Trier

Im Blickpunkt: Streiten um Zahlen

Im Bistum Trier soll es bald die ersten "Pfarreien der Zukunft" geben. Doch es stehen immer mehr Fragen rund um die Trierer Strukturreform im Raum.

Gottesdienst im Dom in Trier
Die Diözese Trier möchte mit den „Pfarreien der Zukunft“ neue Leitungsmodelle ausprobieren. Foto: Harald Tittel (dpa)

Die Spannung steigt, was das neue Jahr für das Bistum Trier bringen wird. Am 1. Januar 2020, so der aktuelle Plan, will Bischof Stephan Ackermann dort die ersten 15 der 35 geplanten „Pfarreien der Zukunft“ kanonisch errichten. Dass es tatsächlich so kommen wird, ist zwar wahrscheinlich. Darüber hinaus jedoch stehen kurz vor ihrem Beginn immer mehr Fragen rund um die Trierer Strukturreform im Raum.

Über diese wird – obwohl sie ein Ergebnis der Trierer Bistumssynode (2013-2016) und damit bereits umfangreich diskutiert ist – von Beginn an heftig gestritten. Besonders unter bislang ehrenamtlich tätige Laien regt sich der Widerstand; bis hin zu Warnungen, nach der Reform würden Zehntausende ihr Engagement einstellen. Mit dem Bistum Trier darf man sich fragen, ob diese Prognose nicht etwas defätistisch ist. Aufgestellt hatten sie die Gegner der Strukturreform, namentlich die Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“, auf Basis einer eigens beauftragten Umfrage unter 500 Katholiken. Diese hatten mehrheitlich deutliche Kritik an der Reform geübt und für eine Aussetzung votiert.

Umfragen: Nur gut ein Drittel für "Pfarreien der Zukunft"

In einer Reaktion wies Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg zwar darauf hin, dass die Umfrage statistisch ein „schmales Bild“ zeichne und zudem mit tendenziösen Fragestellungen gearbeitet habe. Die im August von der Diözese veröffentlichten Ergebnisse eigener Befragungen hatten allerdings kein wesentlich anderes Bild ergeben. Unter den Mitgliedern unterschiedlicher kirchlicher Gremien hatte sich nur gut ein Drittel für die „Pfarreien der Zukunft“ ausgesprochen, etwas mehr sahen die Pläne negativ.

Dennoch taugen diese Zahlen bei näherem Hinsehen nicht, um den Druck aufrecht zu erhalten, der von den Reformgegnern derzeit aufgebaut wird. Fast 40 Prozent der von „Kirchengemeinde vor Ort“ Befragten gab etwa an, bislang gar nichts von den Debatten um die „Pfarreien der Zukunft“ mitbekommen zu haben. Auch das Argument, die Kirche würde sich mit der Auflösung der bislang fast 900 kleinen Pfarreien im Bistum aus der Fläche verabschieden, überzeugt nicht. Die weitaus meisten dieser historisch gewachsenen Ortsgemeinden sind schließlich schon heute ohne eigenen Pfarrer in Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst.

Ohne Priester stirbt das sakramentale Leben der Kirche

Gleichwohl können solche Rechenspiele nicht als reine Erpressungstaktik abgetan werden. In Trier wie andernorts tut sich die Kirche noch immer sehr schwer damit, Präsenz vor Ort mit einer effektiven Verwaltung an zentralen Orten zu verbinden. Der immer wieder – nun auch von Generalvikar Graf von Plettenberg – zu hörende Hinweis, man dürfe sich nicht zu sehr auf die Person des Priesters konzentrieren, ist dabei wenig hilfreich. Ohne Priester stirbt das sakramentale Leben der Kirche, egal, wie sie territorial organisiert ist.

Befürworter wie Gegner von Großpfarreien scheinen vor diesem Hintergrund bislang ausgerechnet eine dritte Gruppe sehr zu vernachlässigen: die Indifferenten. Je nach Zahlenwerk hat mindestens jeder dritte Trierer Katholik zumindest keine elaborierte Meinung zur Zukunft der Pfarreien in der Diözese, viele überhaupt keinen Bezug zum Thema. Angesichts einer mehrjährigen Diözesansynode und monatelangem Streit um die daraus gezogenen Konsequenzen ein bemerkenswerter Befund.

Pfarrer soll künftig in einem Team agieren

Die Diözese Trier möchte mit den „Pfarreien der Zukunft“ neue Leitungsmodelle ausprobieren. Der Pfarrer soll künftig in einem Team agieren, dem auch Laien, mit Entscheidungsbefugnissen etwa bei den Finanzen, angehören. Dieses Experiment wird man auch weit über die Kirche von Trier hinaus beachten. Ob es der Kirche jedoch hilft, hängt vor allem von der Frage ab, ob die Gemeinden – wie immer sie aussehen mögen – auch diejenigen erreichen, die der Kirche bislang die kalte Schulter zeigen. Der Evangelisierung wird der Streit zwischen Bistum und Reformgegnern allerdings nicht zuträglich sein.