Vatikanstadt

Ein Skandal gibt Rätsel auf

Der Italiener Carmelo Barbagallo wird als Nachfolger Rene Brülharts neuer Chef der vatikanischen Finanzaufsicht.

Der italienische Finanzexperte Carmelo Barbagallo
Der italienische Finanzexperte Carmelo Barbagallo arbeitete lange Jahre in der Finanzaufsicht der Italienischen Zentralbank und war zuletzt Berater der Nationalbank für die Bekämpfung von Geldwäsche Foto: Wikicommons

Die Finanzaufsichtsbehörde des Vatikans, die von Papst Benedikt XVI. 2012 geründete AIF, hat einen neuen Chef. Nachdem der Vatikan vor der Ostasienreise von Papst Franziskus überraschend bekannt gegeben hatte, dass das fünfjährige Mandat des bisherigen Präsidenten Rene Brülhart ausläuft, kam jetzt die Ernennung des Nachfolgers. Es ist der italienische Finanzexperte Carmelo Barbagallo (63), der lange Jahre in der Finanzaufsicht der Italienischen Zentralbank gearbeitet hat und zuletzt Berater der Nationalbank für die Bekämpfung von Geldwäsche war. Dass er ein „auslaufendes Mandat“ innehatte, hat der scheidende Präsident Brülhart inzwischen bestritten. Gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“ erklärte er, seine Anstellung sei nicht zeitlich befristet gewesen.

Im Rahmen des jüngsten Finanzskandals an der Römischen Kurie, bei dem es unter anderem um den Umgang mit Geldern aus dem Fundus des Peterspfennigs für den Erwerb einer Luxus-Immobilie in London durch das vatikanische Staatssekretariat geht, hatte die vatikanische Gendarmerie Anfang Oktober Computer im Staatssekretariat konfisziert. Fünf Mitarbeiter des Vatikans wurden vom Dienst suspendiert, unter ihnen der zweite Mann in der AIF, Direktor Tommaso Di Ruzza.

Papst: Da ist ein Skandal passiert

Auf dem Rückflug von Tokio nach Rom hat Papst Franziskus am vergangenen Dienstag vor den mitfliegenden Journalisten sehr ausführlich zu diesen Vorgängen Stellung genommen. Angesprochen auf den Kauf der Londoner Immobilie meinte er: „Da ist passiert, was passiert ist: ein Skandal. Die haben Dinge getan, die nicht sauber wirken. Aber die Anzeige ist diesmal nicht von außen gekommen, es war der interne Revisor, der gesagt hat, da stimmt etwas nicht. Ich habe ihn gefragt: Sind Sie sicher? Ja, hat er geantwortet, und dann hat er gefragt, was er tun solle. Ich: Dafür ist die vatikanische Justiz da. Gehen Sie und zeigen Sie das bei der vatikanischen Staatsanwaltschaft an. Und in dieser Hinsicht war ich zufrieden; man sieht, dass die vatikanische Verwaltung jetzt die Ressourcen hat, um die hässlichen Dinge zu klären, die intern passieren.“ Der Papst verteidigte jedoch vor den Journalisten die Praxis des Vatikans, Spendengelder zur Wertmehrung in Anlageobjekte zu investieren.

„Die AIF hat Delikte nicht kontrolliert“

 

Franziskus fügte hinzu, er habe angesichts des Verdachts auf Korruption die Durchsuchung mehrerer Büros im Vatikan persönlich genehmigt. Solange die Korruption nicht bewiesen sei, gelte zwar die Unschuldsvermutung, doch sei es „nicht schön, dass so etwas im Vatikan passiert“. „Aber es wurde durch interne Mechanismen geklärt, die allmählich funktionieren, und für dieses Funktionieren danke ich Gott.“

Ähnlich äußerte sich Franziskus zur vatikanischen Finanzaufsicht AIF und dem abgelösten Präsidenten Brülhart. „Das AIF hat, so sieht es zumindest aus, die Delikte der anderen nicht kontrolliert. Das war aber seine Aufgabe!“ Er lobte den Mut der Vatikanjustiz in dieser Angelegenheit. Jetzt müsse man erst einmal die Ermittler ihre Arbeit machen lassen. „Es ist das erste Mal, dass die Pfanne von innen aufgedeckt wird, nicht von außen. Von außen ist das so oft geschehen, und das war für uns sehr beschämend.“ Solange die vatikanische Staatsanwaltschaft keinen Prozess gegen die suspendierten Mitarbeiter – AIF-Direktor Di Ruzza eingeschlossen – eröffnet, dürften die Einzelheiten des Finanzskandals noch im Dunkeln bleiben.

DT/gho

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