Frankfurt

"In aller Freiheit das Evangelium kennenlernen"

Kirche in Not hat einen arabisch-deutschen Katechesebegleiter herausgegeben. Pater Christian W. Troll erklärt, wie er zur Evangelisation genutzt werden kann.

Erste Mosche in Athen
Viele Muslime suchen nach einer Religion der "Freiheit und Liebe". Das Christentum hat Antworten. Foto: dpa

Herr Professor Troll, Sie haben den deutschen Teil des zweisprachigen Katechesebegleiters von Kirche in Not übersetzt. Er soll arabisch-sprechenden Menschen den christlichen Glauben erklären. Was versprechen Sie sich von diesem Werk?

Ich hoffe, dass dieses einmalige Buch zunächst einmal von den Christen und christlichen Gemeinden im deutschsprachigen Raum benützt wird, die in der arabisch-sprechenden Welt beheimatet sind. Es gibt ja in den deutschsprachigen Ländern mittlerweile eine große Zahl von katholisch-orientalischen Gemeinden, deren Mitglieder aus dem arabisch-sprechenden Raum zu uns gekommen sind, zum Beispiel Kopten, Melkiten, Maroniten, Chaldäer. Das vorliegende Werk dürfte gerade wegen seiner Zweisprachigkeit für Gemeinden sowie für individuelle Leser dieser Kirchen von großem Interesse sein. Außerdem gibt es natürlich mittlerweile bei uns in Zentraleuropa eine beträchtliche Zahl von muslimischen Flüchtlingen aus der arabisch-sprechenden Welt, die daran interessiert sind, in aller Freiheit das Evangelium Jesu und die Lehren der Kirche aus erster Hand kennenzulernen. Eine nicht zu unterschätzende Zahl dieser Personen erhalten Glaubensunterricht in der katholischen Kirche. Dieser Unterricht verläuft zweisprachig. Dem dient das vorliegende Werk.

Kann der Katechesebegleiter auch von Nichtkatholiken genutzt werden?

Ja, das ist gut vorstellbar. Aufgrund seiner bibeltheologischen Ausrichtung dürfte das vorliegende Werk auch für nicht-katholische christliche kirchliche Gruppen von Interesse sein, die ja bekanntlich arabisch-sprechende Muslime in größerer Zahl in den christlichen Glauben einführen.

Der Islamwissenschaftler Christian W. Troll SJ
Der Islamwissenschaftler Christian W. Troll SJ gehört der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für den Interr... Foto: Sankt Georgen

Welche Fragen stellen Muslime in Bezug auf den christlichen Glauben?

Viele der Muslime, die uns begegnen, sprechen von ihrer Suche nach einer Religion der „Freiheit und Liebe“. Eine gründliche Einführung in den christlichen Glauben sollte dazu beitragen, diese beiden zunächst vagen und vieldeutigen Begriffe christlich zu präzisieren und zu konkretisieren. Auf der Ebene der Glaubenslehre geht es zunächst einmal vor allem um die Person und die Lehre Jesu von Nazareth. Ist Jesus, den die Muslime ja vom Koran her als den letzten großen Propheten vor Muhammad anerkennen, mehr als ein Prophet? Was meint das Neue Testament, wenn es Jesus als den Messias, den Sohn Gottes und den Erlöser bekennt? Wie hat das Bekenntnis der Jünger zu Jesus als dem Sohn Gottes ihr Gottesbild verändert? Wer ist der Heilige Geist und auf welche Weise versetzt das Geschenk des Heiligen Geistes den Christen in ein neues Leben, das von Jesus Christus und nicht vom Gesetz her bestimmt ist? Was bedeuten und bewirken die heiligen Sakramente, vor allem die heilige Taufe, Eucharistie und das Bußsakrament? Was lehrt Jesus und seine Kirche über Ehe und Familie? Welche Stellung hat die Frau im Neuen Testament und in der Kirche heute?

Welche Verständnishürden und Vorurteile muss man überwinden, wenn man Muslime mit dem Jesus des christlichen Glaubens bekannt machen möchte?

