Vatikanstadt

Drehscheibe ist das Sekretariat

Wer an der Amazonas-Synode teilnimmt und wer sie wirklich leitet.

Liste der Teilnehmer an der Amazonas-Synode bekannt
Die Leitung der Synode war schon seit längerem bekannt. Am Wochenende hat der Vatikan die vollständige Teilnehmerliste veröffentlicht. Foto: Giuseppe Lami (ANSA/AP)

Zwei große Gruppen werden die in zehn Tagen beginnende Amazonas-Synode prägen: Die 58 Bischöfe aus Brasilien, in deren Territorien der Löwenanteil des Amazonasbeckens liegt, und die 55 „Auditoren“ (Hörer), die als Betroffene an der Bischofsversammlung teilnehmen werden. Die meisten kommen vom Amazonas, ein kleiner Teil von ihnen gehört indigenen Volksgruppen an, aber auch einige Europäer stoßen zu dieser Gruppe wie der Klima-Forscher Domenico Gaudioso oder der „Slow Food“-Experte Carlo Petrini, beide aus Italien. Die Auditoren sind das nicht, sie nehmen an der Versammlung teil, wie auch die zwölf „besonderen Gäste“, von denen der prominenteste vielleicht der ehemalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon ist und zu denen auch drei Deutsche gehören: der Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz und sein Amtskollege Pirmin Spiegel vom Hilfswerk Misereor oder der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber.

25 Experten sollen die Sondersekretäre beraten

Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
Kardinal Reinhard Marx. Foto: dpa

Und dann gibt es da noch die 25 „Experten“, die die Sondersekretäre der Synode beraten sollen. Sowie die 19 Mitglieder des vorsynodalen Rats, der das „Instrumentum laboris“ erarbeitet hat, und die 15 Delegierten der Union der Ordensoberen. Es wird also voll in der Synodenaula. Da es eine Bischofssynode ist, werden nur die 185 Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe stimmberechtigt sein. Hier gibt es einige, wenige Ausnahmen: Auch der Papstberater und Direktor der Jesuiten-Zeitschrift „Civilta Cattolica“, Pater Antonio Spadaro SJ, zählt zu den ordentlichen Mitgliedern der Versammlung.

Die Leitung der Synode war schon seit längerem bekannt. Am Wochenende hat der Vatikan die vollständige Teilnehmerliste veröffentlicht. Man weiß jetzt, dass neben den 58 brasilianischen Bischöfen drei ihrer Mitbrüder aus den Antillen, zwölf Bischöfe aus Bolivien, 15 aus Kolumbien, sieben aus Ecuador, elf aus Peru und sieben aus Venezuela die Protagonisten der Synode sein werden – neben den 13 Leitern der vatikanischen Dikasterien. Aber werden die Bischöfe aus dem Amazonasbecken die eigentlichen Protagonisten sein?

Besonderes Interesse gilt den 33 Mitgliedern, die der Papst persönlich berief

Als die Liste jetzt herauskam, galt ein besonderes Interesse den 33 Synodenmitgliedern, die Franziskus persönlich berufen wollte. Der Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen gehört nicht dazu, er wird nicht zur Synode reisen – zumindest nicht als deren Teilnehmer. Dafür aber der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz an der Versammlung teilnimmt. Allerdings gehört Schönborn seit einigen Jahren dem zwölfköpfigen begleitenden Rat des Generalsekretariats der Bischofssynode an. Dass auch sein deutscher Amtskollege Kardinal Reinhard Marx zur Synode fährt, kann nicht überraschen. Alle sechs Mitglieder seines Kardinalsrats wollte Franziskus dabei haben, auch die beiden Sekretäre.
       

Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn. Foto: dpa

Auch Vertreter des europäischen Episkopats wollte Franziskus auf der Synode sehen, es sind der Präsident des Rats der Bischofskonferenzen, Kardinal Angelo Bagnasco aus Genua, sowie der Präsident der Kommission der Bischöfe bei der Europäischen Kommission (Comece), der Luxemburger Erzbischof und designierte Kardinal Jean-Claude Hollerich. Zwei Vertraute des Papstes aus dem Vatikan wurden ebenfalls berufen: Erzbischof Vincenzo Paglia von der Akademie für das Leben und Bischof Sánchez Sorondo, Kanzler der Akademien für die Wissenschaften und für die Sozialwissenschaften. Aber auch der Präsident des Zentralafrikanischen Bischofsrats oder Kardinal John Ribat aus Papua Neuguinea als Vertreter anderer nichteuropäischer Regionen erhielten eine Einladung von Franziskus.

Präsident der Synode ist der Papst

Nicht vom Papst berufen, sondern automatisch Mitglieder der Versammlung ist die Leitung des kirchlichen Amazonas-Netzwerks REPAM, bei dem viele Fäden zur Vorbereitung der Synode zusammenliefen. Es sind REPAM-Präsident Kardinal Cláudio Hummes OFM, der auch die Arbeiten der Bischofsversammlung leiten wird, Vizepräsident Kardinal Pedro Pedro Ricardo Barreto Jimeno SJ aus Peru und der Generalsekretär des REPAM, der aus Ecuadore stammende Laie Mauricio López Oropeza. Der aus Österreich stammende emeritierte Bischof von Xingu, Erwin Kräutler, ebenfalls ein REPAM-Mann, nimmt als Mitglied des Vorsynodalen Rats an der Bischofsversammlung teil.

Bilanz-Pk Misereor
Pirmin Spiegel/Misereor. Foto: dpa

Präsident der Synode ist der Papst, im Präsidium hat er drei Vertreter, die Kardinäle Baltazar Enrique Porras Cardozo aus Caracas in Venezuela, Pedro Ricardo Barreto Jimeno SJ, Erzbischof von Huancayo in Peru, und Joao Braz de Aviz, den Präfekten der Ordenskongregation.

Generalrelator und damit Drehscheibe der Synode ist der 85 Jahre alte Kardinal Hummes. Zu seinen beiden Sondersekretären hat Franzikus den Jesuiten und designierten Kardinal Michael Czerny SJ ernannt, Untersekretär der Sektion für Migranten in der vatikanischen Kongregation für die umfassende Entwicklung des Menschen, und Bischof David Martínez de Aguirre Guinea OP von Puerto Maldonade in Peru. Mit ihren 25 Mitarbeitern, den sogenannten „Experten“, werden Hummes, Czerny und Martínez de de Aguirre Guinea eine Schlüsselrolle bei der Synode spielen.