

Wesentliche Impulse wird die Tagung durch die aktive Mitwirkung unterschiedlicher geistlicher Gemeinschaften, der Jugendpastoral des Bistums Eichstätt und nicht zuletzt einer Delegation der Katholischen Universität Avila (Spanien) erhalten. Letztere wird eine über Deutschland hinausgehende Perspektive in die Überlegungen einbringen.

Die Tagung, die vom Lehrstuhl für Neutestamentliche Wissenschaft an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt unter der Leitung von Prof. Dr. Lothar Wehr und Frau Dr. Katja Hess organisiert wird, findet vom 25. bis zum 27. Oktober 2019 in Eichstätt in den Räumen der Katholischen Universität statt.

Weitere Informationen zur Tagung, zum Programm, zu den Referenten und zur Anmeldung finden Sie hier.
Eine Anmeldung ist möglich bis zum 14. Oktober 2019.

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