Würzburg

Im Blickpunkt: Überhitzter Dialog

In wenigen Wochen soll der Fahrplan für den "Synodalen Weg" stehen. Eine echte Debatte darüber scheint es bislang nicht zu geben. Und auch andernorts merkt man, dass Dialog kaum stattfindet.

Flashmob Maria 2.0
"Auf Augenhöhe in unserer Kirche": Demonstrantinnen der Aktion "Maria 2.0" Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Wem der Sommer 2019 nicht schon heiß genug war, darf getrost auf den nahenden Herbst warten. Jedenfalls wenn er der katholischen Kirche in Deutschland angehört. Dort wird die Stimmung derzeit immer hitziger. Einen traurigen Tiefpunkt erlebte die spannungsreiche Situation in der vergangenen Woche im Bistum Würzburg.

„Pfarrer wirft Frauen aus der Kirche“, so der einhellige Tenor in der medialen Berichterstattung. Mit weniger Schaum vor dem Mund hätte man die einseitige Schuldzuweisung an dieser Eskalation auch unterlassen können. Denn nach allen Berichten über die Vorfälle in der Pfarrkirche St. Godehard in Forst bei Schweinfurt zeichnet sich ab, dass dort nicht etwa ein Zelebrant missliebige Teilnehmer aus „seinem“ Gottesdienst geworfen hat. Pfarrer Andreas Heck hatte am Vorabend der Himmelfahrt Mariens einer Gruppe von „Maria 2.0“-Demonstrantinnen tatkräftig deutlich gemacht, dass die Heilige Messe nicht der angemessene Ort ihrer Kundgebung sei; zumal dann nicht, wenn es bereits zuvor Streit über eine Aktion der Frauen gegeben hatte, bei der es um die „Verkleidung“ einer Muttergottes-Statue ging. So stellt sich die Sicht aus der anderen Perspektive dar. Die Wahrheit in diesem überhitzten Streit der kleinen Forster Pfarrei dürfte, wie so oft, in der Mitte liegen.

Zum einseitigen Blick auf die Situation dürfte leider auch die Reaktion des Würzburger Generalvikars Thomas Keßler beigetragen haben. Man bedaure die Vorgänge, heißt es in der Stellungnahme, die der „Tagespost“ vorliegt. „In seiner emotionalen Erregung hat der Pfarrer unglücklich überreagiert.“ Wie glücklich und unaufgeregt die „Maria 2.0“-Aktion hingegen war, ließ Keßler allerdings offen. Er werde jedoch gern mithelfen, dass „das Gespräch in der Gemeinde untereinander und mit dem Pfarrer wieder gelingen kann“.

Diese Worte des Generalvikars deuten auf ein grundlegendes Problem der Kirche in Deutschland im Herbst 2019 hin. In kleinen Kreisen einzelner Pfarreien wie auf höchster Ebene im Gespräch der Bischöfe wird stets betont, wie wichtig es sei, „im Gespräch zu bleiben“. Ein echter Dialog findet dabei aber faktisch kaum noch statt.

Kaum Beachtung für abweichende Meinung

Dieses Problem wird sich in diesem Herbst noch weiter zuspitzen, wenn es immer weiter auf den „Synodalen Weg“ zugeht. Schon heute finden diejenigen, die Änderungen am Kurs vorschlagen, nur wenig Beachtung. Und selbst über die von der Mehrheitsmeinung getragene Arbeit an der Roadmap für diesen nächsten großen Gesprächsprozess erfährt man wenig.

In gerade einmal drei Wochen sollen nach den Vorstellungen der Initiatoren Themenkataloge und Arbeitsmodus für den „Synodalen Weg“ stehen. Über Letzteren herrschte bis zuletzt Uneinigkeit unter den Bischöfen. Und auch was die zu behandelnden Fragen angeht, dürften die bislang Beteiligten unterschiedlicher Auffassung sein. Für tiefere Debatten fehlt ihnen allerdings die Zeit. Der auf Wunsch des Zentralkomitees deutscher Katholiken eingerichtete Arbeitskreis zu „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ etwa wurde erst vor wenigen Tagen formal besetzt. Wie die achtzehnköpfige Gruppe bis Mitte September eine fundierte Debatte über dieses – was ZdK und andere nicht müde werden zu betonen – so zentrale Thema für die Kirche führen und anschließend ein umfassendes wie ausgewogenes Arbeitspapier präsentieren soll, ist kaum vorstellbar. Man darf vermuten, dass in diesem wie in den übrigen Foren mehr aufgewärmt als ausgehandelt wird. Wenn die Straßenkarte auf diese Weise vorgezeichnet wird, weist der „Synodale Weg“ schon jetzt in eine strittige Richtung.

Abkühlung täte in dieser Gesamtlage derzeit dringend Not. Diese kann aber nur von denjenigen ausgehen, die jetzt so forsch in Richtung Reform vorpreschen. Sie haben es in der Hand, ihre Forderungen einer tatsächlichen Debatte zu stellen – und ihre Demonstrationen vor der Kirchentür zu lassen.