Salzburg

Gastkommentar : Kämpfe statt Jüngerschaft

Die Amazonas-Synode hat ihr Ziel verfehlt: Ideologische Kämpfe wurden ausgetragen, anstatt dass die Kirche erneuert wird.

Amazonas-Synode: Ideologie statt Erneuerung
Bei der Amazonas-Synode seien ideologische Kämpfe ausgetragen worden, anstatt über die Erneuerung der Kirche zu diskutieren, meint Patrick Knittelfelder. Im Bild: Ein Gläubiger hält auf dem Petersplatz während des Angelus-Gebets ein Kreuz. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

Sicher eine tolle Synode, interessante Gedanken, viri probati hin oder her. Doch ich habe wieder den Verdacht, es wurde das Ziel verfehlt. Ideologische Kämpfe werden ausgetragen, anstatt dass die Kirche erneuert wird. Es fehlt schlicht und einfach ehrliche Jüngerschaft. Und das im Amazonasgebiet, wo vor ein paar Jahren alles so gut begann. 2007 fand in Aparecida, einem Wallfahrtsort in Brasilien, die 5. Generalversammlung des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik statt.

Grundlagendokument zu fast allen kirchlichen Bereichen

Der Schlusstext ist ein Grundlagendokument zu fast allen kirchlichen Bereichen, speziell zum Begriff „missionarische Jüngerschaft“. Kardinal Bergoglio hat damals das Treffen im Auftrag von Papst Benedikt vorbereitet. Ein Thema war die Abwanderung von Scharen von Katholiken zu freichristlichen Bewegungen. Im Vorfeld wurde eine große Studie über die Beweggründe angelegt. Hier die vier Hauptgründe, warum Katholiken zu freien Gemeinden wechseln: Keine persönliche tiefe Christusbeziehung, wenig herzliche geschwisterliche Gemeinschaft, die biblische und lehramtliche Bildung wird als theoretisch und kalt empfunden, wenig Realitätsbezug, und es gibt kaum missionarische Bemühungen. Die Sehnsucht scheint kein möglichst angepasstes Christentum zu sein. Die Richtung lautet: Wenn es Gott wirklich gibt, dann will ich voll dabei sein.

Menschen mit Sehnsucht, Gott kennenzulernen

Mir scheint, auch in den Pfarreien jeder deutschen Kleinstadt ist die Sehnsucht dieselbe. Wir betreiben eine Mission Base, mitten in Salzburg. Wir geben viel und verlangen viel. Unsere Programme sind auf Jahre ausgebucht. Zu uns kommen normale Menschen. Sie haben die Sehnsucht, Gott kennenzulernen. Wir leben missionarische Jüngerschaft, wie sie in den Dokumenten von Aparecida beschrieben ist. Und es funktioniert. Aparecida hätte die Basis der Amazonas-Synode werden sollen. Schade. Ziel verfehlt. Aber wenn es diesmal nicht geklappt hat, dann vielleicht beim nächsten Synödchen. Ich bin einfach Optimist.

Der Autor ist Unternehmer und Geschäftsführer der HOME Mission Base Salzburg