Herolde im Visier

Eine brasilianische geistliche Gemeinschaft widersetzt sich dem Vatikan.

Herolde des Evangeliums
Die Herolde des Evangeliums ziehen besonders junge Gläubige in Brasilien an. Foto: Herolde des Evangeliums

Charakteristisch treten die Herolde in ritterlicher Tunika und Stiefeln auf. Militärischer Stil und ein Hang zur Repräsentation ließen schon länger Spekulationen in konservativen Kreisen ins Kraut schießen, ob nach den Franziskanern der Immakulata auch die aus Brasilien stammende Bewegung „Herolde des Evangeliums“ einer kommissarischen Leitung unterstellt würde.

Die Gemeinschaft lehnte nun die Einsetzung des am 29. September eingesetzten früheren Erzbischofs von Aparecida, Kardinal Raymundo Damasceno Assis, als kommissarischen Leiter aufgrund „fundamentaler Formfehler“ ab. So sehe sich die Gemeinschaft, anders als im Vatikan-Dekret beschrieben, als „private Vereinigung von Gläubigen“. Eine solche sei rechtlich unterschiedlich zu beurteilen. Darum sei das Dekret aus Rom ungültig.

Die aus einer Abspaltung von der brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) hervorgegangene Gemeinschaft sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Dem Gründer Joao Scognamiglio Clá Dias (80) wird sexueller Missbrauch von jungen Frauen des weiblichen Zweiges in mehreren Fällen vorgeworfen. Zudem sind verbotene Videoaufzeichnungen von Exorzismen veröffentlicht worden. Anlass für eine apostolische Visitation 2017 waren weiterhin der Leitungsstil, die Anwerbung und Ausbildung neuer Mitglieder sowie finanzielle Unregelmäßigkeiten. Mittlerweile interessieren sich auch die brasilianischen Behörden für die Vorgänge.

Clá Dias stammte, wie viele seiner Anhänger, ursprünglich aus der brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP), einer katholischen Organisation, die sich vor allem dem antikommunistischen Kampf verschrieben hat. Zwei Jahre nach dem Tod des Gründers Plinio Correa de Oliveira wollte Clá, damals noch Laie, die Organisation in einen religiösen Orden umwandeln. Nachdem dieser Versuch scheiterte, verließ er die Organisation und gründete mit Getreuen 2001 die „Herolde des Evangeliums“, die als Internationale Vereinigung päpstlichen Rechts anerkannt wurde.

Anders als TFP gehören mit der Priestergemeinschaft Virgo Flos Carmeli auch Kleriker den Herolden an. Vier Jahre nach der Gründung wurden 15 Mitglieder zu Priestern geweiht, unter ihnen auch Clá Dias. Heute gehören 150 Priester zu den Herolden, wie der brasilianische Journalist Renato Murta De Vasconcelos schätzt. Der Gründer  Clá Dias  ist Ehrenkanonikus von Santa Maria Maggiore und Apostolischer Protonotar. Daneben gründete er auch einen weiblichen Zweig, die Vereinigung Regina Virginum. Sie haben inzwischen Mitglieder in mehr als 50 Ländern und ihre Zahl erreicht etwa 4 000 Gläubige.

Bis 2017 war Clá Dias Direktor der Herolde, wurde damals jedoch abgelöst, nachdem er des Missbrauchs eines Exorzismus beschuldigt wurde, den er ohne Erlaubnis des Bischofs durchführte. Daneben wurde ein Video eines Ordenskapitels bekannt, in dem ein Priester von einem Exorzismus berichtet, in dem der Name von Papst Franziskus, Jorge Bergoglio, fällt. Der damalige Obere Clá Dias, der sichtlich unter den Folgen eines Schlaganfalls leidet, sitzt mit im Raum. Der Priester berichtet: „Während des Exorzismus wurde der Dämon befragt, ob und wann Bergoglio sterben würde.“ Der Dämon soll geantwortet haben: „Das kann ich nicht sagen, aber es wird ein schrecklicher Tod sein.“ Abschließend wurden drei Flüche ausgesprochen, um den Tod des Papstes zu beschleunigen.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller blickt nach einem Besuch im Mai differenziert auf die Gemeinschaft und mahnt trotz der Vorwürfe, die Charismen der Gemeinschaft zu respektieren. Kardinal Müller berichtet der „Tagespost“, dass die jungen Leute auf ihn einen gesunden Eindruck machten. „Interna kenne ich nicht und man muss auch nicht den äußern Stil mögen, aber die Verschiedenheit der Charismen respektieren. Das Kriterium ist, ob dies der Kirche dient zum Aufbau des Leibes Christi und nicht, ob das nach dem Geschmack der Ordenskongregation in Rom ist. Die kirchlichen Oberen sind die Diener der Kirche im Namen Christi und nicht Herren, die die Kirche nach ihren Privatideen umgestalten dürfen, ohne Rücksicht auf ihre Untergebenen, deren Brüder sie sind.“ Kritisch merkt der Kardinal an, dass „niemand so autoritär ist wie die sich selbst lobenden Liberalen.“