Hamburg

Hamburg hofft auf Spender

Die Zukunft der katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg ist weiter ungewiss. Zuletzt verzeichneten die Verantwortlichen mehrere Rückschläge. Widerstand für die Pläne regt sich etwa unter den Eltern.

Einschulung in Bardowick
Lohnt es sich noch, Kinder in Hamburgs katholischen Schulen zu schicken? Die Auffassungen darüber gehen auseinander. Foto: dpa

Gut eineinhalb Jahre nachdem der Hamburger Erzbischof Stefan Heße die Schließung von acht katholischen Schulen, die auf eine teils mehr als einhundertjährige Tradition zurückblicken, entschieden hatte, hoffen zwei dieser Schulen weiterhin auf ein Weiterbestehen. Mitte August machten sich alle Grundschulklassen der St. Sophienschule in Barmbek mit ihren Lehrern und zwanzig Eltern auf den Weg zu einer „Solidaritäts-Wallfahrt“ zum St. Mariendom, um beim Erzbistum für den Erhalt zu werben. Am kommenden Montag hat sich Erzbischof Heße in der Sophienschule angesagt. Pfarrer Thomas Krauth OP, Lehrer und Schüler hoffen gleichermaßen auf gute Nachrichten.

In den letzten Wochen mussten die Verantwortlichen in Schule und Gemeinde indes herbe Rückschläge verkraften. Der Plan, die bisherige Grundschule um einen Stadtteilschulzweig zu erweitern, ist endgültig vom Tisch, wie das Bistum mitteilen ließ. Die neue Stadtteilschule hätte auch Schüler aus zwei nahegelegenen katholischen Stadtteilschulen aufnehmen können, deren Schließung bereits feststeht. Doch die dafür erforderlichen 25 Millionen Euro für einen kompletten Neubau konnte das überschuldete Bistum nicht aufbringen.

So versucht das Bistum nur die derzeitige Solidaritäts- und Spendenaktion zu unterstützen und externe Kooperationspartner zu finden. Für den Neubau der Sophien-Grundschule sind einschließlich Kindergarten, Vorschule und Turnhalle 18,5 Millionen Euro veranschlagt. Für die zweite Schule in Harburg, deren Schließung noch nicht endgültig entschieden ist, wäre ein Betrag von 20 Millionen Euro notwendig, um sie zu renovieren beziehungsweise zu erhalten.

Kritik am fehlenden Profil

Doch schon jetzt scheint absehbar, dass die Kosten von zusammen mehr als 40 Millionen Euro für die beiden Schulen nicht aufgebracht werden können. Zwar hat eine Hamburger Familie für die Sophienschule mittlerweile eine Spende in Höhe eines mittleren einstelligen Millionenbetrages in Aussicht gestellt, doch der allgemeine Spendenaufruf stößt bei den Schulen oder Gemeinden auf wenig Interesse. Zwei Millionen Euro sollen allein in der St. Sophiengemeinde und der benachbarten Schule erzielt werden. Doch wie eine Kurzumfrage der „Tagespost“ unter Gottesdienstbesuchern ergab, ist die Spendenbereitschaft gering: „Für diese Schule gebe ich keinen Cent“, hieß es öfters. Den Lehrern der Sophienschule wird insbesondere vorgeworfen, dass sie in der Vergangenheit nur wenig Interesse daran erkennen ließen, der Schule ein deutliches katholisches Profil zu geben und den katholischen Glauben zu vermitteln.

Die Gesamtvertretung der Elternschaft aller katholischen Schulen begrüßte zwar die Bemühungen des Bistums, forderte auch weiterhin den Erhalt aller acht Schulen, hält sich aber mit eigenen Spenden und konkreten Initiativen zur Geldbeschaffung zurück. In einer geradezu typischen Haltung von Gremienleuten sehen sich die Elternvertreter offenbar in einer rein fordernden und konsumierenden Position. Auch die in Aussicht stehende Erhöhung des Schulgeldes stößt auf wenig Gegenliebe bei den Eltern der gut 8.000 Schüler an katholischen Schulen in Hamburg. Mit der wohl geplanten Erhöhung würde das monatliche Schulgeld, das nach Einkommen gestaffelt ist und bislang nur 10 Euro für Geringverdiener und durchschnittlich 53 Euro pro Monat beträgt, auf jeweils etwa den doppelten Betrag steigen.

Vielen Eltern erscheinen solche Beträge zu hoch, obwohl die katholischen Schulen damit immer noch am unteren Ende der Skala der Privatschulen rangieren würden. Die Erhöhung des Schulgeldes scheint indes unumgänglich, um eine Deckung der weiterhin defizitären laufenden Kosten zu erreichen, die von der Hansestadt Hamburg nur zu etwa 70 bis 80 Prozent bezuschusst werden. Das von Elternvertretern und der „Initiative 21“ formulierte Motto, dass die Schulen keinen Abbruch, sondern einen Aufbruch benötigen würden, richtet sich bisher relativ einseitig an das Bistum. Unter den beteiligten gut tausend Lehrkräften und achttausend Elternpaaren ist eine Haltung verbreitet, die kaum mehr einen Unterschied zwischen den vom Staat finanzierten Schulen und einer Privatschule erkennen lässt.

Keine Spur von Elan und Entsagung der Gründungszeit

Eine solche Haltung wäre in der Gründungszeit der katholischen Schulen vor mehr als 100 Jahren völlig undenkbar gewesen. Die damalige katholische Aufbaugeneration, die nur ein Prozent der Hamburger Stadtbevölkerung ausmachte, ging mit völlig anderem Elan und großer Spendenbereitschaft an die Gründung der Schulen. In einer Zeit, wo noch fast 90 Prozent der Hamburger lutherisch waren (heute 25 Prozent), praktizierten die meisten Eltern der Schüler den katholischen Glauben. Auch Lehrer schreckten nicht davor zurück, für ein Mini-Gehalt zu arbeiten. Heute aber scheint beispielsweise die freiwillige Kürzung der Gehälter und Pensionen der beamteten Lehrerschaft außerhalb jeder Diskussion. Sie würde den prognostizierten Anstieg der Schuldenlast des Erzbistums erheblich vermindern.

Was die Schließungsbeschlüsse der Schulen und eine unprofessionelle publizistische Vermittlung inzwischen ausgelöst haben, lässt sich an der kirchlichen Statistik des Jahres 2018 ablesen. Im letzten Jahr verließen 7.000 Kirchenmitglieder und damit eine Rekordzahl das katholische Kirchenschiff. Somit sank die Gesamtzahl aller Katholiken im Erzbistum wieder auf unter 400.000 Getaufte. Die gespendeten Sakramente waren in allen Feldern rückläufig ebenso wie die Zahl der Erwachsenentaufen (81), der „Eintritte“ (71) und der Wiederaufnahmen (198). Somit konnten zusammen nur gut 400 Jugendliche oder Erwachsene neu für den katholischen Glauben gewonnen werden. Steuert das Erzbistum nicht um und beginnt mit einer effektiven Evangelisation im Sinne des Missionsauftrages Jesu, dann wird wohl die von einer Studie prognostizierte Halbierung der Zahl der Katholiken bis zum Jahr 2060 traurige Wirklichkeit werden.