Bergamo

Italien: Neue Märtyrer in Corona-Zeiten

Ein Priester aus dem Epizentrum der italienischen Corona-Epidemie, der sein Beatmungsgerät einem jüngeren Patienten überlassen haben soll, gibt den sterbenden Geistlichen Italiens ein Gesicht und eine Geschichte.

Coronavirus in Italien: Säreg in der Kirche von Serina in der Nähe von Bergamo
Italien, Serina: Särge warten auf den Transport zum Friedhof in der Kirche von Serina in der Nähe von Bergamo. Im Zuge der Coronavirus-Pandemie sind in Italien auch zahlreiche Priester verstorben. Foto: Claudio Furlan (LaPresse)

Der Name Don Giuseppe Berardelli geht um die Welt. Die Geschichte eines am Corona-Virus erkrankten Priesters aus der Provinz Bergamo, der sein Beatmungsgerät einem jüngeren Patienten überlassen haben soll, verbreitet sich über Regionalnachrichten, die sozialen Netzwerke und schafft es zuletzt in den „Corriere della Sera“ und in die „Welt“. Der Jesuitenpater James Martin vom Magazin „America“ twitterte sogar, Berardelli sei ein Märtyrer der Nächstenliebe wie Maximilian Kolbe. Am Dienstagabend meldet sich jedoch der Sakristan der Pfarrei Casnigo, in der Don Giuseppe gewirkt hatte: Dieser sei ein charismatischer Mann gewesen, der sich für die Gemeinde aufgeopfert habe. Aber ein Beatmungsgerät für einen anderen Corona-Patienten gespendet? Vielmehr habe der Priester Probleme gehabt, das von der Gemeinde gespendete Gerät zu verwenden und es anschließend verweigert.

Es sind Heiligenlegenden, nach denen sich das Gottesvolk sehnt

Die Faszination für Don Giuseppe darf nicht verwundern. Der Priester aus dem Epizentrum der italienischen Corona-Epidemie gab den sterbenden Geistlichen Italiens ein Gesicht und eine Geschichte. Es sind jene Heiligenlegenden, nach denen sich das Gottesvolk sehnt. Allein Bergamo beklagt den Tod von mindestens 22 Priestern. Im Nekrolog verzeichnet die Diözese auch Monsignore Tarcisio Ferrari, den Staatssekretär des bergamaskischen Bischofs Clemente Gaddi von 1963 bis 1977. Mit 84 Jahren zählt er zu jener Altersgruppe, die am häufigsten betroffen ist.

Die Statistik kennt allerdings auch jüngere Semester. So Don Silvano aus der Gemeinde Orio, der nur 59 Jahre alt wurde, oder das letzte Opfer, Don Fausto, der mit 67 Jahren starb – ob „an“ dem Virus oder „mit“ dem Virus, bleibt oftmals unbeantwortet. Mittlerweile beträgt die Wartezeit für eine Kremation in Bergamo 15 Tage; auf eine Beerdigung in schlichtem Umfang muss manche Familie drei Wochen warten. Unter den mehr als 7 000 Corona-Toten Italiens finden sich mittlerweile 67 Priester. Sie stammen mehrheitlich aus den nördlichen Diözesen. Neben Bergamo sind es Mailand, Parma, Piacenza, Cremona, Brescia und Lodi, die am stärksten betroffen sind.

"Pastor der Jugendlichen" verstirbt mit nur 53 Jahren

Auch außerhalb der Lombardei und der Emilia-Romagna gibt es Tote zu beklagen: im Piemont, Ligurien, Trentino-Südtirol, Sardinien und Kampanien. Unter den Opfer finden sich Persönlichkeiten wie der 104-jährige Don Mario, der in Cremona bis zuletzt einer katholischen Sozialeinrichtung vorstand; Missionare wie Remo Rota, der 38 Jahre lang im Kongo wirkte; der eritreische Zisterziensermönch Kidane Berhane aus dem Kloster Chiaravalle della Colomba; oder die Zwillinge Don Mario und Don Giovanni, die nur wenige Tage auseinander verstarben. Don Paolo Camminati, der für die Zeitung „Avvenire“ schrieb und als „Pastor der Jugendlichen“ in Piacenza bekannt war, wurde nur 53 Jahre alt und gilt als das bisher jüngste Opfer. Dutzende Priester sollen zudem positiv getestet worden sein. Mit Derio Olivero liegt sogar ein Bischof im Krankenhaus. Der Zustand des Bischofs von Pinerolo gilt nach letzten Informationen als stabil.

DT/mga

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