Vatikanstadt

Ehelosigkeit der Priester: Die Spannung steigt

Papst Franziskus sieht sich in Sachen Zölibat als treuer Gefolgsmann Johannes Pauls II., aber Traditionalisten behaupten das Gegenteil.

Wie wird sich Papst Franziskus zur Frage der "viri probati" äußern?
Wann erscheint das nachsynodale Schreiben zur Amazonas-Synode? Und wie wird sich Papst Franziskus zur Frage der "viri probati" äußern? An Spekulationen mangelt es nicht. Im Bild: Papst Franziskus kommt zu seiner wöchentlichen Generalaudienz in die Vatikanischen Audienzhalle. Foto: Evandro Inetti (ZUMA Wire)/dpa

Während in Italien Auszüge aus einem neuen Buch über Johannes Paul II. die Runde machen, in denen sich Papst Franziskus gerade in der Frage des Zölibats ganz auf die Seite seines heiliggesprochenen Vorgängers stellt, steigt die Spannung mit Blick auf das postsynodale Schreiben zur Amazonas-Synode, in dem der Jesuitenpapst Antwort auf den Vorschlag der Bischofsversammlung geben müsste, in Regionen mit einer Unterversorgung der Gemeinden an Priestern Ständigen Diakonen die Priesterweihe zu erteilen, damit auch dort regelmäßig die Eucharistie gefeiert werden kann. 

Franziskus bekennt sich zum Zölibat

In wenigen Tagen erscheint im Paolinen-Verlag das Buch „San Giovanni Paolo Magno“ (Der heilige Johannes Paul der Große“, in dem Franziskus in einem Interview mit dem Autor Don Luigi Maria Epicoco seine Nähe zu Karol Wojtyla beteuert, die beide aus der „Ferne“, aus Krakau und Buenos Aires, auf den Stuhl Petri gewechselt seien. In seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires sei er als „Konservativer“ wahrgenommen worden, gerade wegen seiner Nähe zu dem polnischen Papst.

Wer im Zölibat den Grund für den Mangel an Berufungen und die Missbrauchsskandale sieht, dem hält Papst Franziskus in dem Buch entgegen, dass der Zölibat „eine Gnade, nicht eine Grenze“ sei. Bergoglio zeigt sich überzeugt, „dass der Zölibat ein Geschenk, eine Gnade ist und dass er selber, der er der Spur von Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. folgt, die starke Verpflichtung spürt, an den Zölibat wie an eine entscheidende Gnade zu denken, die die lateinische katholische Kirche charakterisiert“.

Widersprüchliche Vorhersagen

Aber es gibt auch andere Stimmen. So hat der viel gelesene Traditionalist Roberto de Mattei in seinem Online-Dienst „Corrispondenza Romana“ die Nachricht veröffentlicht, dass das nachsynodale Schreiben zur Amazonas-Synode den Zölibat abschaffen wird. Er beruft sich auf einen ihm über „vertrauliche Wege“ von Bischöfen zugeleiteten Teil des nachsynodalen Schreibens, in dem angeblich der Paragraf 111 des Schlussberichts der Synode, in dem die Weihe von „viri probati“ empfohlen wird, eingearbeitet sei.

Allerdings zitiert de Mattei nicht aus dem Entwurf des Apostolischen Schreibens, sondern nur den entsprechenden Paragrafen aus dem Schlussbericht der Amazonas-Synode. Kurienprälaten, die den Entwurf des nachsynodalen Papiers gesehen haben, bevor er in die Übersetzung in die einzelnen Landessprachen ging, widersprechen dem. Das zu erwartende Papstwort im Anschluss an die jüngste Bischofsversammlung erwähne weder die „viri probati“ noch eine Diakonenweihe der Frau. Diesen Gegensatz in den Spekulationen über den Inhalt des Apostolischen Schreibens wird wohl erst dessen Veröffentlichung auflösen, die bereits Ende des letzten Jahres erfolgen sollte.

DT

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