Würzburg

Gastkommentar : Katholisches Vorbild

Papst Johannes Paul II. war durch und durch echt, keine modische Attrappe des Zeitgeistes. Ihm ging es um die Jesus-Ökumene. Dessen Kreuz trug er bis zu seinem dramatischen Lebensende.

Seligsprechung Johannes Paul II.
Seligsprechung von Papst Johannes Pail II. am 1. Mai 2011 auf dem Petersplatz in Rom. Mehr als eine Million Gläubige nahmen an der Seligsprechung teil. Bild: Tapisserie mit Darstellung von Papst Johannes Paul II. am Petersdom. Foto: KNA

Papst Johannes Paul II. ist ein Kirchenlehrer für das 21. Jahrhundert, weil er sich nicht am Mainstream orientierte, niemals Mittelmaß war. Wenn er sprach, hielten die Mächtigen den Atem an. Der Fall des Eisernen Vorhangs ist ohne ihn undenkbar. Der von vielen unterschätzte Ronald Reagan baute auf seinen Rat. Dieser Papst bot kein Gefälligkeitschristentum, keinen Wellness-Allerweltsglauben. Er hielt zusammen mit dem damaligen Kardinal Ratzinger das Kirchenschiff auf Kurs. Sein Familieninstitut war mehr als ein Symbol für die oberste Priorität biblischer Ethik: Ehe und Familie als Kern einer wert(e)vollen Gesellschaft. Er war offen für das Judentum, die Orthodoxie und auch das Luthertum, ohne je in falscher Anbiederung die Unterschiede zu verwischen. Ich erlebte das hautnah in einem Gespräch in Paderborn anlässlich seines Deutschlandbesuches 1996.

"Ich bin froh, seid ihr es auch"

Nie hat mich ein Mensch so tief beeindruckt. Er war durch und durch echt, keine modische Attrappe des Zeitgeistes. Ihm ging es um die Jesus-Ökumene. Dessen Kreuz trug er bis zu seinem dramatischen Lebensende. Ihm warf man vor, als Ewiggestriger mit ehernen Dogmen und rückwärtsgewandter Sexualmoral nicht modern genug zu sein.

Aber es waren Millionen Jugendlicher aus aller Welt, die in seinen Sterbestunden zum Abschied auf den Petersplatz strömten. „Ich bin froh, seid ihr es auch“, waren seine letzten, unvergessenen Worte. Sein Pontifikat stellte er unter das Bibelwort „Habt keine Angst“. Diese Zentralaussage des Evangeliums prägte sein Leben. Darin ist er für mich eines der letzten katholischen Vorbilder von Weltrang.

Der Autor ist Journalist und Verfasser mehrerer Bestseller. Er hat Evangelische Theologie, Philosophie, Psychologie und Germanistik studiert. Bis zu seinem Ruhestand 2017 war er stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin. Der Protestant gehörte bis 2009 17 Jahre lang dem Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland an

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