Vatikanstadt

Eine kleine Schar im großen Petersdom

Fast allein hat Papst Franziskus die Liturgie des Palmsonntags gefeiert. Mit einem Appell an die Jugendlichen, sich selbst hinzugeben.

Coronavirus - Messe im Vatikan
Papst Franziskus feiert die Palmsonntagsmesse hinter verschlossenen Türen im Petersdom. In seiner Predigt sprach er über den Verrat an Jesus und die Verlassenheit des Gottessohns am Kreuz. Foto: Alberto Pizzoli (POOL AFP/AP)

In einem menschenleeren Petersdom hat Papst Franziskus die Liturgie des Palmsonntag gefeiert. Wie verloren wirkte die kleine Schar zwischen der Vierung unter der zentralen Kuppel mit dem gewaltigen Zimborium Berninis und dem Cathedra Petri-Altar, der mit einer großen Kreuzesdarstellung verhängt war. Einige wenige Vatikan-Angestellte, zwei Ordensfrauen – jeder in einer eigenen Bank –, ein Bischof, Kardinal Angelo Comastri, der Erzpriester der Basilika. Eine kleine Schola von acht Personen. Und dann die Lektoren und Akolythen mit dem Papst am Altar, dem ein Diakon und Zeremonienmeister Guido Marini assistierten. Der Sicherheitsabstand zwischen Marini und Franziskus war nicht immer einzuhalten, alle anderen hielten sich konsequent daran. Platz war schließlich genug.

Statt der Jugendlichen gähnende Leere

Hier und dort ein Kameramann und Leute vom Ordnungsdienst der Basilika. Eine in dem gewaltigen Gotteshaus wie verloren wirkende Gemeinde. Ziemlich genau hat auch der Vatikan die Weisung des italienischen Innenministeriums an die Bischöfe des Landes über die Feier von Gottesdiensten an den Kar- und Ostertagen umgesetzt, obwohl Bestimmungen Italiens auf dem Gebiet des kleinen Kirchenstaats keine bindende Kraft besitzen müssen. Es sind historische Augenblicke im Zeichen der Corona-Pandemie. So wie es 2013 zwischen Papst Benedikts Ankündigung seines Rücktritt und dem Abschied als amtierender Papst die vielen „letzten Male“ gab – die letzte Generalaudienz, die letzte Begegnung mit den Klerikern und Seminaristen Roms, der letzte Angelus ­–, so ist es jetzt im Herzen der Weltkirche die Zeiten der „ersten Male“: Zum ersten Mal seit Menschengedenken feiert ein Papst die Liturgien der Heilige Woche und das Osterfest so gut wie allein. Dafür wurde der Gottesdienst am Sonntag auf vielen Fernsehkanälen des Landes übertragen.

Dort, wo diesmal ein verwaister Petersplatz gähnte, hätten eigentlich Massen von jungen Menschen stehen müssen, unter anderem, um im Rahmen des diözesanen Weltjugendtags das große Kreuz von Jugendlichen aus Panama an die aus Portugal weiterreichen zu lassen, wo im kommenden Jahr der zentrale Weltjugendtag begangen wird. Stattdessen eine kurze Erwähnung der Jugendfeier in der Predigt des Papstes: Die Übergabe des Weltjugendtag-Kreuzes ist auf das kommende Christkönigsfest verschoben.

„Schaut auf die wahren Helden“

Der Papst sprach in seiner Predigt über den Verrat an Jesus und die Verlassenheit des Gottessohns am Kreuz, um daraus in einem dritten Schritt die Konsequenz zu ziehen: „Was können wir, die wir vor Gott stehen, tun, vor Gott, der uns bis zur Erfahrung von Verrat und Verlassenheit gedient hat?“ Die Antwort von Franziskus: „Das Drama, das wir in diesen Tagen gerade durchleben, drängt uns, die ernsten Dinge ernst zu nehmen und uns nicht in Belanglosigkeiten zu verlieren“. Es gelte „wiederzuentdecken, dass das Leben zu nichts dient, wenn man nicht dient“. Und dann wandte sich Franziskus besonders an die Jugendlichen, deren Weltjugendtag an diesem Palmsonntag ausgefallen ist: „Ich möchte dies besonders den jungen Menschen sagen, an diesem Tag, der ihnen seit 35 Jahren gewidmet ist. Liebe Freunde, schaut auf die wahren Helden, die in diesen Tagen zum Vorschein kommen. Es sind nicht diejenigen, die Ruhm, Geld und Erfolg haben, sondern diejenigen, die in Selbsthingabe anderen dienen. Fühlt euch berufen, euer Leben einzusetzen. Habt keine Angst, es für Gott und die anderen zu geben, ihr werdet dabei gewinnen! Denn das Leben ist ein Geschenk, das einem zuteil wird, wenn man sich selbst hingibt; und die größte Freude besteht darin, Ja zu sagen zur Liebe, ohne Wenn und Aber. Ja zu sagen zur Liebe, ohne Wenn und Aber. So, wie Jesus es für uns getan hat.“

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