Madrid

Gesetzestreue als Maxime

Die Kirche bemüht sich im Streit um die Umbettung der Gebeine Francos um Deeskalation.

Franco soll umgebettet werden
Kritiker der Umbettung Francos fürchten um die Zukunft der gesamten Gedenkstätte, deren Wahrzeichen ein Kreuz ist. Foto: dpa

Der Sinn für Maß und Form kennzeichnen die Benediktsregel. Wie schwierig deren praktische Umsetzung ist, erleben derzeit die Benediktiner der Abtei Santa Cruz im Tal der Gefallenen unweit von Madrid. Seit Monaten schwelt der Konflikt mit der Regierung um die Exhumierung der sterblichen Überreste des 1975 in der Klosterkirche bestatteten Caudillos Francisco Franco. Er soll nach dem Willen des Gesetzgebers in die Familiengruft auf dem El-Pardo-Friedhof in Mingorrubio umgebettet werden. Francos Angehörige versuchen – bisher erfolglos – die vom Obersten Gerichtshof gestützte Entscheidung juristisch zu verhindern. Dennoch gab Spaniens stellvertretende Ministerpräsidentin Carmen Calvo kürzlich bekannt, bis zum 25. Oktober sollten Francos Gebeine exhumiert werden. Der genaue Zeitpunkt der Umbettung werde den Angehörigen 48 Stunden vorher mitgeteilt.

Kirche als Folie für Profilierungskampagne linker Politiker

Begründet wird die Entscheidung mit dem Gesetz des historischen Andenkens (Ley de Memoria Histórica). Es sieht vor, dass in der Gedenkstätte im Tal der Gefallenen ausschließlich Opfer des Bürgerkriegs bestattet werden. Für die Benediktiner, die im Auftrag der Stiftung Santa Cruz die stiftungseigenen Immobilien – darunter die Kirche – verwalten, ist das ein Grund mehr, misstrauisch zu reagieren: Zwanzig Mönche, die nicht während des Bürgerkriegs umkamen, sind in der Kirche bestattet. Trifft diese Toten nach Francos Exhumierung ebenfalls der Bannstrahl des Gesetzgebers?

Kritiker fürchten, dass die Kirche vor den Neuwahlen am 10. November als Folie für eine Profilierungskampagne linker Politiker herhalten und vom politischen Fiasko in Madrid ablenken soll. Spaniens Parlamentarier steuern in diesen Tagen ohne nennenswerte Erfolgsaussichten auf eine Wahlwiederholung zu. Es ist der vierte Wahlgang in vier Jahren.

Auseinandersetzung zieht Kreise über die iberische Halbinsel hinaus

In den einschlägigen Blogs äußern Skeptiker die Sorge, die gesamte Gedenkstätte im Tal der Gefallenen könne in den Sog staatlicher Verordnungen geraten. Womöglich solle die Anlage ihres weithin sichtbaren Wahrzeichens, eines steinernen Kreuzes, beraubt oder in die Luft gesprengt werden, befürchten manche. Strammes Durchgreifen in einem Bergkloster als politische Ersatzhandlung? Die Auseinandersetzung um Francos letzte Ruhestätte zieht jedenfalls Kreise über die iberische Halbinsel hinaus. Auch der Vatikan musste sich inzwischen mit dem Fall befassen.

Der Wunsch der Familie Franco, die Gebeine in der Almudena-Kathedrale zu bestatten, stieß in Madrid auf Widerstand. Im Zentrum der Hauptstadt soll sich keine Wallfahrtsstätte etablieren. Angesichts der angespannten Situation bemüht sich die Kirche um Deeskalation. Sowohl der Vatikan als auch die Spanische Bischofskonferenz haben Gesetzestreue signalisiert. Der Abt von Solesmes, Philippe Dupont OSB, zu dessen Kongregation die Abtei Santa Cruz gehört, verwies im Geist benediktinischen Gehorsams auf die Weisungskompetenz des Heiligen Stuhls. Man werde dessen Entscheidungen befolgen. Und der Sekretär der Spanischen Bischofskonferenz, Weihbischof Luis Argüello, mahnte kürzlich den Blick nach vorne an: Der Kirche gehe es um Versöhnung, nicht um Parteiengerangel.

keine illegalen Aktivitäten seitens der Abtei

Nicht zuletzt bemüht sich der streitbarste Verbündete der Familie Franco, Prior Santiago Cantera OSB von der Abtei Santa Cruz, darum, den Ball flachzuhalten. Cantera werde den Konflikt nicht auf die Spitze treiben, berichtete das Magazin „Vida nueva“ kürzlich. Auch werde es keine illegalen Aktivitäten seitens der Abtei geben. Kampflos zurückziehen will sich der Konvent indes nicht. Alle juristischen Mittel würden ausgeschöpft, um eine Umbettung Francos zu verhindern, heißt es in einem Schreiben des Priors an die stellvertretende Ministerpräsidentin vom 9. Oktober.