Würzburg

Im Blickpunkt: Des Teufels Lakai

Kaum etwas könnte dem Teufel, dem Vater der Lüge, gelegener kommen, als wenn er geleugnet wird. Jesuitengeneral Arturo Sosa Abascal macht sich damit zu seinem Gehilfen.

Antwerp - Fresco of Temptation of Jesus in Joriskerk or st. George church
ANTWERP, BELGIUM - SEPTEMBER 5: Fresco of Temptation of Jesus in Joriskerk or st. George church from 19. cent. on September 5, 2013 in Antwerp, Belgium Foto: Renáta Sedmáková/stock.adobe.com

Mindestens fünfzehn Mal, so haben aufmerksame Vatikanbeobachter in diesen Tagen gezählt, hat Papst Franziskus im Lauf seines Pontifikats öffentlich vor dem Wirken des Teufels gewarnt. Dieser demonstrative Fingerzeig liegt durchaus in der Logik der Vision einer Kirche der Armen und Ausgegrenzten. Der Papst legt den Finger in die Wunde einer Verkündigung, die sich scheut, die Lehre der Kirche über das personale Böse offen beim Namen zu nennen oder die Existenz des Teufels offen leugnet – und den Gläubigen damit schadet. Denn die weltweit steigende Zahl der Getauften, die sich hilfesuchend an Exorzisten wendet, ist ein Faktum.

"Was könnte dem Vater der Lüge gelegener kommen
als die Leugnung seiner Existenz durch einen Amtsträger?"
Regina Einig

Weder verlegenes Wegsehen noch der mitunter hämisch getönte Tipp, statt einer vermeintlichen Schmuddelecke der Seelsorge doch besser gleich einen Psychiater aufzusuchen, können die Wahrheit ersetzen. Insofern hat sich der General der Jesuiten in Rimini als Lakai des Teufels präsentiert, als er die Existenz des Teufels nur als Symbol für das Böse in der Welt verstanden wissen wollte. Schrift und Tradition der Kirche warnen mit Nachdruck vor der Hinterlist des Satans. Was könnte dem Vater der Lüge gelegener kommen als die Leugnung seiner Existenz durch einen Amtsträger? Ob Papst Franziskus seinen Ordensgeneral zurechtweist oder die Sache auf sich beruhen lässt, wird jedenfalls nicht folgenlos bleiben.

Nicht minder aufschlussreich ist das Verhalten der Bischöfe. In einem durchaus bürgerlich geprägten Umfeld nonchalant die Existenz des Teufels zu leugnen, wie es der Jesuitengeneral in Rimini tat, wirkt provozierend. Auch wenn der gebürtige Venezolaner nie zu den Fachtheologen seines Ordens gehörte, stellt sich dennoch die Frage nach seinem seelsorglichen Feingefühl und seiner Klugheit gegenüber den Gläubigen. Gerade in Lateinamerika ist der Exodus der Katholiken zu Pfingstkirchen, Sekten und Naturreligionen nicht denkbar ohne das Wirken des Teufels.

Steht der Jesuitengeneral auf der Seite der Armen?

Extreme Not und Verzweiflung erweisen sich als Türöffner für Seelenfänger, die leidgeprüften Menschen simple Weltbilder verkaufen. Wer den Teufel leugnet, verdrängt die Realität und macht sich auch einer Art Täuschung schuldig. In der Logik der Kirche der Armen sind die Geistlichen vielmehr verpflichtet, gerade den einfachen Gläubigen den Sieg Christi über das Böse zu verkünden und ihnen die Angst vor Magie sowie dubiosen Kulten und Riten nehmen, mit denen Schamanen und Sekten Notleidende furchtsam und gefügig machen wollen – und nicht selten um ihre letzten Habseligkeiten bringen.

Vielleicht hat sich der mitunter in teure Markenhemden gewandete Jesuitengeneral allzu weit von den einfachen Gläubigen entfernt, um noch glaubwürdig das Gesicht einer Kirche der Armen abzubilden. Möglicherweise liegt er damit ganz auf der Linie zahlreicher Bischöfe, deren Schweigen zu den unglücklichen Äußerungen Pater Sosas in diesen Tagen besonders auffällt. Dass sich lediglich die Internationale Exorzistenverband zu einer öffentlichen Korrektur ermannte, mag nicht nur der Trägheit des Episkopats, sondern auch der findigen Öffentlichkeitsarbeit der Jesuiten geschuldet sein.

Als der Ordensgeneral 2017 mit lehramtswidrigen Äußerungen über die Existenz des Teufels in den Medien zitiert wurde, stellte sich der Orden schützend vor ihn: Alles im dogmatisch grünen Bereich, lautete damals die Botschaft. Den Schwarze Peter bekamen die Journalisten für ihre angeblich aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate. Inzwischen liegen die Dinge anders. Den Verdacht der Häresie wird der Jesuitengeneral kaum noch aus der Welt schaffen können, seinen Affront gegen den Papst übrigens auch nicht.