Würzburg

Gottes Geist und Pfarrers Bizeps

Immer mehr katholische und evangelische Geistliche entdecken Kraftsport als Weg zur Evangelisierung. Ihr Motto: "Eat clean, be fit and pray well".

Neuevangelisierung in der Muckibude
Das Fitnessstudio schließt sich nicht als Feld der Neuevangelisierung aus. Priester in den USA und Skandinavien erfahren den Kraftraum als Raum für offenes Glaubensgespräch und religiöse Erfahrung. Foto: Tyler Olson (175311414)

Manchmal vollzieht sich Neuevangelisierung auf ungewöhnlichen Wegen. In einer vernetzten Welt spielen dabei die sozialen Netzwerke eine bedeutende Rolle. Was der Kommerzialisierung nutzt – Stichwort „Virales Marketing“ –, kann auch etwa zur Verbreitung des Glaubens eingesetzt werden. Seit Jahren wird auf Facebook-Seiten, in Blogs und sonstigen Medien katholisches Gedankengut vermittelt. Nun werden diese Möglichkeiten mit einem anderen Trend, genauer mit dem Trendsport „Crossfit“, verbunden. Beim Crossfit werden zehn verschiedene Fitnessdisziplinen miteinander verknüpft.

Zwischen Kraftraum und Evangelium

Zurzeit findet der 35-jährige Pastor der schwedischen Kirche Oskar Arngaarden auf Instagram „virale“ Verbreitung: Ihm folgen mehr als 65 000 Menschen auf der Internetplattform. Auf instagram.com/crossfitpriest/ postet er sowohl Bilder einer Taufe oder einer Trauung als auch Aufnahmen des überaus harten „Crossfit“-Trainings. Bilder in tadellosem Priesterkragen wechseln sich etwa mit Gewichtheben-Übungen ab – kein Wunder, dass die österreichische Internetnachrichtenplattform titelte: „Oskar Arngaarden: Beten & Pumpen: Das ist Gottes stärkster Bizeps.“

Die Arbeit im Kraftraum, sich körperlich abzumühen und Lasten zu heben, lässt Arngaarden an die Worte Jesu im Evangelium denken. So schreibt er in einem Posting: „Jesus sagt: ,Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben‘. Er sagt nicht: ,Lasst die Lasten dort und wenn alles geregelt ist, könnt ihr zu mir kommen‘.“

"Jesus weicht nicht zurück, sondern er
lädt uns ein, mit all den Strapazen,
die wir tragen, zu ihm zu kommen"
Pastor Oskar Arngaarden

Arngaardens Auftreten ist keine Selbstdarstellung, sein Abmühen im Crossfit kein Selbstzweck, obgleich er allem Anschein nach darin große Freude findet. Die Aufmerksamkeit, die er in den sozialen Netzwerken genießt, versteht er als einen Weg zur Evangelisierung: „Jesus weicht nicht zurück, sondern er lädt uns ein, mit all den Strapazen, die wir tragen, zu ihm zu kommen. Das Licht, das Jesus ist, ist ein Licht, das in alles hinein und überall scheinen kann.“ In Oskar Arngaardens Einträgen stehen sowohl Crossfit-Übungen als auch solche, in denen er erklärt, wie seine Beziehung zu Gott „auf dem Gebet basiert, weshalb ich sie als Gnade, Vergebung und Hilfe schätze“.

Auch katholische Priester haben sich dem neuen Crossfit-Trend angeschlossen. Sie folgen dem Aufruf des Heiligen Vaters zum Einsatz des Sports als Weg zur Evangelisierung. Am 1. Juni 2018 schrieb Papst Franziskus in einer Botschaft an den Präfekten des vatikanischen Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben, das Franziskus selbst im Jahre 2016 eingerichtet hatte: „Der Sport kann den Weg zu Christus an den Orten oder in der Umgebung erschließen, wo es aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist, ihn unmittelbar zu verkünden. Mit ihrem Zeugnis der Freude, mit der Sportausübung in der Gemeinschaft, können Menschen Botschafter der Frohen Botschaft sein.“

Crossfit für Leib, Geist und Seele

Die Chance, gerade durch den Crossfit-Sport einer immer weiter von Gott entfernten Jugend zu begegnen und dadurch auch einen Weg zur Evangelisierung zu eröffnen, haben inzwischen mehrere katholische Priester ergriffen, die zu „Instagramers“ geworden sind, um ihre Erfahrungen über die Auswirkungen des Crossfits auf Leib, Geist und Seele mitzuteilen.

So etwa Stephen Gadberry, ein junger Priester aus Little Rock, der die Crossfit-Trainerlizenz erworben hat. Landesweit bekannt wurde er, nachdem er am „Ninja Warrior Fernsehwettbewerb“ teilnahm. „Ich nahm daran teil, weil der TV-Wettbewerb eine Art Hindernislauf ist, wie das Leben selbst. Wenn wir Hindernissen begegnen, können wir aufgeben oder uns ihnen stellen und weitermachen.“ Als Trainer und Priester könne er „anderen helfen, körperlich und geistig fit zu werden. Ich empfinde große Freude, wenn ich sehe, dass die beiden Facetten miteinander verbunden sind“, sagt Gadberry.

Kris Schmidt, ein kanadischer katholischer Priester, spricht etwa in „YouTube“-Videos davon, dass Christsein nicht ein „spiritueller Teil des Lebens“ sei, der neben allem anderen stehe. Angereichert durch Bilder von Crossfit-Übungen, spricht Father Schmidt „heiße Eisen“ an, etwa die kirchliche Lehre über voreheliche Beziehungen oder auch über Sterbebegleitung im Gegensatz zur Sterbehilfe.

„Eat clean, be fit, pray well“

Anfang 2018 führten Ryan Rooney und Casey Jones, zwei junge Priester aus der Diözese Springfield, die Homepage priestfit.com ein. Unter dem Motto „Eat clean, be fit, pray well“ und unter Berufung auf Röm 12,1: „Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst“ geben die beiden Geistlichen Tipps für eine gesunde Ernährung im Zusammenhang mit Sport und Gebet.

„Menschen, die ich im Kraftraum kennengelernt habe, haben mich gebeten, ihre Kinder zu taufen“, sagt Rooney. Sein Fazit, das wohl auch andere Geistliche teilen: „Die Sporthalle ist ein privilegierter Ort für die Evangelisierung.“