Vatikanstadt

„Es könnte bestätigt werden, was jetzt schon gilt“

Papst Franziskus hat eine neue Studienkommission zum Frauendiakonat einberufen. Zu ihr gehört der in Lugano lehrende Dogmatiker Manfred Hauke. Für ihn ist die Frage der Weihe von Frauen eigentlich schon geklärt.

Weihe von Frauen zu Diakoninnen
Ist die neue Kommission ein Schritt in Richtung Frauendiakonat? Ein alt-katholischer Bischof weiht Diakoninnen. Foto: Cornelis Gollhardt (KNA)

Papst Franziskus kommt einem Wunsch der Amazonas-Synode nach und hat in Absprache mit dem Glaubenspräfekten Luis Kardinal Ladaria eine weitere Studienkommission zum Frauendiakonat berufen. Geleitet wird sie vom Erzbischof von L'Aquila, Giuseppe Petrocchi, der seit 2018 dem Kardinalskollegium angehört, und dem Priester Denis Dupont-Fauville, einem Offizial der Glaubenskongregation, der seit 2010 auch am Collège de Bernardin in Paris lehrt. Daneben werden zehn Theologen dabei sein, fünf Männer und fünf Frauen. Deutschsprachig sind die in Fribourg wirkende Barbara Hallensleben und der Priester Manfred Hauke aus Lugano, die beide Dogmatik lehren. Hinzu kommen Catherine Brown Tkacz aus Lviv in der Ukraine, Dominic Cerrato aus Steubenville in den Vereinigten Staaten, Santiago del Cura Elena aus dem spanischen Burgos, Caroline Farey aus Shrewsbury in Großbritannien, James Keating aus Omaha in den Vereinigten Staaten, Angelo Lameri aus dem italienischen Crema, Rosalba Manes aus Viterbo nördlich von Rom und die Ratzinger-Preisträgerin Anne-Marie Pelletier aus Paris.

Die frühen Diakonissen waren nicht wie Diakone

Es ist bereits die zweite Studienkommission zum Frauendiakonat, die Franziskus einrichtet. Die erste hatte der Papst 2016 auf Anregung von Ordensoberinnen ins Leben gerufen. Diese Kommission, der unter anderem die in Wien lehrende Theologin Marianne Schlosser und der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke angehörten, kam bis 2018 zu keinem eindeutigen Ergebnis über eindeutige Formen eines Frauendiakonats in der frühen Kirche. Aus der knappen Mitteilung, die der Vatikan am Mittwoch vergangener Woche zu der neuen Kommission veröffentlicht hat, geht nicht hervor, ob sich die Expertenrunde nochmals nur mit dem historischen Aspekt, also mit den Frühformen eines möglichen Frauendiakonats befassen soll. Dort heißt es nur, der Papst habe „eine neue Studien-Kommission zum Frauendiakonat eingesetzt“.

Gegenüber der „Tagespost“ machte jetzt das neue Kommissions-Mitglied Manfred Hauke darauf aufmerksam, dass auch schon von 1998 bis 2002 die Internationale Theologische Kommission bei der Glaubenskongregation eine Studie zum Frauendiakonat erarbeitet habe. „Dieses ausführliche Studiendokument“, so Hauke wörtlich, „bemerkt am Ende, dass die Diakonissen der alten Kirche nicht mit den Diakonen gleichgesetzt werden können und dass die Einheit des Weihesakramentes – wozu auch der sakramentale Diakonat gehört – von der Tradition der Kirche, gerade auch vom Zweiten Vatikanum, betont wird.“ Die Studie habe damals vorgeschlagen, dass es im Licht der Ergebnisse ihrer „historisch-theologischen Untersuchung“ nun „dem Amt der Unterscheidung, das der Herr in seiner Kirche eingerichtet hat“, zukomme, sich „mit Autorität zu dieser Frage zu äußern“. Hauke hält es nicht für ausgeschlossen, dass „die neue Kommission, über deren Arbeitsweise und Zielsetzung mir noch nichts bekannt ist, eine solche Stellungnahme des päpstlichen Lehramtes beziehungsweise der Glaubenskongregation vorbereiten“ soll. Ebenfalls gegenüber dieser Zeitung hält er es aber auch für möglich, dass es um einen Vorschlag der neuen Kommission gehen könnte, „ein nichtsakramentales Diakonat der Frau einzuführen – was im Grunde niemand will, aber ins Gespräch gebracht wurde, um andere Ziele zu erreichen –, oder eine feierliche Segnung von Mitarbeiterinnen in der Seelsorge – was nichts Neues wäre, wie die Geschichte der altkirchlichen Diakonissen zeigt“.

