Rom

Jesuitengeneral Sosa: Den Teufel gibt es nur symbolisch

Jesuitengeneral Arturo Sosa Abascal bekräftigt erneut seine Auffassung, dass der Teufel als konkrete Gestalt in der Heilsgeschichte nicht existiert.

Arturo Sosa Abascal
Der Teufel sei keine Person, so wie der Mensch eine sei, meinte Sosa. Das Gute und das Böse lägen im menschlichen Bewusstsein in einem beständigen Kampf Foto: Romano Siciliani (KNA)

„Der Teufel existiert als symbolische, nicht als persönliche Realität.“ Mit diesen Worten hat Jesuitengeneral Arturo Sosa Abascal erneut seine Auffassung bekräftigt, dass der Teufel als konkrete Gestalt in der Heilsgeschichte nicht existiert. Der 70 Jahre alte Venezuelaner, der 2016 zum „Schwarzen Papst“ der Gesellschaft Jesu gewählt worden war, hatte am Rande des „Meetings für die Freundschaft unter den Völkern“ in Rimini der italienischen Zeitschrift „Tempi“ ein Interview gegeben und auf die letzte Frage, ob der Teufel existiere, geantwortet, dass es in der Sprache des Ordensgründers Ignatius von Loyola der „schlechte Geist“ sei, der den Menschen dazu bringe, Dinge zu tun, die dem Geist Gottes entgegenstünden.

Keine Person, sondern Art und Weise, das Böse zu bewirken

Dieser „schlechte Geist“ würde als personifiziertes Übel in verschiedenen Strukturen existieren, „aber nicht in den Personen, weil er keine Person ist, sondern eine Art und Weise, das Böse zu bewirken“. Der Teufel sei keine Person, so wie der Mensch eine sei, meinte Sosa weiter. Das Gute und das Böse lägen im menschlichen Bewusstsein in einem beständigen Kampf. „Wir erkennen Gott als das Gute, als das durch und durch Gute an. Die Symbole sind Teil der Wirklichkeit, und der Teufel existiert als symbolische, nicht als persönliche Realität.“

Papst Franziskus sieht das anders

Mit dieser schleierhaften Rede steht der Jesuitengeneral im Gegensatz zu dem zurzeit prominentesten Spross der Gesellschaft Jesu, das heißt Papst Franziskus. Noch vor einem Jahr, nach den Anklagen des Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò, hatte der Jesuiten-Papst vom Teufel als dem „Großen Ankläger“ gesprochen, so etwa bei einer Predigt in Santa Marta im September 2018: „Gerade in diesen Zeiten, in denen der ,Große Ankläger’ sich losgerissen hat und gegen Bischöfe wirkt. Es ist nun einmal so, dass auch wir Bischöfe Sünder sind. Der ,Große Ankläger’ will die Sünden aufdecken, damit sie jeder sehen kann, aber vor allem um das Volk zu schockieren.“

„Wer meint, der Teufel
existiert nicht, der irrt“
Papst Franziskus

Noch bei der Generalaudienz am 1. Mai dieses Jahres bekräftigte Franziskus seine vielfach geäußerte Auffassung, dass es das personale Böse real gebe: „Wer meint, der Teufel existiert nicht, der irrt.“ Der Papst erinnerte diejenigen, die der Ansicht sind, der Glaube an einen leibhaftigen Bösen sei veraltet oder „nicht mehr zeitgemäß“, daran, dass es den Satan wirklich gebe – Jesus selbst sei ihm begegnet und habe die Versuchungen des Teufels überwunden. „Viele Leute sagen: Warum über den Teufel reden, Satan ist eine altertümliche Sache, den Teufel gibt es nicht“, meinte damals Franziskus und sagte weiter: „Doch schaut, was das Evangelium lehrt: Jesus hat sich dem Teufel gestellt.“ Der Papst sprach bei dieser Erläuterung über die Bitte des „Vater unser“: „Und führe uns nicht in Versuchung“.

DT/gho

 

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