Köln

Frauenweihe: BDKJ bestürzt über Kardinal Woelki

Der Kölner Kardinal verweigere jede inhaltliche Diskussion über eine Reform der Kirche, kritisiert der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Damit stärke er einen kirchlichen Fundamentalismus.

BDKJ kritisiert Kardinal Woelki
Diskussionen über Reformen der katholischen Kirche werden seit einiger Zeit intensiv geführt, nicht zuletzt verstärkt durch die Kirchenstreik-Bewegung „Maria 2.0“. Foto: Friso Gentsch (dpa)

„Mit Bestürzung“ hat der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) auf die jüngsten Äußerungen des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki zum Frauenpriestertum reagiert. Der Kölner BDKJ-Diözesanvorsitzende Volker Andres warf Woelki vor, jede inhaltliche Diskussion über eine Reform der Kirche zu verweigern und die Human- und Sozialwissenschaften gering zu schätzen. Der Kölner Erzbischof hatte im Rahmen eines Gottesdienstes erklärt, er lehne Diskussionen über eine mögliche Zulassung von Frauen zu Weiheämtern ab. Die Frage liege nicht in der Verfügungsgewalt der katholischen Kirche.

"Die Jugendverbände zeigen nicht bloß
theoretisch, sondern praktisch, dass sich demokratische
und kirchliche Strukturen keinesfalls gegenseitig
ausschließen, sondern einander bereichern"
Volker Andres, BDKJ-Diözesanvorsitzender in Köln

Mit seiner Haltung stärke Woelki einen kirchlichen Fundamentalismus, kritisierte Andres weiter. Die Kirche müsse die Zeichen der Zeit und die gesellschaftlichen und kulturellen Realitäten wahr- und ernstnehmen. „Die Jugendverbände zeigen nicht bloß theoretisch, sondern praktisch, dass sich demokratische und kirchliche Strukturen keinesfalls gegenseitig ausschließen, sondern einander bereichern“, meinte Andres.

Zuvor hatte sich bereits der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zur Diskussion um eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern geäußert. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ betonte er zwar, dass Johannes Paul II. die Frage „mit aller Verbindlichkeit für die gesamte Kirche bereits 1994 entschieden“ habe. Die Diskussion halte er aber noch nicht für beendet.

Fronten zwischen Kritikern und Gegnern von Reformen verhärten sich

Diskussionen über Reformen der katholischen Kirche werden seit einiger Zeit intensiv geführt, nicht zuletzt verstärkt durch die Kirchenstreik-Bewegung „Maria 2.0“, die im Oktober stattfindende Amazonas-Synode sowie den von den deutschen Bischöfen beschlossenen „Synodalen Weg“. Neben der Frauenweihe sind eine Lockerung des Zölibats sowie die katholische Sexualmoral weitere Konfliktthemen. Die Fronten zwischen Kritikern und Befürwortern eines Reformkurses verhärteten sich zuletzt.

DT/mlu/KNA

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