Würzburg

Glaubenskurs Teil 18: Was macht mich frei, was engt mich ein?

Der multimediale Glaubenskurs von "Tagespost", Youcat und Radio Horeb.

Airplane flying above clouds
Airplane flying above clouds - 3D Rendering Foto: Nah Ting Feng (144153949)

"Über den Wolken" sang einst der Liedermacher Reinhard Mey, "muss die Freiheit wohl grenzenlos sein." Das Lied handelt von einem, der vom Hangar aus zusieht, wie ein Flugzeug in den Himmel abhebt; ihn überfällt Sehnsucht und der wehmütige Gedanke, ob es wohl irgendwo diese Freiheit gibt, in der "alle Ängste, alle Sorgen" zurück bleiben oder wenigsten klein werden. Reinhard Mey hat diesen Menschheitstraum intensiv gelebt. Von 1972 an erwarb er nach und nach Flugscheine für einmotorige und zweimotorige Flugzeuge, Doppeldecker und Hubschrauber, für Kunstflug, Instrumentenflug, dazu Bootsscheine und einen Motorradführerschein. Die Biografie von Reinhard Mey liest sich wie eine einzige Abfolge von Freiheitsmomenten. Mey setzte seine Freiheit durchaus nicht nur dazu ein, sich immer neue individuelle Freiheitserlebnisse zu verschaffen; er nutzte seine Freiheit auch, um sich auf eine beeindruckende Weise sozial zu engagieren.

Was ist Freiheit? Freiheit   und Lust auf Freiheit   ist etwas zutiefst Menschliches. So hat uns Gott gemacht, dass wir Geschmack an der Freiheit haben, dass wir nachdenken, wählen, ungezwungen etwas hinstellen. In der Freiheit ist der Mensch stolz, würdevoll, schön. Freiheit heißt: Völlig aus sich heraus handeln, ein Stück Welt zu erschaffen, wie sie uns gefällt, nicht fremdbestimmt zu sein. Das ist ein wichtiger Punkt, auch in der Kirche. So gerne es Eltern hätten, dass ihre Kinder glauben, so falsch ist es, Kinder zum Glauben zu überreden oder sie unter Druck zu setzen. Gott will das freie Ja des Menschen. Überall dort, wo ein Mensch nicht ganz aus sich handelt, wo er gezwungen oder gedrängt wird, dort ist er nicht ganz Mensch.

Wie frei ist der Mensch? Die erste Antwort lautet: Der Mensch ist frei, zu tun und lassen, was er möchte   selbst wenn es objektiv falsch ist. Das gehört zu seiner Menschenwürde, auch wenn Ideologen an den Machthebeln Menschen in ihren Freiheitsrechten (der Religions-, der Meinungs-, der Berufs-, der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit etc.) immer wieder zu beschneiden versuchen, weil sie besser zu wissen glauben, was gut ist für die Leute.


"Wir drängen unseren Glauben niemandem auf. Diese Art von Proselytismus ist dem Christlichen zuwider. Der Glaube kann nur in Freiheit geschehen. Aber die Freiheit der Menschen, die rufen wir an, sich fur Gott aufzutun; ihn zu suchen; ihm Gehör zu schenken." 
Papst Benedikt XVI.

Die Lobrede auf die Freiheit wird aber nicht übersehen, dass die Option des Menschen das Böse wählen zu können   das also, was ihn und andere schädigt   ihn geradewegs auf den Highway to hell führen kann. Es war der Satanist Aleister Crowley, der die vermeintliche Freiheitsparole ausgab: "Tu, was du willst! Dies sei das ganze Gesetz." Das Freiheitskonzept, das Selbst- und Fremdzerstörung einschließt (beispielsweise bei Abtreibung, Suizid und Euthanasie), ist ein Konzept, das auf einem blasphemischen Gottestausch basiert: Ich bin der Herr. Ich bin das Gesetz. Im weiten Universum ist niemand sonst, den es wirklich interessiert, was mit mir geschieht. Und es ist auch niemand, den es interessiert, wenn der Andere das Opfer meiner Freiheit wird.

Der wahre Gott gibt zwar uneingeschränkte Freiheit. Er hat aber in die Freiheit eine Orientierung eingebaut   einen inneren Drift auf das Gute hin. Ich bin ganz frei, aber der Sinn meiner Freiheit ist das Gute. Der Mensch ist frei, damit er aus eigener, freier Wahl heraus das Gute tut. So empfinden Menschen ein Glück und eine natürliche Befriedigung, wenn sie etwas Gutes tun und sie werden rot vor Scham, wenn sie beim Bösen ertappt werden. Dass es diese Unterscheidung gibt, ist ein Hinweis darauf, dass das Gute von dem Guten kommt   anders gesagt: dass der letzte Urgrund   Gott   gut ist. Wenn Gott gut ist, dann ist das Gute gut und das Böse eben böse. In einer sinnvollen Welt will Gott, dass wir gut sind. C.S. Lewis: "Wenn wir nicht so sein wollen, wie Gott uns will, dann wollen wir in der Tat etwas, das uns unmöglich glücklich machen kann."

Reinhard Mey hat übrigens die Grenzen der Freiheit am eigenen Leib erfahren. Zwei seiner Fluglehrer stürzten ab, kamen um. Ein Kind von ihm starb nach fünfjährigem Wachkoma, was   so Reinhard Mey "die Familie in ihren Grundfesten erschüttert und das Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt". Mey hatte unzählige Nächte am Bett des Kindes verbracht, Lieder gesungen, ihm erzählt. Ob er ihm "Über den Wolken" gesungen hat? Wahrscheinlich müssen wir über den menschlichen Traum von der Freiheit unter der Voraussetzung sprechen, dass die vollkommene Freiheit erst dort existiert, wo "alle Ängste, alle Sorgen" verschwunden sind, weil einer da ist, von dem es heißt: "Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal." (Offenbarung 21,4) Bis dahin sollen wir einfach gut sein, auch wenn es anstrengend ist. Gott kommt uns mit seiner Gnade entgegen und macht gut, was sonst nicht gutzumachen ist

Zur weiterführenden Lektüre:

  • YOUCAT 286: Was ist Freiheit, und wozu ist
  • sie da?
  • YOUCAT 354: Kann man Menschen zwingen, an Gott zu glauben?
  • YOUCAT 289: Muss man dem Menschen seinen freien Willen lassen, auch wenn er sich für das Böse entscheidet?
  • YOUCAT 281: Warum sehnen wir uns nach Glück?
  • YOUCAT 340: Wie verhält sich die Gnade Gottes zu unserer Freiheit?

Wer das Thema mit Freunden oder einer Gruppe tiefer erarbeiten möchte, kann sich unter www.youcat.org/de/youcatstudyden Studyguide No. 9 kostenlos herunterladen. Die nächste Folge bei Radio Horeb wird am 23. September um 19.45 Uhr ausgestrahlt.