Würzburg

Im Blickpunkt: Kirche Gottes oder Politikagentur?

Der Rücktritt von Sachsens Landesbischof Rentzing zeigt: Ein leitendes Amt darf in der Kirche anscheinend nur antreten, wer bereit ist, eine rotgrüne Confessio abzulegen.

Landesbischof Carsten Rentzing legt Amt nieder
Rentzing wurde zum Verhängnis, Mitglied der „Alten Prager Landsmannschaft Hercynia“ zu sein, und einen Vortrag in der „Bibliothek des Konservatismus“ gehalten zu haben. Foto: Sebastian Kahnert (ZB)

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing ist zurückgetreten, nachdem vier evangelische Pfarrer aus Leipzig eine Petition gegen ihn formuliert und dafür online etwa 800 Unterschriften gesammelt hatten. Sie werfen Rentzing vor, Mitglied der „Alten Prager Landsmannschaft Hercynia“ zu sein, und einen Vortrag in der „Bibliothek des Konservatismus“ gehalten zu haben. Ein williger Journalist grub ein paar Äußerungen des Bischofs aus, die dieser vor etwa 30 Jahren als junger Mann getätigt hat. Erstens ist es unseriös, Zitate aus dem Zeitkontext zu lösen, und zweitens hat auch jeder das Recht, sich zu ändern.

Nähme man die Petition ernst, müsste Paulus als Apostel zurücktreten. Drittens ist es nicht verboten, einer Landsmannschaft anzugehören, wie es auch nicht untersagt ist, Mitglied der Grünen zu sein. Die Rücktrittsforderung unter anderem damit zu begründen, dass der Bischof einen Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus hielt, ist in politischer wie in theologischer Hinsicht niederschmetternd, denn zum einen entlarvt dies eine mangelnde demokratische Haltung der Petenten und zum anderen würden diese Maßstäbe die Frage aufwerfen, wo Jesus Christus, wo Petrus und wo Paulus nach dem Willen der Petenten hätten predigen dürfen und wo nicht. Gehört es nicht zu den Aufgaben des Christen, allen Menschen das Evangelium zu bringen?

Das eigentliche Problem liegt in der Umwandlung der Kirche Jesu Christi in eine politische Vorfeldorganisation. Ein leitendes Amt darf in der Kirche anscheinend nur antreten, wer bereit ist, eine rotgrüne Confessio abzulegen. So kann man es zumindest im „Kulturmagazin der evangelischen Kirche“ „zeitzeichen“, das unter anderem von Heinrich Bedford-Strohm mitherausgegeben wird, nachlesen. Der Chefredakteur Reinhard Mawick schreibt dort in dankenswerter Offenheit: „Carsten Rentzing, Jahrgang 1967 und bis vor kurzem der jüngste Leitende Geistliche der EKD, äußerte sich in seinem Amt überhaupt nicht politisch. Damit war er in der Tat aus der Zeit gefallen, denn zur Praxis Leitender Geistlicher in der EKD gehört es eben heute, dass sie sich regelmäßig politisch äußern und dies in der Regel eindeutig im links-liberalen Spektrum.“ Mawick will eine Gespaltenheit der sächsischen Landeskirche ausmachen, wo keine ist. Es entsteht der Eindruck, als sollten die renitenten sächsischen Christen zur rotgrünen Räson gerufen werden. Wenn der Chefredakteur von zeitzeichen resümiert: „Fast könnte man den Eindruck gewinnen, die Kontrahenten stünden sich hier und heute so scharf gegenüber, wie 1934 die Bekennende Kirche gegenüber den Deutschen Christen“, dann kann er mit den Bekennern nicht die Leipziger Petenten meinen, denn Dietrich Bonhoeffer kann von ihnen theologisch nicht vereinnahmt werden, da er nun mal ein konservativer Theologe war. Was bleibt evangelischen Christen übrig? Austreten? Widerstehen? Um diese Frage zu beantworten, hilft es, sich zwei fundamentale Sätze ins Bewusstsein zu rufen. Die Kirche ist nach dem Glaubensbekenntnis die „Gemeinschaft der Heiligen“, also die Gesamtheit aller Glieder. Sie wurde von Christus gestiftet, ist also Christi Kirche, und nicht die Kirche des Rates der EKD. Luthers Re-Formation wurde von dem Willen angetrieben, in einer Zeit, in der im Machtkampf und im politischen Engagement der Kirchenfürsten der Glauben verloren ging, zum Glauben zurückzukehren. Die Erneuerung der Kirche kann nur aus den Gemeinden heraus erfolgen. Alle jenen, die der Kirche den Rücken kehren wollen, möchte ich sagen: Bleibt! Aber nicht, um zu dulden, sondern um zu ändern, um sich als kritische Christen zu versammeln – im Sinne einer Bekennenden Kirche, die das Bekenntnis zu Gottes Wort in den Mittelpunkt stellt.

Der Autor ist Publizist und evangelischer Christ.