Klerikalisierung der Frauen vermeiden

Papst Franziskus hatte nach dem Ende der Amazonas-Synode, die keine eindeutige Forderung nach einem Frauendiakonat formuliert hatte, die Frage zunächst offen gelassen. Im Schlussdokument der Bischofsversammlung vom Oktober 2019 hieß es lediglich, in vielen Beratungen sei ein Ständiger Diakonat für Frauen gefordert worden und man wolle sich gerne mit der 2016 eingesetzten Kommission austauschen, die aber dann im Dezember 2018 ergebnislos auseinanderging. In seiner Schlussansprache, so bemerkt Hauke gegenüber der „Tagespost“, kündige Franziskus zwar an, er werde in Zusammenarbeit mit der Glaubenskongregation neue Personen in diese Kommission berufen und „den Handschuh aufheben“, den ihm die Synode „hingeworfen“ habe. Aber im postsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ hieß es dann lediglich, es sei eine Klerikalisierung der Frauen zu vermeiden, auch wenn sie „Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten“ erhalten sollen, „die nicht die heiligen Weihen erfordern“ (Nr. 103).

Im Zusammenhang mit dem dreistufigen Weiheamt in der katholischen Kirche, das eine Frauenweihe eigentlich unmöglich macht, weil ein sakramentales Weiheamt nur Männern vorbehalten ist, äußert sich Hauke eindeutig zu der Frage, ob diese Klippe durch ein neues Dokument des Lehramts überwunden werden kann: „Nein“, erklärt er gegenüber dieser Zeitung: „Im Grunde ist eine sakramentale Weihe von Frauen, die stets zu dem einen Weihesakrament gehören würde, von dem Apostolischen Schreiben ,Ordinatio sacerdotalis‘ Johannes Pauls II. von 1994 ausgeschlossen worden. Nicht direkt, weil hier von der Priesterweihe die Rede ist – konkret Bischöfe und Presbyter –, aber indirekt schon, weil der Diakonat zu dem einen Weihesakrament gehört, das in der Sendung der Apostel gründet. Das ist eindeutig eine Glaubenstradition der Kirche, die freilich in einem Dokument der Glaubenskongregation oder des Papstes bestätigt werden könnte.“

„Es gibt Zweifel, lasst uns weiter studieren“

Hauke selber hat auch erst durch die Mitteilung des Vatikans von vergangener Woche davon erfahren, dass er in die neue Studienkommission zum Frauendiakonat berufen wurde. „Freilich kann ich mir im Nachhinein vorstellen“, so der Dogmatiker weiter, „dass die Überreichung des von Helmut Hoping und mir herausgegebenen Werkes über den Diakonat an Papst Franziskus am 18. Dezember 2019 dabei eine Rolle gespielt haben könnte.“ Dieses Werk, das Frucht einer internationalen Tagung in Lugano ist, erschien 2018 auf Italienisch, 2019 auf Deutsch und Portugiesisch. Die Professoren Hoping, Hauke und João Paulo de Mendonça Dantas aus Belém in Brasilien haben es Papst Franziskus persönlich überreicht und kurz kommentieren können.

Auf dem Rückflug von Mazedonien nach Rom im Mai 2019 hatte Franziskus vor Journalisten zu dem ergebnislosen Ende der ersten Studienkommission zu möglichen historischen Frühformen des Frauendiakonats gesagt, es sei grundlegend, dass es für die frühe Kirche „keine Gewissheit gibt, ob eine Weihe die gleiche Form und die gleiche Bestimmung der Weihe von Männern hatte. Einige sagen: Es gibt Zweifel, lasst uns weiter studieren. Ich habe keine Angst vor der Erforschung. Bis jetzt aber ist es nicht klar. Dann ist eines merkwürdig: Wo es Diakoninnen gab, handelt es sich fast immer um eine geographische Region, vor allem Syrien, und in anderen Gebieten gibt es sie kaum oder gar nicht. All das ist es, was ich von der Kommission erhalten habe. Jeder forscht weiter. Es wurde eine gute Arbeit gemacht, da man bis zu einem gewissen gemeinsamen Punkt gekommen ist, und das kann als Grundlage dienen, weiter zu forschen und eine endgültige Antwort über das Ja oder Nein, je nach den Merkmalen der Zeitperiode, zu geben.“

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