Zunächst einmal gilt es sicherzustellen, dass die Christen – und unter ihnen vor allem die Katecheten und Katechetinnen – ein korrektes Bild von den Muslimen haben und mit ihren jeweils recht verschiedenen Islamverständnissen vertraut sind. Unvoreingenommenheit, Offenheit und Differenzierung sind angesagt! Ein Muslim mag aus einem recht konservativen, die Scharia praktizierenden Elternhaus kommen, ein anderer aus einer laizistisch eingestellten Familie, in der der Islam als Religion und politisches System abgelehnt wird.

"Bekanntlich gilt für uns Christen
der Auftrag des Herrn,
seine Frohe Botschaft weltweit zu verkünden."
Pater Christian W. Troll SJ

Wie können die Katecheten mit diesen innerislamischen, aber auch den interreligiösen Differenzen umgehen?

In jedem Fall gilt es im Geist des Konzils darauf hinzuweisen, dass die katholische Kirche alles Wahre, Gute und Schöne, das sich im Leben der Muslime befindet, anerkennt und damit wesentliche Elemente der islamischen Glaubenslehre. In der Nachfolge Jesu erkennt der christliche Gläubige dann gewisse Irrtümer und Ambiguitäten der koranischen und damit der islamischen Lehre. Der Christ ist berufen, in der Nachfolge Jesu die wahre und restlose Hingabe an Gott – das ist „islam“ – zu leben. Dies ermöglicht ihm das neue Leben im Heiligen Geist. Es geht darum, im Licht und in der Kraft des Heiligen Geistes zu leben, nicht um äußeren Gesetzesgehorsam.

Steht die Einladung an Muslime, Jesus, Seine Frohe Botschaft und Seine Kirche kennenzulernen und sich taufen zu lassen, im Gegensatz zum ehrlichen Bemühen um den interreligiösen Dialog?

Nein. Sowohl die Muslime als auch die Christen wissen sich von ihrer jeweiligen heiligen Schrift her aufgerufen, die von Gott zugelassene Vielfalt der religiösen Optionen zu respektieren und im offenen Gespräch das gemeinsame Leben miteinander zu gestalten. Gleichzeitig wissen sich die Muslime aufgerufen, in ihrem Handeln und Sprechen Zeugen für die wahre Religion zu sein. Bekanntlich gilt für uns Christen der Auftrag des Herrn, seine Frohe Botschaft von der Auferstehung Christi und von dem Geschenk des neuen Lebens im Heiligen Geist weltweit zu verkünden und wo immer möglich Menschen zur Taufe und Mitgliedschaft in der Kirche einzuladen. Die Reife des jeweiligen Glaubenslebens zeigt sich darin, wie diese beiden Aufträge zusammen wahrgenommen werden. Beide dienen Gott und damit dem wahren Frieden.

Haben Sie im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des vorliegenden Werkes einen besonderen Wunsch?

Ja, ich würde mir wünschen, dass das arabische Original dieses Werkes möglichst bald in die persische Sprache übersetzt wird und dann zusammen mit der deutschen Version zweisprachig erscheinen kann. Es gibt eine große Zahl von persisch-sprechenden Muslimen, die sich für das Evangelium interessieren und die Leben und Lehre der katholischen Kirche gründlich kennenzulernen wünschen.


Informationen zum Buch

Ausgehend von jeweils einem zentralen Text des Evangeliums führt der Katechesebegleiter in 33 Kapiteln in die Glaubenslehre der katholischen Kirche ein. Der arabische Originaltext, verfasst von zwei maronitischen Theologen, ist direkt der deutschen Übersetzung von P. Christian W. Troll SJ gegenübergestellt. Im Anhang finden sich zudem die arabischen Texte der wichtigsten katholischen Gebete.

P. Michel Sakr/ Msgr. Antuan Assaf: Tariquna ila Allah. Unser Weg zu Gott.
Texte zur Unterweisung erwachsener Katechumenen. Kirche in Not, München 2019.