Nagasaki/Hiroshima

Franziskus: „Der Besitz von Atomwaffen ist unmoralisch“

Klares päpstliches Nein zu Besitz und Einsatz von Atomwaffen: Bei seinem Besuch in Nagasaki und Hiroshima ruft Papst Franziskus eindringlich zum Frieden auf.

Papst Franziskus: Appell gegen Atomwaffen
Papst Franziskus betet nach einer Kranzniederlegung im Atomic Bomb Hypocenter Park im japanischen Nagasaki. Eindringlich forderte Franziskus die politisch Verantwortlichen dazu auf, die Produktion der Atombomben und anderer Massenvernichtungsmittel zu beenden. Foto: Gregorio Borgia (AP)

Wie zu erwarten war, stand der Besuch von Papst Franziskus in Nagasaki und Hiroshima ganz im Zeichen eines klaren päpstlichen Neins zu Besitz und Einsatz von Atomwaffen. Am Sonntag besuchte der Papst am zweiten Tag seines Aufenthalts in Japan den „Hiroshima-Friedenspark“, in dem sich die so genannte „Atombomben-Kuppel“ befindet, ein Gebäude, das den Atombombenabwurf von 1945 überstanden hat und heute als Mahnmal dient. Johannes Paul II. hatte diesen Ort bereits 1981 besucht. Franziskus diente er jetzt als Schauplatz für einen eindringlichen Appell.

Der Papst nannte den Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken „heute mehr denn je ein Verbrechen“. Und: „Der Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken ist unmoralisch, wie ebenso der Besitz von Atomwaffen unmoralisch ist, wie ich schon vor zwei Jahren gesagt habe. Wir werden darüber gerichtet werden!“ Wie lasse sich denn von Frieden sprechen, solange immer neue, zerstörerische Waffen gebaut würden und wenn die Drohung eines Atomkriegs „als legitimes Mittel zur Konfliktlösung“ gelte, fragte der Papst. „Wenn wir tatsächlich eine gerechtere und sicherere Gesellschaft aufbauen wollen, müssen wir die Waffen aus unseren Händen legen.“ Der wahre Friede könne nur ein waffenloser Friede sein.

Friede muss auf Wahrheit gründen

Eindringlich forderte Franziskus die politisch Verantwortlichen dazu auf, die Produktion der Atombomben und anderer Massenvernichtungsmittel zu beenden: „Die neuen Generationen werden unser Scheitern verurteilen, wenn wir zwar über Frieden geredet, ihn aber nicht mit unserem Handeln unter den Völkern der Erde umgesetzt haben. Wie können wir von Frieden sprechen, während wir an neuen, furchtbaren Kriegswaffen bauen? Wie können wir über Frieden sprechen, während wir bestimmte illegale Handlungen mit diskriminierenden und hasserfüllten Reden rechtfertigen?“ Der Friede, so der Papst weiter, sei nur „Schall und Rauch“, wenn er nicht auf der Wahrheit gründe und mit Gerechtigkeit erbaut werde, wenn er, wie es in der Enzyklika „Pacem in terris“ heißt, „nicht durch die Liebe beseelt und vervollständigt und nicht in der Freiheit verwirklicht wird“.

Waffen erfordern maßlose Kosten

„Wenn wir tatsächlich eine gerechtere und sicherere Gesellschaft aufbauen wollen“, so der Papst, „müssen wir die Waffen aus unseren Händen legen.“ Man könne nicht lieben“ mit Angriffswaffen in den Händen“, zitierte er Papst Paul VI. aus denn Ansprache vor den Vereinten Nationen im Jahr 1965. Wenn man der Logik der Waffen nachgebe, vergesse man, dass die Waffen, noch bevor sie Opfer fordern und Zerstörung bewirken, böse Szenarien hervorrufen könnten: „Sie erfordern maßlose Kosten; sie vereiteln Projekte der Solidarität und der nützlichen Arbeit; sie verstören das Seelenleben der Völker. Wie können wir Frieden anbieten, wenn wir beständig die Drohung eines Atomkrieges als legitimes Mittel zur Konfliktlösung einsetzen? Möge dieser Abgrund des Schmerzes an die Grenzen erinnern, die niemals überschritten werden dürfen. Der wahre Friede kann nur ein waffenloser Friede sein.“ Darüber hinaus bestehe der Friede „nicht darin, dass kein Krieg ist, ...sondern er ist eine immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe. Er ist die Frucht von Gerechtigkeit, von Entwicklung, Solidarität, vom Interesse für unser gemeinsames Haus und der Förderung des Gemeinwohls, indem man aus den Lehren der Geschichte lernt.“

Am Sonntagvormittag war Papst Franziskus für einen siebenstündigen Besuch in Nagasaki gelandet. Dort feierte er eine Messe, in deren Predigt er ebenfalls auf den Atombombenabwurf von 1945 einging. Japan habe wie kaum ein anderes Land die Zerstörungskraft erfahren, zu der der Mensch gelangen könne. Und „Nagasaki trägt in seiner Seele eine schwer zu heilende Wunde, ein Zeichen für das unerklärliche Leid so vieler Unschuldiger“, sagte er in seiner Predigt im Baseballstadion der Stadt. Das Stadion von Nagasaki wurde 1997 gebaut und liegt nur etwa hundert Meter vom Epizentrum der Atombombenexplosion entfernt. Franziskus wandte sich sich gegen eine weit verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber Kranken und Behinderten, Alten und Verlassenen, aber auch Flüchtlingen und Gastarbeitern. Die Botschaft des gekreuzigten Christus könne aber „jede Art von Hass, Egoismus, Spott oder Nichtbeachtung überwinden“ und jeden „lähmenden Pessimismus oder einschläfernden Wohlstand bezwingen“.

Ehrung der japanischen Märtyrer

Zuvor hatte der Papst das Märtyrer-Mahnmal am Nishizaka-Hügel in Nagasaki besucht. Hier ehrt man den heiligen Paul Miki und 25 Gefährten, die an dieser Stelle im Jahr 1597 auf Befehl des Shogun gekreuzigt und schließlich mit Lanzen durchbohrt wurden. Die Ansprache des Papstes würdigte das Martyrium von Paul Miki und seinen Begleitern als einem „Triumph des Lebens“. „Hier strahlte das Licht des Evangeliums in der Liebe, die über die Verfolgung und das Schwert siegte… Wir sind nicht zum Tod berufen, sondern zum Leben in Fülle; das haben die Märtyrer verkündet.“

Er trete den Märtyrern „mit der Kleinheit jenes jungen Jesuiten“ gegenüber, der durch ihre Geschichte tief inspiriert worden sei, sagte Franziskus, der als junger Mann davon geträumt hatte, als Missionar nach Japan zu gehen. „Vergessen wir nicht die Liebe ihres Opfers! Auf dass es nicht eine ruhmvolle Reliquie vergangener Taten sei, die man in einem Museum gut aufbewahrt.“ Und die „Märtyrer des 21. Jahrhunderts“ fragten uns mit ihrem Zeugnis an, „auf dass wir mutig den Weg der Seligpreisungen gehen“. „Beten wir für sie und mit ihnen! Erheben wir unsere Stimme, dass die Religionsfreiheit für alle und in allen Teilen der Erde gewährleistet wird, und erheben wir unsere Stimme ebenso gegen jegliche Manipulierung der Religionen!“

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