Vatikanstadt

Im Blickpunkt: Der Pontifex und das Geheimnis des Bösen

Papst Franziskus feiert sein goldenes Priesterjubiläum. Und auch sonst steht diese Woche für den Papst im Zeichen des priesterlichen Wirkens.

Priesterjubiläum von Papst Franziskus
Feierte in dieser Woche sein goldenes Priesterjubiläum: Papst Franziskus Foto: Andrew Medichini (AP)

Diese Woche, die für Franziskus mit seinem goldenen Priesterjubiläum einen kleinen Höhepunkt hat, steht für den Papst auch in anderer Hinsicht im Zeichen des priesterlichen Wirkens. Am Montag hat er die angehenden Kleriker des Priesterseminars von Bologna empfangen und von „vier Nähen“ gesprochen, die den Weltpriester auszeichnen müssen: die Nähe zu Gott im Gebet, womit man schon im Seminar beginnen müsse. Dann die Nähe zum Bischof, weil der Priester ohne Bischof zwar ein „leader“ sein könne, aber kein Priester. Zudem die Nähe zu den anderen Priestern. Es schmerze ihn, fügte Franziskus an, wenn er sehe, wie ein Presbyterium gespalten sei und der eine über andere schlecht rede.

"Wo es Klerikalismus ist, gibt es
Korruption, und wo Starrheit ist,
das sind schwere Probleme"
Papst Franziskus

Und schließlich die Nähe zum Volk Gottes: Man sei nicht vom Herrn erwählt worden, um eine kirchliche Karriere zu machen, sagte der Papst. Und wenn eine dieser „vier Nähen“ fehle, funktioniere der Priester nicht, er rutsche „in die Perversion des Klerikalismus oder in die Haltung der Starrheit. Wo es Klerikalismus ist, gibt es Korruption, und wo Starrheit ist, das sind schwere Probleme.“ In einer Zeit, in der die Sünden im Klerus, vor allem der Missbrauch Schutzbefohlener, die Kirche in den westlichen Gesellschaften vor eine ungeheure Belastungsprobe stellen – in Deutschland waren sie der Auslöser des „Synodalen Wegs“ –, rückt der Papst in seinen Ansprachen vor Priestern und Seminaristen immer wieder die Ausbildung und Formung der Diener Gottes in den Mittelpunkt. Nicht den Zölibat, auch nicht die Frauenweihe oder die – wie es heute heißt – männerbündischen Gemeinschaften des Klerus.

Die Machtfrage ist für ihn eng mit der Gefahr des Klerikalismus verbunden, der im eigenen Stand keinen Dienst, sondern ein Podest für die Ausübung von geistlicher – oder auch sexueller – Macht versteht. Im Grunde fordert Franziskus von den geweihten Männern (und Frauen) das Streben nach Heiligkeit ein. Und Heiligkeit ist kein bequemer Schuh, den man sich einmal anzieht, sondern ein steiniger Weg, den man einüben muss – und für den es einen Lehrer braucht. Es ist darum kein Zufall, dass der Papst am 13. Dezember, an dem Tag, an dem er vor fünfzig Jahren die Priesterweihe empfing, in der Aula der Jesuitenkurie unweit des Vatikans die gesammelten Schriften seines eigenen geistlichen Leiters vorstellt, des Jesuiten Miguel Ángel Fiorito, des Spirituals am Jesuitenkolleg San José von San Miguel bei Buenos Aires, den die jungen Jesuiten Argentiniens und Uruguays, wie Franziskus im Vorwort der Veröffentlichung schreibt, „Meister Fiorito“ nannten. Er war auch der Lehrer des jungen Jorge Mario Bergoglio.

Den bösen Geist wittern und enttarnen

Und noch bevor dieser später seine Prägung durch die Vordenker der „Theologie des Volkes“ erhalten sollte, führte ihn Fiorito in das innere Leben ein. Fiorito, schreibt Franziskus, habe ein feines Gespür dafür gehabt, „den bösen Geist zu wittern und ihn zu enttarnen“. Für ihn, Fiorito, habe es nur einen Feind gegeben, „den Teufel, den Versucher, den Ankläger, den Feind unserer menschlichen Natur“, wie ihn der Papst in dem Vorwort nennt.

Der Teufel hat gesiegt, wenn man nicht mehr von ihm spricht. War bisher von diesem Feind Gottes und wahrer Heiligkeit beim Anlauf zum „Synodalen Weg“ irgendetwas zu hören?

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