Vatikanstadt/Washington

Ex-Präfekt Müller war früher für „Viri probati“

1992 schrieb der damalige Dogmatikprofessor, im Ausnahmefall könne man ausgebildeten Familienvätern die Priesterweihe spenden.

Kardinal Müller befürwortete "Viri probati"
In dem Text von aus dem Jahr 1992 hat sich Müller dafür ausgesprochen, Gemeindeleitungs-Teams aus zölibatären und verheirateten Priestern zu bilden. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Gegenüber der „Tagespost“ hat Kardinal Gerhard Müller klargestellt, dass Überlegungen von ihm aus seiner Zeit als Dogmatikprofessor nicht von der „Antizölibatsbewegung“ von heute instrumentalisiert werden dürften. Einer Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur zufolge hatte Müller 1992 im Rückblick auf eine 1988 stattgefundene Projektreise nach Peru geschrieben, dass es im Hinblick auf das Priestertum notwendig sei, dass es zölibatär lebende Priester gibt. „Aber es müsste auch Möglichkeiten geben, in den vielen schwer erreichbaren Gemeinden oder in den städtischen Massenpfarreien religiös ausgewiesenen und theologisch ausgebildeten Familienvätern die Priesterweihe zu spenden, damit sie vor Ort die pastoralen und liturgischen Grunddienste ausüben können“, so der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, der von 1986 bis 2002 einen Lehrstuhl für Dogmatik in München innehatte.  

Überlegungen von damals

Weiter habe sich Müller in dem Text von damals dafür ausgesprochen, Gemeindeleitungs-Teams aus zölibatären und verheirateten Priestern zu bilden: „Eine solche Neukonzeption“, so der spätere Bischof von Regensburg, „widerspräche nicht der Tradition der Kirche. Denn die Treue zur Tradition bedeutet nicht, dass die Kirche in jedem Fall nur der vergangenen Geschichte verpflichtet ist, sondern vielmehr noch der zukünftigen Geschichte, für die die Kirche ihre immer identische Sendung zum Heilsdienst auszuüben hat.“

Gegenüber der „Tagespost“ erklärte Kardinal Müller, der sich zurzeit in Washington befindet, am Freitag, „diese damaligen Überlegungen können nicht heute von der Antizölibatsbewegung als Argument in Anspruch genommen werden. Im Sinne von Presbyterorum Ordinis 16 besteht eine innere Verbindung zwischen dem Priestertum und der evangelischen Lebensweise (Mt 19), die niemand leugnen kann.“

„Dispens im Einzelfall ist keine Lösung“

Es gebe ja, so der Kardinal weiter, „verheiratete Priester als Ausnahme oder in Akzeptanz der östlichen Tradition um des höheren Gutes der Einheit willen. Die Lösung der Berufungskrise kann nicht die Dispens im Einzelfall sein, sondern nur eine Erneuerung im Glauben und der Liebe, die auch zum Opfer bereit ist, wenn Jesus Jünger in das zölibatäre Priestertum beruft.“

DT/gho